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Am Schweriner Ziegelsee formiert sich Widerstand gegen die geplante Erweiterung der Seepromenade. Ein Investor möchte an der Speicherstraße und im Umfeld des Kranwegs fast 200 Eigentumswohnungen errichten – deutlich mehr als ursprünglich vorgesehen. Die Gebäude sollen höher und massiver ausfallen, auch die Promenade würde dadurch stark verändert.
Die Bürgerinitiative kritisiert vor allem mangelnde Transparenz: Über die Pläne seien die Anwohner nicht rechtzeitig informiert worden, sondern hätten erst aus den Medien davon erfahren. Befürchtet wird, dass das historische Stadtbild am Hafenquartier und die Lebensqualität am Ziegelsee dauerhaft Schaden nehmen könnten.
CDU fragt nach Befreiungen vom B-Plan
Ende Juli hatte die CDU-Fraktion eine Anfrage an den Oberbürgermeister gestellt. Hintergrund war die Sorge, dass zahlreiche Bauprojekte nur durch Ausnahmen von bestehenden Bebauungsplänen möglich wurden.
Oberbürgermeister Rico Badenschier bestätigte nun in seiner Antwort, die http://www.schwerin.news vorliegt, dass es in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Befreiungen im Hafenquatier gab. Diese betrafen unter anderem Baugrenzen, Geschossigkeit, Grundflächenzahlen und Dachneigungen.
Allein am Kranweg 1–5 erhielt ein Bauvorhaben mit über 100 Wohnungen eine Befreiung von der vorgeschriebenen Dachneigung. Weitere Anträge zu Geschossigkeit und Baugrenzen liegen vor, sind aber noch nicht entschieden. Auch beim Bau der Grundschule „Nordlichter“ an der Speicherstraße wurden gleich sieben Abweichungen genehmigt.
Stellplätze als weiterer Knackpunkt
Ein sensibles Thema sind auch die Stellplätze. Laut Verwaltung wurden für die meisten Projekte Schlüssel zwischen 0,70 und 1,16 Stellplätzen je Wohnung angesetzt. Für geförderte Wohnungen wurde dieser Wert auf 0,55 reduziert. Anwohner kritisieren, dass damit der Parkdruck in den angrenzenden Wohnquartieren steigt.
Politische Entscheidung steht an
Die CDU will künftige Befreiungen im Hafenquartier deutlich einschränken. Ein mehrfraktioneller Antrag sieht vor, dass Ausnahmen bei Baumasse, Geschossigkeit und Baugrenzen künftig nicht mehr zugelassen werden.
Ob die Politik damit den Forderungen der Bürgerinitiative entgegenkommt oder ob Investoren ihre Pläne dennoch umsetzen können, werden die Debatte in der kommenden Sitzung der Stadtvertretung Ende September zeigen.



















