(fab)
Der Schweriner Wohnungsmarkt steht 2025 unter massivem Druck – vor allem für Menschen mit geringem Einkommen oder kleinem Platzbedarf. Eine aktuelle Analyse des GEWOS-Instituts zeigt: Während die Bevölkerung der Landeshauptstadt leicht wächst, wird das Angebot an bezahlbaren Wohnungen immer knapper. Besonders kleine, günstige Mietwohnungen sind kaum noch zu finden.
Mieten stiegen um 44 Prozent – Angebot bricht ein
Laut GEWOS sind die Angebotsmieten in Schwerin in den vergangenen neun Jahren um satte 44 Prozent gestiegen. Der Median liegt inzwischen bei knapp 9 Euro pro Quadratmeter kalt – Tendenz weiter steigend. Parallel dazu ist das Angebot deutlich eingebrochen. Während im Jahr 2016 noch rund 1.400 Mietangebote auf dem Markt waren, sind es 2025 nur noch rund 850. Das bedeutet: Für jede freie Wohnung gibt es heute mehrere Interessenten, und wer eine bezahlbare Wohnung sucht, steht in Konkurrenz mit Dutzenden anderen Bewerbern.
Hoher Druck bei kleinen Wohnungen
Besonders dramatisch ist die Lage im Segment der kleinen Wohnungen unter 50 Quadratmetern. Hier ist die Nachfrage am höchsten – und das Angebot am niedrigsten. Laut GEWOS-Daten liegt die „Kontaktintensität“, also die Zahl der Anfragen pro Anzeige, bei diesen Wohnungen deutlich über dem Durchschnitt. Viele Menschen, darunter Studierende, Alleinerziehende und Rentner, müssen inzwischen auf teurere oder größere Wohnungen ausweichen – sofern sie überhaupt fündig werden.
Die meisten Mietinteressenten suchen nach Wohnungen unter 750 Euro Kaltmiete. Doch genau in diesem Preissegment gibt es immer weniger Angebote. Die Folge: Wer auf günstigen Wohnraum angewiesen ist, gerät in eine echte Notlage.
Fachlich spricht GEWOS von einer deutlichen Wohnungsknappheit. Doch im unteren Preissegment – also bei kleinen und günstigen Wohnungen – hat diese Knappheit längst die Schwelle zur echten Wohnungsnot überschritten.
Neubau reicht nicht aus
Zwar wurden in Schwerin zuletzt wieder mehr Wohnungen gebaut, doch der Neubau konzentriert sich laut GEWOS überwiegend auf Mehrfamilienhäuser mit größeren Einheiten oder auf Eigentumswohnungen. 2024 wurden lediglich rund 100 Wohnungen in kleineren Gebäuden mit ein bis zwei Einheiten fertiggestellt – zu wenig, um den Bedarf an bezahlbaren Kleinwohnungen zu decken. Hinzu kommt, dass viele Neubauten im hochpreisigen Segment liegen und somit kaum zur Entlastung des unteren Mietmarktes beitragen.
Bevölkerungswachstum und Zuzug verschärfen Lage
Trotz negativer Geburtenbilanz – Schwerin verzeichnete 2024 mehr Sterbefälle als Geburten – wächst die Stadt durch Zuzug. Vor allem seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind viele Menschen neu in die Stadt gekommen. Das Bevölkerungsplus von 1,6 Prozent innerhalb weniger Jahre mag moderat erscheinen, doch es trifft auf einen ohnehin angespannten Wohnungsmarkt.
Soziale Folgen spürbar
Die Situation trifft besonders einkommensschwache Haushalte. Wohlfahrtsverbände berichten von steigenden Fällen, in denen Menschen über Monate keine passende Wohnung finden oder auf Notlösungen zurückgreifen müssen. Auch Studierende, die zum Semesterbeginn in die Stadt ziehen, stehen oft vor leeren Händen. Schwerin riskiert damit, für breite Teile der Bevölkerung an Attraktivität zu verlieren.
Handlungsdruck wächst
Die Zahlen des GEWOS-Berichts sind ein Weckruf. Ohne gezielte Förderung von sozialem Wohnungsbau, eine aktive Bodenpolitik und die Schaffung von Anreizen für kleinere, bezahlbare Wohnungen droht die Situation weiter zu eskalieren. Bezahlbarer Wohnraum ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr in Schwerin. Dies zeigt der GEWOS Bericht eindringlich.



















