(stm)

Der Deutsche Werberat hat Teile der Black-Friday-Kampagne von wellyou beanstandet – und auch in Schwerin schlugen die Motive Wellen. Der Standort bestätigt den Einsatz der umstrittenen Werbung, weist den Vorwurf der Sexualisierung jedoch zurück. Kritikerinnen aus Schwerin schildern dagegen Ärger, Protest und Konsequenzen.

Der Deutsche Werberat hat Teile der Werbung von wellyou beanstandet – und damit ist die Debatte auch in Schwerin angekommen, denn auch Menschen aus Schwerin haben sich an den Werberat gewandt. In einem Schreiben vom 5. Dezember 2025 teilt der Werberat mit, dass das Reel „Am Ende zählt nur, was Du bist“ sowie ein Plakatmotiv mit einer nackten Frau auf dem Laufband gegen die Verhaltensregeln verstoßen. Das Gremium sieht insbesondere Verstöße gegen die Ziffern 5 und 6 der Regeln gegen Herabwürdigung und Diskriminierung: Die Kombination aus körperbetonten Szenen und doppeldeutigen, sexualisierten Texten reduziere Personen auf Sexualität und lege sexuelle Verfügbarkeit nahe; der Slogan verstärke zudem den Eindruck, dass körperliche Attraktivität wichtiger sei als sportliche Leistung.

Beim Plakatmotiv kritisiert der Werberat eine übertrieben herausgestellte Nacktheit ohne erkennbaren sachlichen Bezug zum beworbenen Angebot. Der weibliche Körper werde primär als Blickfang eingesetzt; dadurch entstehe der Eindruck einer sexualisierten Darstellung, die Frauen herabwürdige und die Grenze zulässiger Werbung überschreite. Der Werberat schreibt außerdem, dass wellyou nach Information über die Entscheidung das Reel aus den Social-Media-Auftritten entfernt und die Plakate abgehängt habe. Das Unternehmen habe angekündigt, die Motive so nicht mehr zu verwenden; das Verfahren wurde damit geschlossen.

Auf schriftliche Anfrage von schwerin.news erklärt der Schweriner Standort von wellyou, dass die Black-Friday-Kampagne „auch in unserem Standort Schwerin sämtliche Motive“ umfasst habe, die im Fokus der Diskussion standen. Entfernt worden seien die Inhalte „seit dem regulären Ende der Black Friday Kampagne (06.12.2025)“. In der Stellungnahme weist das Unternehmen den Vorwurf der Sexualisierung zurück. Die Kampagne sei „motivierend und polarisierend“, doppeldeutige Slogans seien bewusst eingesetzt worden, um Aufmerksamkeit für das Angebot zu erzeugen. Man räumt allerdings auch ein, die Grenzen des Erwartbaren ausgelotet zu haben, sieht die Resonanz jedoch als Bestätigung der Strategie.

Schwerinerinnen mit Kritik. Plakate hängen noch.

Demgegenüber schildert Alenka Baerens aus Schwerin, die sich ebenfalls an den Werberat gewandt hatte, sie habe das Plakat bereits Mitte Oktober an der Wismarischen Straße gesehen und sei darüber fassungslos gewesen – in Schwerin, wie die Redaktion bestätigen kann, hängen weiterhin, auch die umstrittenenen Plakate, obwohl diese bereits bis zum 06.12. hätten abgenommen werden müssen. 

Teammitglieder und auch der Chef vor Ort hätten die Verantwortung demnach an die Zentrale in Kiel verwiesen und erklärt, man könne gegen Vorgaben „von oben“ nichts unternehmen. Nach ihrem Eindruck hing das Motiv über Wochen sichtbar. Die Schwerinerin berichtet außerdem, sie habe die Mitgliedschaft ihres Sohnes schließlich gekündigt.

Ähnlich sieht es Anita Gröger, die als Mitglied der Stadtvertretung im vergangenem Jahr mit einer Rede gegen Gewalt an Frauen und Mysogynie in der Debattenkultur auffiel: „Hier wurde durch Polarisierung und die dadurch entstandene Aufmerksamkeit bewusst in Kauf genommen, dass hier weibliche Körper diskriminiert werden und zu Objekten gemacht. Es wurde sich gar darüber lustig gemacht, wenn sie sich beschweren.“ Nach Grögers Ansicht würde auch am Standort Schwerin dadurch verharmlost und bagatellisiert, was die Frauen nochmal abwertet. Dies mache deutlich, wie wichtig es sei, „Mysogynie in der Gesellschaft zu thematisieren und derartigen Werbepraktiken ein Ende zu setzen – für die Menschenrechte von allen Menschen und nicht nur der Hälfte der Gesellschaft“.

Damit stehen in Schwerin zwei Perspektiven nebeneinander: die zentrale Verteidigung einer provokativen Kampagnenstrategie – und der Ärger von Menschen, die die Motive als Grenze empfanden, die überschritten wurde.

Das letzte Wort hatte hier der Deutsche Werberat. Und dieser sagt es deutlich, Teile der Kampagne waren zu Beanstanden und umgehend zu entfernen. Eine Grenze wurde überschritten.

Lesen Sie dazu auch gerne:

https://schwerin.news/2025/01/28/hitzige-debatte-in-der-schweriner-stadtvertretung-rede-zu-gewalt-an-frauen-lost-kontroverse-diskussion-aus/


Hier kann die Stellungnahme des Deutschen Werberates eingesehen und heruntergeladen werden:


Werbung:



Werbung:





Entdecke mehr von schwerin.news

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Auch interessant: