(fab) Die Zukunft von rund 60 bezahlbaren Wohnungen am Schwälkenberg steht auf der Kippe. Wie www.schwerin.news erfahren hat, plant die neue Eigentümerin der Wohnungen, den Verkauf der Wohnungen an Einzelkäufer – mit möglicherweise gravierenden Folgen für die bisherigen Mieterinnen und Mieter.
Die Verwaltung der Landeshauptstadt Schwerin hat sich inzwischen gegen einen Ankauf des Wohnblocks durch die Stadt oder die kommunale Wohnungsgesellschaft WGS ausgesprochen. Doch entschieden ist noch nichts: Die Stadtvertretung berät am 14. Juli darüber, ob die Verwaltung trotz ihrer ablehnenden Haltung mit einer Prüfung beauftragt wird.

Swona kündigt gegenüber Mieter Einzelverkauf an
Am 13. Juni erhielten die Mieterinnen und Mieter der Häuser Schwälkenberg 25–37 Post von der Swona GmbH. In dem Schreiben kündigte das Unternehmen an, die knapp 60 Wohnungen innerhalb der kommenden 12 bis 24 Monate einzeln veräußern zu wollen. Den Mietern wird ein Vorkaufsrecht eingeräumt: „Vor dem Vertriebsstart möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben, Ihre Wohnung selbst zu erwerben“, heißt es in dem Schreiben.
Doch die Ankündigung enthält auch einen deutlichen Hinweis: Sollten die Mieter ihre Wohnung nicht selbst kaufen, könne ein Erwerber von seinem „Recht der Eigenbedarfskündigung“ Gebrauch machen. Außerdem kündigte Swona Besichtigungen mit Kaufinteressenten an. Für viele Mieter bedeutet das: Sie müssen entweder tief in die Tasche greifen oder langfristig mit dem Verlust ihrer Wohnung rechnen.
Verwaltung lehnt Kauf ab – „keine neuen Erkenntnisse zu erwarten“
Ein Antrag, den Erwerb des Objekts durch die Stadt oder die WGS zu prüfen, soll am 14. Juli in der Stadtvertretung als Prüfantrag beschlossen werden. Ziel ist es, den günstigen Wohnraum in städtischer Hand zu sichern und eine weitere Verknappung bezahlbarer Wohnungen in der Innenstadt zu verhindern. „Wenn wir alle Ersatz suchen müssen, wird es für andere noch schwerer, überhaupt eine bezahlbare Wohnung zu finden“, warnt eine Anwohnerin im Gespräch mit www.schwerin.news.
Stadt bekam Kaufangebot – und lehnte ab
Nach Angaben der Stadtverwaltung wäre der Kaufpreis von 2,7 Millionen Euro auf die 60 Wohnungen umgelegt worden – ein Durchschnittspreis von etwa 45.000 Euro pro Wohnung. „Für Schweriner Verhältnisse eine Chance, die man nicht so leicht wieder bekommt, es ist erschreckend, dass die Stadtverwaltung dies nicht tiefergehend bedacht und die Chance ergriffen hat.“ so der ASK Stadtvertreter.
Die Verwaltung verweist in ihrer Stellungnahme zu dem Prüfantrag darauf, dass der Wohnblock bereits 2024 der WGS zum Preis von 2,7 Millionen Euro angeboten wurde. Damals habe man aufgrund des Sanierungsstands vom Kauf abgesehen. Wörtlich heißt es:
„Das Objekt wurde der WGS bereits im Jahr 2024 zum Preis von 2,7 Mio. Euro zum Kauf angeboten. Aufgrund der Beschaffenheit des Gebäudes, u. a. dem Sanierungsstand, wurde ein Kauf nicht in Erwägung gezogen. Eine erneute Prüfung würde zu keinem anderen Ergebnis führen.“
Bewohner berichten von höheren Preisen
Besonders brisant: Wie Anwohner gegenüber www.schwerin.news berichten, verlangt die Swona GmbH von den Mietern beim Einzelkauf inzwischen über das Doppelte des damals gegenüber der WGS aufgerufenen Preises. „Uns wird jetzt ein Preis genannt, der deutlich über 90.000 Euro pro Wohnung liegt“, so ein Bewohner. „Das kann sich hier kaum jemand leisten.“
Entscheidung fällt am 14. Juli
Die Stadtvertretung muss nun entscheiden, ob sie der Einschätzung der Verwaltung folgt oder den Antrag annimmt und eine erneute Prüfung des Ankaufs beauftragt. Die Debatte wird auch über den konkreten Fall hinaus aufmerksam verfolgt: Der Schwälkenberg gilt als einer der letzten großen Bestände an günstigen Innenstadtwohnungen. Ein Verlust würde den Druck auf den angespannten Wohnungsmarkt weiter erhöhen.
Für die betroffenen Mieterinnen und Mieter bleibt es vorerst ungewiss, ob die Stadt doch noch eingreift oder ob sie sich bald mit neuen Eigentümern und möglicherweise Eigenbedarfsklagen auseinandersetzen müssen.
www.schwerin.news bleibt für Sie an dem Thema dran – und wird von der Sitzung am 14. Juli berichten.
Hier kann der Antrag der ASK, sowie die Stellungnahme der Stadtverwaltung eingesehen und heruntergeladen werden:



















