(stma)
Am heutigen 22.09.2022 hat der Bundestag über eine Verlängerung der Laufzeit für Atomkraftwerke beraten. Das bedeutet für die einen etwas mehr Energieversorgungssicherheit, für andere ist es ein Bruch mit dem geplanten Atomausstieg, für wieder andere ein Anlass zu schauen, was eigentlich mit den Millionen Tonnen Atommüll passieren soll. Denn wer Müll produziert, muss ihn auch irgendwann mal entsorgen.
Seit dem Beschluss des Atomausstiegs in 2011 stand die Abschaltung der letzten deutschen Kernkraftwerke in 2022 eigentlich fest. Nun verschiebt sich dieser Zeitraum wohl nach hinten. Die Gesetzesvorlage wurde in die Fachgremien verwiesen.
Um den verbleibenden hochradioaktiven Abfall dauerhaft und sicher zu verwahren, wurde 2017 mit einem bundesweiten Endlager-Suchprozess begonnen, welcher in drei Phasen gliedert ist. Über den Standort des Endlagers soll 2031 abschließend der Bundestag per Gesetz entscheiden.
Im Rahmen der ersten Suchphase hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) Ende September 2020 den Zwischenbericht Teilgebiete veröffentlicht. Darin wurden auf 54% der Fläche Deutschlands insgesamt 90 Teilgebiete identifiziert, welche nach dem damaligen Wissensstand geologisch grundsätzlich für ein Endlager geeignet wären. Weil die Teilgebiete auf verschiedenen geologischen Formationen beruhen, können sich diese flächenmäßig auch überlagern. Die Landeshauptstadt Schwerin liegt in zwei Tongestein-Teilgebieten, namentlich 004 (Tertiär) und 006 (Unterjura).
Somit scheidet Schwerin bei der Endlagersuche noch nicht aus. In dieser ersten Phase wurden mehrere Kriterien definiert. Das Endlager muss beispielsweise frei von geologischen Störfaktoren wie zum Beispiel Erdbeben oder vulkanischer Aktivität sein. Und es muss geeignete geologische Formationen aufweisen. Und diese gibt es in Mecklenburg-Vorpommern und eben auch in Schwerin.
Dass es aber tatsächlich zu einem Endlager Schwerin kommen könnte, so zitierte im vergangenem Jahr die SVZ einen Mitarbeiter der Schweriner Stadtverwaltung, sei unwahrscheinlich. Dr. Meyer-Kohlstock, Leiter der Fachgruppe Immissionsschutz und Umweltplanung, sagte seinerzeit, alleine schon wegen des Ballungszentrums Schwerins sei es unwahrscheinlich, dass unter Schwerin ein Endlager entsteht. „Doch wenn die Wahl auf ein Gebiet 15 oder 20 Kilometer neben der Landeshauptstadt fiele, würde es immer heißen: das Endlager bei Schwerin.“.
Es wird noch ein langer Prozess sein, bis es zu einem Endlager kommt. Aktuell werden die Kommentare und Einreichungen von Fachleuten, Verbände, Institutionen oder Einzelpersonen zum Zwischenbericht von der Bundesgesellschaft für Endlagerung ausgewertet.
Veranstaltungshinweis:
Am 29. September 2022 wird die Bundesgesellschaft für Endlagerung eine Online Veranstaltung durchführen. Dann präsentieren die Experten der BGE in einer neuen Ausgabe des Online-Formats „Betrifft: Standortauswahl“ den ersten Arbeitsstand zu möglichen Methoden zur Anwendung der planungswissenschaftlichen Abwägungskriterien und beantworten Fragen der Teilnehmenden. Für alle die sich dafür interessieren, wann und wo und unter welchen Bedingungen aktuell eine Endlagerung denkbar ist, und ob Mecklenburg-Vorpommern/Schwerin nach wie vor in Frage kommt, könnte es dort Antworten geben.
Informationen zur Veranstaltung
Datum: 29. September 2022
Uhrzeit: 18:00-21:00 Uhr
Ort: Zoom-Konferenz (Meeting-ID: 853 3480 2474, Kenncode: 502635)
oder YouTube-Stream


















