(fab)
Der Schlachtermarkt gilt als einer der schönsten Plätze der Schweriner Innenstadt. Erst vor wenigen Jahren aufwändig umgestaltet, soll er künftig eine zentrale Rolle spielen – als Standort des Informationszentrums für das geplante Unesco-Welterbe „Residenzensemble Schwerin“ und als Adresse des zukünftigen Stadtgeschichtsmuseums. Doch hinter den Kulissen wächst der Unmut: Anwohnende berichten von massiven Problemen mit Lärm, Vandalismus und Vermüllung.
Zu laute Feiern stören die Ruhe
Ein entsprechendes Schreiben ist kürzlich über den Fachdienst Ordnung an das Büro der Stadtvertretung weitergeleitet worden und liegt inzwischen den Mitgliedern des Gremiums vor. Darin schildern Anwohnende die „stark verschlechterte“ Lebenssituation rund um den Platz. Der Schlachtermarkt habe sich, so der Tenor, zu einem Ort ungehemmter Feiern bis weit in die Nacht entwickelt. Verbale Auseinandersetzungen, Pöbeleien, Einsätze von Stadtwache und Ordnungsdienst sowie gefährliche Scherben und Schäden am Brunnen werden als Beispiele genannt. Auch sogenannte „Pissecken“ rund um den Platz, nach Angaben der Anwohnenden sogar am Rathaus, gehören zu den wiederkehrenden Ärgernissen.
Nach ihren Beobachtungen haben die Zustände bereits Folgen: Einige Menschen seien weggezogen, neu zugezogene Familien fühlten sich getäuscht und frustriert. Betroffen seien aber nicht nur die direkten Anwohnenden, sondern auch Gastronomie, Gewerbetreibende und Stadtführungen, die den Schlachtermarkt regelmäßig als Kulisse nutzen. Die Verfasserinnen und Verfasser des Schreibens verweisen zudem auf gestiegene Kosten für die Stadt, etwa durch Beseitigung von Schäden und Verschmutzungen.
Anwohnende starten Online Petition
Um ihrer Sorge Nachdruck zu verleihen, wurde eine Petition gestartet, die sich ausdrücklich für einen „lebenswerten Schlachtermarkt“ ausspricht. Ziel ist es, die Problematik stärker in den Fokus der Kommunalpolitik zu rücken und ein Nutzungskonzept für den Platz anzustoßen. Gefordert wird keine einfache „Ruhe um jeden Preis“, sondern eine grundsätzliche Debatte darüber, wie der Schlachtermarkt als öffentlicher Raum gestaltet und genutzt werden soll.
Die Petition wurde bis jetzt allerdings von nur wenigen Personen unterzeichnet: Schlachtermarkt Schwerin schützen – Für einen lebenswerten Schlachtermarkt in Schwerin! – Online-Petition
Nicht pauschal gegen die Jugend gerichtet
Im Schreiben wird ausdrücklich betont, dass dabei auch die Bedürfnisse junger Menschen berücksichtigt werden müssen. Der Platz ist in den Abendstunden ein beliebter Treffpunkt, was in einer lebendigen Innenstadt nicht ungewöhnlich ist. Die Anwohnenden weisen allerdings darauf hin, dass aus ihrer Sicht die Balance nicht mehr stimme: Einerseits der Wunsch nach Begegnung, Freizeit und Feiern, andererseits das Recht auf Nachtruhe, Sicherheit und ein gepflegtes Umfeld.
Spürbar ist der Versuch, nicht gegen Jugendliche Stimmung zu machen, sondern auf strukturelle Lösungen zu drängen. Genannt werden zum Beispiel ordnungspolitische Maßnahmen, aber eben auch ein klares Nutzungskonzept, das die verschiedenen Interessen zusammenbringt: Anwohnende, Familien, Jugendliche, Touristen, Gewerbetreibende und die künftigen Kulturinstitutionen am Platz. Die Initiatorinnen und Initiatoren signalisieren zudem Bereitschaft, an einem solchen Konzept aktiv mitzuwirken.
Kommunapolitik ist nun gefragt
Damit liegt der Ball nun bei der Kommunalpolitik. Die Mitglieder der sind nun gefragt. Welche Priorität soll der Schlachtermarkt im Gesamtkonzept der Innenstadtentwicklung haben – und welche konkreten Schritte notwendig sind, um den Platz zu einem Ort zu machen, an dem sich alle wieder wohlfühlen können. Zwischen lautem Nachtleben und toter Kulisse gibt es viele Zwischentöne. Die aktuellen Beschwerden aus der Nachbarschaft machen deutlich: Ein einfaches „Weiter so“ dürfte auf dem Schlachtermarkt na ihrer Ansicht kaum noch funktionieren.

















