(fab)
Die Stadt Schwerin plant eine umfassende Erweiterung und Modernisierung ihrer Hauptfeuer- und Rettungswache an der Graf-Yorck-Straße. Bis zum Jahr 2030 soll der bestehende Gebäudekomplex baulich angepasst und durch einen Erweiterungsbau ergänzt werden. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 46,6 Millionen Euro. Die Stadtvertretung hat den entsprechenden Nachtrag zum Bedarfsplan bereits im November 2024 beschlossen. Eine entsprechende dpa Meldung vom Mittwoch griff das Thema kurz auf, befasste sich aber nur sehr oberflächlich mit der Thematik. http://www.schwerin.news hat sich das mal etwas genauer angesehen, was mit dieser doch recht stattlichen Summe Geld angestellt werden soll.
Die Notwendigkeit scheint gegeben
Die Notwendigkeit dieses Großprojekts ergibt sich demnach aus mehreren Faktoren. In den letzten Jahren habe die Einsatzlage für Feuerwehr und Rettungsdienst erheblich verändert. So heißt es im dem Dokument „1. Nachtrag zum Bedarfsplan 2021-2026“ (unten verlinkt), dass sich die „Technik sowie der Aufgabenbereich und damit die Personalstruktur deutlich verändert“ haben. Die Integrierte Leitstelle Westmecklenburg, die von Schwerin aus die Notrufannahme für die Stadt sowie die Landkreise Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg koordiniert, sei „seinerzeit für einen deutlich kleineren Leitstellenbereich konzipiert“ worden. Die zunehmende Zahl an Notrufen und die wachsenden Anforderungen an die Einsatzkoordination machen deswegen einen Neubau dringend erforderlich.
Ein weitres Problem in der bestehenden Feuerwache ist zudem die unzureichende Trennung von kontaminierter und sauberer Einsatzkleidung, die sogenannte Schwarz-Weiß-Trennung. In dem Dokument wird darauf hingewiesen, dass die Einsatzbekleidung derzeit über einen allgemein genutzten Flur transportiert werden muss. Dies widerspricht den aktuellen Standards des Arbeitsschutzes, die eine klare Trennung vorschreiben. Auch die Spinde für private und dienstliche Bekleidung sind derzeit in Ruheräumen untergebracht, was zu Nutzungskonflikten führt.
Die geplante Erweiterung der Feuerwache siehet daher eine räumliche Neustrukturierung vor, die diesen Anforderungen gerecht wird. In der Machbarkeits- und Konzeptstudie zur Erweiterung (Dokument auch unten hinterlegt) wird darauf hingewiesen, dass eine „funktionale Neuordnung der Räumlichkeiten“ vorgesehen ist. So soll es künftig einen separaten Bereich für die Lagerung von Einsatzkleidung geben, der nicht mit den Ruheräumen oder Aufenthaltsbereichen der Einsatzkräfte in Berührung kommt. Zudem sollen die Ruheräume der Feuerwehrleute als Einzelzimmer ausgestaltet werden, um die Nachtruhe bei nächtlichen Alarmierungen nicht unnötig zu stören. Ein durchaus guter Aspekt.
Ein weiteres Problem, das mit dem Neubau gelöst werden soll, betrifft die räumliche Kapazität der Integrierten Leitstelle. In einer Organisationsuntersuchung, die von der Stadt Schwerin in Auftrag gegeben wurde wurde festgestellt dass die vorhandenen Räumlichkeiten „maximal für einen Übergangszustand- ausreichen, aber nicht den langfristigen Anforderungen an eine moderne Leitstelle entsprechen. Besondres in Zeiten mit hohem Notrufaufkommen stoßen die Disponenten an ihre Grenzen. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, soll die Zahl der Notrufabfrageplätze erhöht und die Leitstelle technisch auf den neuesten Stand gebracht werden.
Mehr als Feuerwehr und Leitstelle
Die Erweiterung umfasst nicht nur die Feuerwehr und die Leitstelle, sondern auch die Räumlichkeiten der Rettungsdienstschule, die ebenfalls an der Graf-Yorck-Straße untergebracht ist. Bislang ist die Schule auf mehrere Standorte verteilt, was den Ausbildungsbetrieb erschweren würde. Durch die geplante Zentralisierung an einem Ort soll es künftig möglich sein, alle Schulungen und Fortbildungen besser koordiniert durchzuführen. Dazu gehören unter anderem spezielle Schulungsräume sowie eine Simulationswohnung, in der realitätsnahe Notfallszenarien geübt werden können.
Platz und Raum für Krisenstab
Auch der Katastrophenschutz soll im Zuge der Modernisierung verbessert werden. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Landeshauptstadt im Bereich der Zivilen Verteidigung besser aufgestellt sein muss. Der Nachtrag zum Bedarfsplan beschreibt eine „Forcierung der Zivilschutzplanungen und der Zivilen Verteidigung“ als eine zentrale Maßnahme für die kommenden Jahre. Dazu gehört unter anderem die bessere Ausstattung der Katastrophenschutzbehörde, aber auch die Schaffung zusätzlicher Räume für Krisenstäbe.
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die personelle Verstärkung. Laut Beschlussvorlage der Stadt Schwerin sollen zehn neue Stellen für die Integrierte Leitstelle geschaffen werden, um das gestiegene Notrufaufkommen zu bewältigen. Diese Maßnahme sei „zwingend erforderlich“, um die angestrebten Zielvorgaben in der Notrufbearbeitung zu erreichen.
46 Millionen Euro – viel Geld, aber gut investiert
Die Finanzierung des Projekts stellt für die Stadt eine erhebliche Herausforderung dar. Dennoch wurde das Vorhaben mit großer Mehrheit in der Stadtvertretung beschlossen. Ein Änderungsantrag der AfD-Fraktion, der eine alternative Lösung durch den Erwerb zusätzlicher Grundstücksflächen anstelle eines Neubaus vorschlug, wurde abgelehnt.
Die Bauarbeiten sollen in mehreren Phasen umgesetzt werden. Der Erweiterungsbau soll bis 2029 fertiggestellt sein, während die Umbaumaßnahmen am bestehenden Gebäudekomplex bis 2030 abgeschlossen werden sollen. Die Stadtverwaltung betont, dass die Umsetzung schrittweise erfolgen muss, um den laufenden Betrieb der Feuerwehr, der Rettungswache und der Leitstelle nicht zu gefährden.
Wer sich vollumfänglich zu dem Thema, der Sanierung und dem Ausbau informieren will, kann dies in den folgenden aufschlussreichen Dokumenten tun:



















