Die Staatsanwaltschaft Schwerin sieht derzeit noch keinen Anlass für ein Ermittlungsverfahren gegen die Schweriner Oberbürgermeisterkandidatin Petra Federau im Zusammenhang mit neu aufgefundenen Internetarchiven aus dem Jahr 2008. Das teilte Staatsanwalt und Pressesprecher Jonas Krüger auf Anfrage von schwerin.news mit.
„Hier ist kein entsprechendes Ermittlungsverfahren gegen Frau Federau bekannt“, schrieb Krüger in einer Antwort an die Redaktion. Gleichzeitig schränkt die Staatsanwaltschaft ein, dass bei Sachverhalten aus dieser Zeit nicht ausgeschlossen werden könne, dass frühere Verfahren heute nicht mehr nachvollziehbar sind. Angesichts des langen Zeitraums sei möglich, dass entsprechende Akten aufgrund gesetzlicher Lösch- und Aufbewahrungsfristen „nicht mehr recherchierbar“ seien.
Auch aus den von der Redaktion übermittelten Unterlagen – darunter archivierte Internetseiten aus dem Jahr 2008 – ergäben sich derzeit noch keine ausreichenden Hinweise für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. „Aus den … übersandten Informationen ergeben sich keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens“, so Krüger.
Archivseiten werfen Fragen zur Vergangenheit auf
Ausgangspunkt der Anfrage war eine Recherche von schwerin.news, bei der archivierte Webseiten eines internationalen Escort-Angebots aus dem Jahr 2008 wieder aufgefunden wurden. Die Seiten bewarben ein Angebot unter dem Namen „Pia Sommer“ und zeigen eine deutlich internationale Ausrichtung.
Neben Profilen mehrerer Frauen und Preisstrukturen in unterschiedlichen Währungen enthalten die Seiten Hinweise auf Einsätze im Ausland, darunter auch in der Golfregion und in Hongkong. Auffällig ist zudem eine Formulierung auf der damaligen Service-Seite. Dort heißt es wörtlich:
„We can do wonderful sex.“
Der Satz steht im Kontext einer Beschreibung möglicher Begleit- und Escortleistungen.
Darüber hinaus finden sich auf den Archivseiten Hinweise darauf, dass weitere Frauen für das Angebot gesucht wurden. Die Seiten enthalten entsprechende Recruiting-Formulierungen.
Kontakt zu einer der damaligen Beteiligten
Im Zuge der Recherche stand die Redaktion auch mit einer Person in Kontakt, die nach eigenen Angaben damals zu den Personkreis gehörte, die von Federau für das Angebot angeworben wurden.
Die Frau erklärte gegenüber schwerin.news, sie begrüße die aktuelle Berichterstattung. Rückblickend sehe sie die damalige Zeit heute deutlich kritischer. Zum Zeitpunkt der Tätigkeit habe sie vieles anders wahrgenommen, inzwischen sei ihr jedoch bewusst geworden, welchen Risiken sie ausgesetzt war. Protition ist in Dubai strafbar und wird mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet.
Es sei „nicht ungefährlich gewesen“, sagte sie im Gespräch mit der Redaktion. Erst im Nachhinein sei ihr klar geworden, welcher Gefahr sie sich damals ausgesetzt habe.
Die Frau erklärte zudem, sie halte eine öffentliche Aufarbeitung auch deshalb für wichtig, weil sie die heutige politische Positionierung Federaus als widersprüchlich zu deren damaligem Lebensstil empfinde. Nach ihren Angaben habe Federau in jener Zeit „quasi in Dubai gelebt“.
Weitere Archivdokumente aufgetaucht
Während der laufenden Berichterstattung sind der Redaktion inzwischen weitere Archivmaterialien zugespielt worden. Dabei handelt es sich um Screenshots der damaligen deutschen Internetseite des Angebots.
Diese Dokumente ergänzen die bislang bekannten Archivfunde und sollen zusätzliche Einblicke in Aufbau und Darstellung des Angebots geben. Die Redaktion hat entschieden, auch diese Materialien öffentlich zu dokumentieren, solange keine Rückschlüsse auf die rekrutierten und auch für sexuelle Dienste nach Dubai verschickten Personen zulassen. Die entsprechenden Screenshots werden unter diesem Artikel verlinkt.
Politische Bewertung bleibt offen
Die Staatsanwaltschaft sieht derzeit keinen Anlass für Ermittlungen.
Frau Federau hat indes noch immer nicht auf unsere Anfrage reagiert. http://www.schwerin.news wird, wenn es neue Informationen gibt, weiter berichten. Die archivierten Dokumente selbst sind weiterhin einsehbar und bilden die Grundlage der Recherche.
Hier die neuen uns von einer anonymen Quelle zugespielten Archivdokumente.



















