Bauen statt Grüner Park. Ein weiterer städtebaulicher Kippmoment: Wenn Investoren die Stadtplanung vorgeben.

(stm/ Kommentar)

Die aktuelle Entwicklung rund um ein Grundstück nördlich der Möwenburgstraße offenbart ein beunruhigendes Muster städtischer Planungspolitik. Nach jahrelangen vergeblichen Versuchen, das Areal unter strengen städtebaulichen Auflagen zu entwickeln, hatte die Stadt im ISEK „Schwerin 2030“ endlich Klartext gesprochen: Hier sollte der dringend benötigte „nördliche Möwenburgpark“ entstehen. Doch kaum meldet sich ein neuer Investor, wirft die Verwaltung ihre eigenen Konzepte über Bord – und das in einem Verfahren, das alle Alarmglocken schrillen lassen sollte.

Die Warnemünder Bau GmbH verlangt nichts Geringeres, als dass die Stadt erst den Bebauungsplan beschließt, bevor der Investor überhaupt das Grundstück erwirbt. Diese ungewöhnliche Verfahrensweise dreht die normale Logik städtischer Planungshoheit auf den Kopf. Statt dass die Kommune die Entwicklung steuert, wird sie hier zum Erfüllungsgehilfen privater Interessen degradiert. Die vage formulierte Bedingung eines „alternativen Grünflächenstandorts“ wirkt wie ein Feigenblatt, das über den Bruch mit dem ISEK hinwegtäuschen soll.

Besonders pikant: Während die Stadt bei früheren Interessenten hart blieb und schließlich den Park beschloss, knickt sie nun ein – ausgerechnet bei einem Investor, der zunächst nicht auf ihre Auflagen reagiert hatte. Dieses selektive Durchsetzungsvermögen wirft die Frage auf: Gilt das ISEK nur so lange, bis sich jemand findet, der es ignoriert? Was bleibt dann noch von planerischer Glaubwürdigkeit?

Die Verwaltung begründet ihren Kurswechsel mit dem Grundsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“. Doch diese Argumentation verfängt nicht. Es geht nicht um das Ob von Wohnbau, sondern um das Wo und Wie. Das ISEK war kein beliebiger Vorschlag, sondern das Ergebnis eines demokratischen Prozesses – genau für solche Fälle, in denen kurzfristige Interessen langfristige Ziele bedrohen.

Die Botschaft dieser Entwicklung ist verheerend: Städtische Planungskonzepte sind offenbar nur so verbindlich, wie es den jeweils Beteiligten passt. Wenn Investoren rufen, werden Entwicklungskonzepte zur Makulatur. Wenn die Verwaltung dann noch bereitwillig jedes Stöckchen apportiert, das ihr hingehalten wird, verlieren Bürger zurecht das Vertrauen in die Planungshoheit ihrer Kommune.

Die Stadtvertretung steht wie so oft an einem Scheideweg: Wird sie als demokratisch legitimiertes Gremium ihre eigenen Beschlüsse gegen kurzfristige Wirtschaftsinteressen verteidigen? Oder wird sie zum Handlanger einer Entwicklung, die am Ende nur einem dient: denen, die schon wissen, wie man sich städtische Planung untertan macht? Für die Werdervorstadt geht es dabei um mehr als nur um ein paar Quadratmeter Grünfläche – es geht um die Frage, wem die Stadt eigentlich gehört.

Hier können die öffentlichen Beratungstermine zu der Angelegenheit eingesehen werden:

https://bis.schwerin.de/vo0050.asp?__kvonr=11175

Hier kann die Beschlussvorlage, sowie der „Bebauungsplan“ eingesehen und heruntergeladen werden:

Hier kann das ISEK 2030 angesehen und heruntergeladen werden – Man siehe hier Seite 37/38:


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14 Antworten zu „Bauen statt Grüner Park. Ein weiterer städtebaulicher Kippmoment: Wenn Investoren die Stadtplanung vorgeben.“

  1. Avatar von
    Anonymous

    Bitte Leute, schaut auf das Datum 01.04.2025 (Aprilscherz).

  2. Avatar von
    Anonymous

    Toller Artikel. Es gibt noch viel zu verdienen in der Weltkulturerbestätte. Die Verwaltung sollte sich den Bebauungsplan von den Investoren holen (spart enorm viel Zeit), wird so beschlossen (falls demokratisch notwendig) und dann geht’s aber los. Stadtentwicklung ist eben Dr.-Chefsache.

  3. Avatar von
    Anonymous

    Hier zeigt sich mal wieder, dass es keine Demokratie gibt. Es ist die Diktatur des Geldes.

  4. Avatar von
    Anonymous

    Hauspost: Medewege • Im August erwarb Nordstern-Inhaber Hendrik Liesberg von der Stadt Schwerin einen maroden Wohnblock in Medewege. Diesen will er bis Mitte 2020 sanieren: 14 Wohnungen sollen entstehen. Vier weitere sind als Neubau auf dem hinter gelagerten Grundstück geplant. Der Clou: Die Stadt plant nun direkt vor dem Gebäude einen sechs Meter breiten und etwa 45 Meter langen Radweg.

    Wurde das erfolgreich durchgeführt?

  5. Avatar von
    Anonymous

    Das gesamte Baugebiet ist einfach nur noch eine Plattenburg. Die letzten errichteten Blöcke entlang der Speicherstraße sind optisch sehr gewöhnungsbedürftig. Kein Grün, kein Sandkasten oder Klettergerüst, kein Gemeinschaftsplatz. Nur Häuser hinklotzen wird sich irgendwann rächen. Wenn schon nicht diese Fläche zu retten ist, dann wünsche ich mir, dass die nördliche Uferkante des Ziegelsees endlich als Gemeinschaftsfläche zum verweilen und baden hergerichtet wird.

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