Vorbemerkung des Autors. Ich widme diesen Beitrag den kürzlich verstorbenen Schweriner Originalen, zum einen dem liebevoll „Senf-Opa“ genannten Herrn Laube, zum anderen dem guten Musiklehrer Herrn Schönrock und allen anderen Schweriner Originalen.
(stm) Anlass für diese Dokumentation ist das 5-jährige Jubiläum der Wiederaufstellung der „Keramischen Säule“. Vor fünf Jahren wurde in Schwerin die beeindruckende Ausstellung zur Geschichte der Stadt wieder eingeweiht, bei der 27 Keramik-Relieftafeln mit farbiger Glasur die bedeutendsten Ereignisse und Persönlichkeiten darstellen.
Nachdem wir vergangene Woche die Tafel Nummer 7 zu dem Thema Hexenverfolgung und Hexenprozesse in Schwerin thematisiert haben, wollen wir in dem zweiten Bericht unserer Reihe ein vergessenen Schweriner Bürger in Erinnerung rufen.
Die Tafel Nummer 9
Tafel Nummer 9, widmet sich dem Straßenmusiker „Schuster Heins“ und seinem humorvollen Austausch mit dem Großherzog Friedrich Franz II. Die Künstlerin Anni Jung aus Meißen hat hier mit viel Liebe zum Detail eine Szene geschaffen, die den Schuster Heins fröhlich zeigt, der tief in seine Musik versunken auf seiner Geige spielt. Die detaillierte Darstellung der Figuren verleiht der Szene eine beeindruckende Lebendigkeit.
Die Anekdote zum Schuster Heins
Im Herzen von Schwerin residierte einst der Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin. Er war bekannt für seine Volksnähe. Friedrich Franz II. wurde am 28. Februar 1823 geboren und regierte von 1842 bis zu seinem Tod am 15. April 1883. Er wurde schon mit 19 Jahren Herzog. Was einem vergleichsweise lockeren Umgang mit einigen Bürgern der Stadt in seinen frühen Jahren erklären mag. Als Großherzog von Mecklenburg-Schwerin nahm Friedrich Franz II. seine königlichen Pflichten ernst, durchlebte die Revolution von 1848/49.
Eine besondere Begebenheit war das Treffen mit dem Geige spielenden Straßenmusiker Schuster Heins, einem Schweriner Original. Der Schuster war für seine Witzigkeit und Schlagfertigkeit bekannt und pflegte seine Geigenkünste auf den Straßen von Schwerin. Obwohl das Musizieren auf der Straße offiziell verboten war, spielte er unbeirrt auf seiner Geige.
Als Großherzog Friedrich Franz II. eines Tages an Schuster Heins vorbeifuhr und dessen fröhliche Geigenklänge vernahm, ließ er seinen Wagen halten und stellte den Schuster zur Rede. Er machte den Musiker auf das Verbot des Musizierens aufmerksam. Doch die unerwartete Antwort des Musikers Schuster Hein, „Ich spiele nicht auf der Straße, ich spiele auf meiner Geige“, beeindruckte den Großherzog auf eine besondere Weise.
Der Herzog zeigte sich beeindruckt von der frechen Antwort des Heins. Von da an blieb Schuster Heins unbehelligt von der Obrigkeit und wurde zu einer beliebten Figur in Schwerin.

Kommentar:
Was an der Geschichte nun dran ist, bleibt Interpretation und Meinung. Eine nette Anekdote ist es allemal.
Seit einigen Jahren darf in Schwerin nur noch 4 bis 5 Stunden am Tag Straßenmusik gemacht werden, einen Straßenmusiker wie den „Schuster Heins“ der sich etwas mehr und vor allem frecher für die Musik und gegen eine Obrigkeit behauptet, clever und mit frecher Zunge, könnte die Stadt wieder gebrauchen.
Kommendes Wochenende werden wir eine weitere Geschichte zu einer der 27 Tafeln veröffentlichen. Wenn ihr darüber und über weitere News informiert werden wollt, tragt euch gerne in die Abo-Liste ein.



















