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Die Lenin-Statue auf dem Großen Dreesch soll nach dem Willen von Alexander W. Bauersfeld, Vertreter der „Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft“, aus dem Stadtbild verschwinden. Mit einer Petition wandte er sich bereits am 20. Oktober an die Stadtpolitik und die politischen Entscheidungsträger, um die Entfernung der Statue zu erreichen. Sein Argument: Die Statue stehe symbolisch für die Verbrechen des Sozialismus-Kommunismus und diskriminiere bis heute die Opfer dieser Ideologie. Zudem verwies er auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und forderte, aus Solidarität mit den Opfern des Krieges ein Zeichen zu setzen.

Bauersfeld selbst hat einen persönlichen Bezug zu dem Thema. Nach eigenen Angaben saß er anderthalb Jahre als politischer Gefangener in der DDR in Haft, bevor er von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft wurde. Für ihn ist die Lenin-Statue nicht nur ein Relikt der DDR, sondern auch ein Mahnmal für die Unterdrückung.

Die Position der Stadt Schwerin

Die Stadt hat sich mit der Petition befasst, kam aber zu dem Schluss, dass die Lenin-Statue bleiben soll. Eeine entsprechende Stellungnahme wurde am vergangenen Dienstag im Hauptausschuss „zur Kenntnis“ genommen.

Grundlage für diese Entscheidung ist ein Beschluss aus dem Jahr 2006, bei dem ein ähnlicher Antrag bereits abgelehnt wurde. Statt die Statue zu entfernen, entschied man sich damals, ein erklärendes Informationsschild anzubringen. Ziel war es, die historische Rolle Lenins und die mit ihm verbundenen Verbrechen sachlich darzustellen und gleichzeitig einen Beitrag zur historischen Aufarbeitung zu leisten. An dieser Ansicht hält die Stadt weiterhin fest, so geht es aus der Stellungnahme der Verwaltung hervor.

Das Informationsschild am Standort der Statue trägt folgenden Text:


*„Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924)
Führer der Bolschewiki in der Oktoberrevolution 1917 und Gründer der Sowjetunion. Mit dem ‚Dekret über den Frieden‘ beendete er den Ersten Weltkrieg für Russland. Er führte einen Bürgerkrieg gegen große Teile des eigenen Volkes, um seine Macht zu festigen. Unzählige starben durch die Enteignung und Vertreibung der eigenen Bevölkerung sowie durch den Einsatz von bewaffneten Einheiten gegen aufständische Bauern und Arbeiter. Lenins Diktatur bereitete den Boden für Stalins Schreckensherrschaft. Diese Leninplastik des sowjetischen Bildhauers Jask wurde 1985 im Auftrag der SED-Führung aufgestellt. Sie ist ein Symbol der ‚DDR-Doktrin der untrennbaren Freundschaft‘ und steht zugleich für die politische Abhängigkeit der DDR vom sowjetischen Besatzungsregime nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.“*

Die Stadtverwaltung stellte klar, dass die Statue heute als ein historisches Kunstwerk betrachtet wird, das den Wandel der Geschichte sichtbar macht. Eine Entfernung der Statue sei daher weder rechtlich noch kulturell notwendig. Das Informationsschild, so die Verwaltung, leistet bereits einen wichtigen Beitrag zur kritischen Einordnung des Denkmals und hilft dabei, die Erinnerung an die komplexen und oft schmerzhaften Entwicklungen des 20. Jahrhunderts wachzuhalten.

Es gibt auch einen spannenden Archivbeitrag vom deutschlandfunk, der an dieser Stelle für Interessierte abgerufen werden kann:

https://www.deutschlandfunk.de/umstrittenes-denkmal-warum-lenin-noch-in-schwerin-steht-100.html

Immer wieder Diskussionen um Lenin Statue

Die Lenin Statue sorgt in Schwerin in regelmäßigen Abständen für Diskussionen. Die Forderung diese abzubauen kommt regelmäßig auf. Vor einigen Jahren kamen sogar recht kreative Ideen auf, so schlug die Partei die PARTEI vor die Statue als Graffiti Fläche freizugeben. der Antrag bekam seinerzeit aber keine Mehrheit.


Hinweis:

Das war übrigens das erste mal, dass der Hauptausschuss als „entscheidendes“ Gremium über eine Petition entschieden hat, und nicht die Stadtvertretung. Dies ist in einer Änderung der Hauptsatzung der Stadt begründet. Demnach ist nun nicht mehr die Stadtvertretung für Petitionen zuständig, sondern der Hauptausschuss.

Hier kann die Petition, sowie die Stellungnahme der Verwaltung heruntergeladen und eingesehen werden:


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