(stm)
Am Donnerstagabend haben zwischen 350 und 400 Menschen an der Gedenkveranstaltung anlässlich des 9. November 1938 teilgenommen. Der Landesrabbiner Yuriy Kadnykov machte in seiner Rede darauf aufmerksam, dass man an diesem Abend nicht nur der Menschen, die in Schwerin durch den NS Staat ermordet und vertrieben wurde gedenkt.
Redebeiträge und musikalische Untermalung wechselten sich ab. Es wurde auf die Pogromnacht in Schwerin eingegangen. Auch wurde der ehemalige Landesrabbiner und Ehrenbürger „Rabbi Wolff“ erwähnt und es wurde aus seinem Leben erzählt, aber auch von den Erfahrungen und Erlebnissen anderer Juden, die die Pogromnacht in Schwerin miterlebten, wurde berichtet.
Auch aktuelle Lage in Israel thematisiert

Der Landesrabbiner ging auch auf die aktuelle Lage in Israel ein. Er machte darauf aufmerksam, dass dort nicht nur auf Juden geschossen wurde, sondern auf alle möglichen Menschen, ohne Rücksicht.
„Wir wissen, in Israel leben unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Religionen. Muslime, Christen, Juden, alle leben dort.. Sie haben einfach jeden, der auf der Straße lief, umgebracht, soweit sie das konnten.“
Hier kann die Rede des Landesrabbiner Kadnykov in Gänze heruntergeladen werden. Hinweis: Der Ton verbessert sich im Verlauf ab Sekunde 45 und ist am besten mit Kopfhörer zu verstehen.
Seine Ansprache beendete der Landesrabbiner mit den Worten: „Wir erinnern an die Menschen, die hier in Schwerin gelebt haben und in der Nazi-Barbarei umgekommen sind. Wir erinnern auch den anderen sechs Millionen Männern, Frauen und Kinder, die in der Schoa ermordet wurden. Und wir erinnern auch die Menschen, die jetzt in diesen Tagen in Israel sterben.“
(Anmerk. Das Wort Schoa beschreibt den Völkermord an den europäischen Juden)
Schmale Grat zwischen Demokratie und Chaos
Der Landesrabbiner Kadnykov mahnte die Anwesenden, dass Demokratie und die Werte unserer Gesellschaft auch gelehrt werden müssen. Als Metapher nutzte er die Kerzen, die viele der Menschen auf dem Markt in den Händen hielten.

Kadnykov: „Es ist auch unsere Aufgabe, unsere Kinder weiter dabei zu bringen, dass wir dieses Menschen (Gemeint sind die Terroristen) keinen Platz in unserer Gesellschaft lassen. Dass wir Feuer dazu benutzen, um uns warm zu halten, unsere Häuser zu belichten, eine romantischen Abend zu machen mit den Lichtern. Aber nicht dazu, eine Wohnung des anderen anzuzünden. Wir müssen [ihnen] beibringen, wie dieser schmale Gratens zwischen Demokratie und Chaos ist“ … „Wir müssen keinen Terroristen, keinen Menschen, die anderen verachten, die Leben verachten … Platz machen, nicht in unserer Mitte und nicht in der anderen Gesellschaft.“
KOMMENTAR:
Die Gedenkveranstaltung war andächtig und gut besucht. Es kam zu keinerlei Zwischenfällen. Zwar war die Polizei vor Ort, war aber in keiner Weise gefordert. Die Geschichte der Pogromnacht 1938 und ein Erinnern an die Opfer des Naziterrors kamen nicht zu kurz. So wurde aus den Erlebnissen verfolgter Jüdinnen und Juden aus Schwerin berichtet.
Doch es wurde, wie es einige erwartet hatten, auch auf die aktuelle Lage im Nahen Osten eingegangen. Zumindest auf die Situation in Israel und die Angriffe der terroristischen Hamas. Zurecht hat der Landesrabbiner darauf hingewiesen, dass die Terroristen nicht nur auf Juden, sondern auf alle geschossen haben. Die Hamas somit nicht unterschieden hat zwischen Juden, Muslimen, Christen. Sie haben alle, egal wer ihren Weg kreuzte in Haftung ihrer idiologischen, menschenverachtenden Anschauung gleichweg ermordet, gejagt und verfolgt.
Beachtung hat meiner Ansicht nach der Satz „Wir müssen keinen Terroristen, keinen Menschen, die anderen verachten, die Leben verachten – wir müssen keinen Platz machen, nicht in unserer Mitte und nicht in der anderen Gesellschaft.“ verdient. Richtet er sich, dem Kontext seiner Rede nach (Rede als mp3 herunterladen) doch an alle, die „Leben verachten“ unabhängig von ihrer Herkunft und Religion. Ein wichtiger Satz in Zeiten wie diesen.
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