(stm/ Kommentar)
Schwerin steht vor einer entscheidenden Weichenstellung. Schwerins „Residenzensemble“ könnte schon Morgen zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt werden. Das klingt erstmal nach einem großen Erfolg, aber waskönnte das wirklich für Schwerin bedeuten?
Höchste soziale Spaltung in Schwerin
In Schwerin gibt es bekanntermaßen ein wachsendes Problem: Die Trennung zwischen Arm und Reich wird immer größer. Laut einer aktuellen Studie hat Schwerin weiterhin die höchste soziale Entmischung in Deutschland. Der sogenannte Segregationsindex von 40 zeigt, dass 40 Prozent der „ärmeren“ Bevölkerung umziehen müsste, um eine gleichmäßige Verteilung in der Stadt zu erreichen. Besonders betroffen sind finanziell Ärmere, die wegen hoher Mieten, mangelndem bezahlbaren Wohnraum in den äußeren Stadtteilen leben (müssen).
Dieses Problem ist nicht neu. Schon zu Zeiten des Herzogtums Mecklenburg-Schwerin gab es eine deutliche Trennung zwischen den Wohlhabenden und den Armen. Die Adligen lebten in prunkvollen Residenzen, während die einfachen Leute oft unter schwierigen Bedingungen ihr Dasein fristeten. Diese soziale Kluft hat sich über Jahrhunderte hinweg verfestigt und ist heute sichtbarer denn je. Auch wenn die Gründe und Ursachen heute anderen sind, könnte sich dieses „Erbe“ nun verfestigen.
Hohe Kosten für Erhaltung notwendig.
Sollte das Residenzensemble zum Weltkulturerbe ernannt werden, ist Schwerin über Jahrzehnte, wenn die Stadt es ernst nimmt, gar Jahrhunderte verpflichtet, die historischen Gebäude und Gärten in bestem Zustand zu halten. Das erfordert immense finanzielle Mittel. Doch Schwerin kämpft bereits jetzt mit hohen Schulden. Das wenige Geld, das wir haben, müsste dann zusätzlich in die Erhaltung der historischen Stätten fließen, wodurch wichtige Projekte wie der soziale Wohnungsbau oder Bildungsinitiativen vernachlässigt werden könnten.
Sarkasmus: Es ist ja nicht so, dass Schwerin die letzten Jahre alle Gebühren und Abgaben auf höchwerte gesetzt hat und verkauft, was nicht Niet und nagelfest ist…
Steigende Mieten und Gentrifizierung
Ein Weltkulturerbe-Status kann unsere Stadt attraktiver machen, was zu steigenden Mieten führen könnte. Dieser Prozess, genannt Gentrifizierung, bedeutet, dass wohlhabendere Menschen in die sanierten Viertel ziehen, während die ärmeren Einwohner sich die hohen Mieten nicht mehr leisten können und verdrängt werden. Diese Entwicklung würde die soziale Spaltung weiter verschärfen und die soziale Durchmischung verhindern. Und ein Touristenmagnet, wie UNESCO Welterbe wäre ein imenser Kostenpunkt.
Verkauf von öffentlichem Eigentum?
Um die nötigen Mittel für die Erhaltung des Weltkulturerbes aufzubringen, könnte die Stadt gezwungen sein, öffentliches Eigentum zu verkaufen. Städtische Gebäude oder Grundstücke, die eigentlich allen Bürgern gehören, könnten aus finanzieller Not heraus veräußert werden. Dies würde nicht nur dringend benötigte Ressourcen weiter verknappen, sondern könnte auch langfristige negative Auswirkungen auf die Infrastruktur und das soziale Gefüge unserer Stadt haben.
Negative soziale Folgen?
Die soziale Spaltung hat immer weitreichende Folgen. In Vierteln, in denen viele arme Menschen leben, gibt es oft mehr Probleme wie schlechte Bildungschancen, gesundheitliche Nachteile und eine höhere Kriminalitätsrate. Diese Brennpunkte gefährden den sozialen Frieden in unserer Stadt und erhöhen die Spannungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen.
Die mögliche Ernennung Schwerins zum UNESCO-Weltkulturerbe wäre zweifellos eine prestigeträchtige Auszeichnung. Doch die damit verbundenen finanziellen und sozialen Herausforderungen dürfen nicht übersehen werden. Da die Segregation in den vergangenen Jahren kaum effektiv angegangen wurde, ist die Befürchtung, dass sich die soziale Spaltung in Schwerin verschärfen könnte nicht von der Hand zu weisen.
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