(stm/Kommentar!)
(Hinweis: Dies ist kein Artikel der Bürgerinitiative, sondern ein Kommentar eines http://www.schwerin.news Autor)
Was hier gerade passiert, ist nicht „Engagement“. Es ist ein Image-Waschgang kurz vor der Oberbürgermeisterwahl.
Monate lang wurde in Lankow nicht über ein paar kaputte Schaukelketten gestritten, sondern über etwas Grundsätzliches: Bleibt ein knapp 5.000 Quadratmeter großer Stadtteilpark öffentlich – oder wird er zur Verwertungsfläche? Während Bürgerinnen und Bürger tausende Unterschriften sammelten, Türen klingelten, sich beschimpfen ließen und sich durch Verfahren, Fristen und Behördenfraß kämpften, kam aus der politischen Ecke von Ortsbeiratschefin Cordula Manow und Stadtpräsident Sebastian Ehlers keine Schulter-an-Schulter-Solidarität, keine klare Kante für den Erhalt – im Gegenteil: Manow sprach sich wiederholt für ein NEIN aus, Ehlers als CDU-Mann und Stadtvertreter ebenfalls.
Genau dieses „Nein“ war Teil des Problems. Es war der Versuch, Verkauf und Verlagerung politisch zu deckeln – bis die Bevölkerung den Stecker zog. Mit einem überragenden Ergebnis im Bürgerentscheid, der ohne diese Vorgeschichte in dieser Form überhaupt nicht nötig gewesen wäre.
Und jetzt? Jetzt wird die große Kinder-Nummer gespielt: Ein Spendenaufruf, Moralton, Gemeinschaftsgefühl. „Wir müssen jetzt alle ran.“ Das klingt wie Hilfe – ist aber in Wahrheit der nächste Zugriff: Zugriff auf die Erzählung. So übergriffig wie die ursprünglichen Verkaufspläne, die ohne echte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im Stadtteil vorangetrieben wurden, nachweislich gegen die Mehrheit im Stadtteil beschlossen werden sollte.
Keine politische Entscheidsungsträger mehr?
Warum überhaupt ein Spendenaufruf aus der „Ecke“? Manow (Linke, stellvertretende Stadtpräsidentin) und Ehlers (Stadtpräsident) sitzen in der Stadtvertretung . Ehlers soll perspektivisch Oberbürgermeister werden. Ein Antrag in der Stadtvertretung, ein Beschluss des bald-Oberbürgermeister und gut ist. Aber stattdessen stellen sich die Abrissbefürworter als Retter hin, auf einer kostenpflichtigen Spendenplattform und halten die Hand auf, für etwas dass sie vor etwas mehr als einer Woche nach an einen CDU Kollegen verkaufen wollten.
Waren es doch eben jene, die jahrelang im Hinterzimmer den Verkauf planten. Ohne Öffentlichkeitsbeteiligung – und somit sogar noch Instandhaltung verschleppten, nach dem Motto „ist doch schon verkauft“…
Als würde ein Brandstifter Geld für die Beseitigung der Spuren der Löscharbeiten sammeln.
Denn wer erst gegen den Erhalt wirbt und danach so tut, als sei er die Schutzmacht des Spielplatzes, der „jetzt alles möglich macht“, der hilft nicht. Der versucht, die Geschichte umzuschreiben. Aus einem Bürgerentscheid, der nötig war, weil Politik das Problem nicht gelöst, sondern mit erzeugt hat, soll plötzlich ein hübsches Kapitel werden – in dem dieselben Gesichter als „Retter“ auftreten.
Das ist die eigentliche Unverschämtheit: nicht das Spenden an sich. Ein Spielplatz kostet Geld, ja. Die Unverschämtheit ist der Mangel an Ehrlichkeit. Kein Satz Selbstkritik. Kein Eingeständnis: „Wir waren dagegen.“ Kein Respekt vor dem Fakt, dass die Bürgerinitiative diesen Ort nicht „unterstützt“ hat, sondern verteidigt, als er politisch bereits zum Verkauf stand. Stattdessen: Bühne frei, Kamera an, Hände aufhalten.
Wenn das kein Muster ist, was dann?
Politik entscheidet am Stadtteil vorbei.
Menschen vor Ort wehren sich – ehrenamtlich, monatelang, mit Risiko.
Menschen gewinnen.
Politik springt auf die Ziellinie und verteilt Autogramme.
Dafür gibt es ein Wort, härter als „missglückte Kommunikation“ und präziser als „unglücklich“: Heuchelei.
Nicht, weil jemand nach dem Bürgerentscheid helfen will. Sondern weil man erst NEIN sagt – und danach im Retterkostüm die Spendenbüchse schwenkt, als hätte man den Brand gelöscht, den man vorher noch mit angefacht hat. Und das auch noch, ohne die Bürgerinnen und Bürger einzubeziehen, die monatelang mit persönlichem Einsatz gekämpft haben.
Wer Lankow wirklich unterstützen will, sollte sich nicht vom frisch gebügelten Narrativ einlullen lassen. Unterstützt die, die den Park gerettet haben, als es noch unbequem war. Die, die nicht erst auftauchten, als die Sache entschieden war. Alles andere ist Heuchelei mit Sammeldose.
Wieder über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger hinweg – nichts dazugelernt
Und das wirklich Miese daran: Weder die Ortsbeiratsvorsitzende noch OB-Kandidat Ehlers haben nach Angaben aus dem Umfeld der Initiative vorab mit der Bürgerinitiative über diesen Spendenaufruf gesprochen. Es gab keinen Anruf, keine Mail, keinen Austausch mit denjenigen die sich mit Herzblut für die Stadtteilpark eingesetzt haben.
Die Bürgerinitiative trifft sich übrigens weiterhin wöchentlich und plant aus Überzeugung, sich für eine Weiterentwicklung des von den Schwerinerinnen und Schwerinern geretteten Stadtteilparks einzusetzen. Wer ernsthaft etwas für den Stadtteilpark tun will, kann sich an diejenigen wenden, die den Platz mit Herzblut verteidigt haben. Zur Verteidigung des Stadtteilparks hatte die Bürgerinitiative um Unterstützung gebeten. Das Geld, das übrig bleibt, soll – abzüglich Folgekosten und weiterer Kosten, die wegen dem „Einsatz“ unter anderen von Manow und Ehlers notwendig wurde – für die Zukunft des Stadtteilparks genutzt werden.
Hier kann weiterhin für die Bürgerinitiative gespendet werden:

















