(stm) Vor ziemlich genau 800 Jahren, im Jahre 1225 geschah etwas, das die Stadt Schwerin bis heute prägt: Der damalige Bischof Brunward soll sich mit gefälschten Urkunden das Gebiet der Schelfe angeeignet haben – ein Hügelgebiet nördlich der Altstadt, das später zur Schelfstadt wurde.

Vor genau 800 Jahren geschah in Schwerin etwas, das die Stadt bis heute prägt. Bischof Brunward (Brunwald) soll sich laut der Stadtchronik von Udo Brincker mithilfe gefälschter Urkunden das Gebiet der Schelfe angeeignet haben – ein Areal aus mehreren kleinen Hügeln nördlich der Altstadt, das zu den ältesten Siedlungskernen der Stadt zählt. Die Schelfe ist bereits seit dem 11. Jahrhundert belegt. Erste Bewohner waren Fischer wendischer Herkunft, die aus der Altstadt vertrieben wurden.

Mit der Gründung Schwerins 1160 durch Heinrich den Löwen siedelten sich vermutlich schon vorher deutsche Kaufleute in der Schelfe an. Vor 1228, laut Chronik von Brincker, 1925 erwarb das Schweriner Domkapitel einen Teil des Schelfgebietes von Graf Heinrich I., der kurz vor seinem Tod eine dem Heiligen Nikolaus geweihte Kapelle stiftete – den Vorgängerbau der heutigen Schelfkirche St. Nikolai. So entwickelte sich die Siedlung Schritt für Schritt zu einem wichtigen Zentrum zwischen Altstadt, Kirche und Handel.

Bischof Brunward nutzte die Gelegenheit, seinen Einfluss auszubauen. Die gefälschten Urkunden verschafften ihm Besitzrechte über die Schelfe und verschärften die Spannungen zwischen Domkapitel, Herzögen und der jungen Stadt. Über Jahrhunderte war die Schelfe teils bischöfliches, teils herzogliches Territorium. Sie hatte eigene Verwaltung und Gerichtsbarkeit – eine kleine „Neustadt“ innerhalb der Stadt. Erst 1832 wurde sie offiziell in Schwerin eingemeindet. Im 17. und 18. Jahrhundert wandelte sich das Bild: Herzöge und Stadtplaner formten die Schelfe nach barockem Vorbild. Die Schelfkirche St. Nikolai wurde ab 1708 gebaut und 1713 geweiht. Handwerker, Beamte und Bürger fanden hier ein Zuhause – die Neustadt wurde zu einem lebendigen Stadtviertel, eng mit der Residenz verbunden.

Nach Jahrhunderten wechselvoller Geschichte geriet die Schelfstadt in Vergessenheit. Besonders in den letzten Jahrzehnten der DDR verfiel ein Großteil der historischen Bausubstanz. Bürgerinitiativen wie „Denk mal Schelfstadt“ verhinderten Abrisse und setzten sich für die Restaurierung ein. Heute zeigt sich das Viertel restauriert, lebendig und als sichtbares Stück Stadtgeschichte. Die Episode um Bischof Brunward erinnert daran, dass Geschichte nicht nur durch Helden oder große Entscheidungen entsteht, sondern oft durch kleine, umstrittene Taten, wie die Fälschung von Urkunden. Ohne diese gefälschten Urkunden sähe Schwerin heute vielleicht anders aus.

Quellen:

Udo Brincker: Chronik der Haupt- und Residenzstadt Schwerin

Eigene Recherche


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