(stm)

Schwerin wächst – zumindest phasenweise. Migration, Zuzug aus dem Umland und eine stabile Nachfrage nach Wohnraum haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass die Bevölkerungszahl der Landeshauptstadt wieder moderat gestiegen ist. Auch wenn die Prognosen des Statistischen Landesamts und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung mittelfristig eher von einem leichten Rückgang ausgehen, sehen städtische Planer durchaus Szenarien, in denen Schwerin über 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählt. Doch was würde das eigentlich für die Stadt bedeuten?

Dass wollte die Stadtvertretung vom Oberbürgermeister wissen. Die Antwort des OB liegt nun vor. Was wäre also wenn?

Rechtlich betrachtet würde Schwerin damit zur „Großstadt“ im statistischen Sinne. In amtlichen Statistiken würde die Stadt dann offiziell in der Kategorie der Großstädte geführt, eine Einstufung, die mehr Sichtbarkeit und einen gewissen Prestigegewinn mit sich bringt. Für den kommunalrechtlichen Status hingegen hätte diese Schwelle keine Bedeutung. Schwerin bleibt eine kreisfreie Stadt, unabhängig von der Bevölkerungszahl.

Auch finanzielle Auswirkungen wären zunächst nicht gravierend. Fördermittel des Landes Mecklenburg-Vorpommern oder des Bundes sind nicht an diese Marke gebunden. Die Höhe der Schlüsselzuweisungen aus dem Finanzausgleich orientiert sich an Faktoren wie der Kinderzahl, dem Anteil der Bedarfsgemeinschaften und an der Entwicklung der anderen Kommunen im Land. Zwar können wachsende Einwohnerzahlen grundsätzlich positiv auf das Steueraufkommen wirken, weil die Stadt für Unternehmen und Einzelhandel interessanter wird, doch feste Zuschläge oder automatische Sonderprogramme für Städte ab 100.000 Einwohnern gibt es nicht.

Organisatorisch wäre ein solcher Sprung vor allem dann bedeutsam, wenn ein stabiles, dauerhaftes Wachstum zu erwarten wäre. In diesem Fall müsste Schwerin seine Infrastruktur anpassen: mehr Wohnraum, zusätzliche Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, Ausbau der Verkehrs- und Versorgungsnetze. Solche Planungen hängen aber weniger an einer einzelnen Zahl als an längerfristigen Trends.

Einen gewissen psychologischen Effekt könnte die 100.000er-Marke dennoch entfalten: Städte in dieser Größenordnung genießen bei Unternehmen, Investoren und in manchen Wirtschaftszweigen mehr Aufmerksamkeit. Vor allem für große Einzelhandelsketten ist die Stadtgröße ein Entscheidungskriterium. Auch am Wohnungsmarkt könnte eine solche Entwicklung die Attraktivität für Investoren stärken. Dennoch betonen Fachleute, dass diese Effekte immer im Zusammenhang mit anderen Faktoren wie Kaufkraft, Altersstruktur, Arbeitsmarkt und der regionalen Wettbewerbssituation zu sehen sind.

Unklar bleibt weiterhin, wie wahrscheinlich es überhaupt ist, dass Schwerin diese Schwelle in naher Zukunft erreicht. Die bisherigen Prognosen unterscheiden sich erheblich. Während das Statistische Landesamt 2019 einen leichten Anstieg bis 98.880 Einwohner im Jahr 2040 vorhergesagt hat, rechnete das Bundesinstitut 2024 sogar mit einem Rückgang auf 92.000 bis 2045. Auf der anderen Seite prognostizierte die Pflegesozialplanung der Stadt Schwerin für 2040 einen Wert von über 102.000. Dass die bisherigen Vorhersagen bereits durch die aktuelle Bevölkerungsentwicklung überholt sind, macht die Unsicherheiten deutlich.

Was sicher ist: Schwerin wächst nicht von selbst zur Großstadt. Es wird vielmehr darauf ankommen, wie sich Zuwanderung, Geburten, Wegzüge und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den kommenden Jahren entwickeln – und wie gut es der Stadt gelingt, mit einem klugen Mix aus Stadtentwicklung und sozialer Infrastruktur ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort zu bleiben.

Die Marke von 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern mag in erster Linie eine symbolische sein. Aber Symbole können manchmal den entscheidenden Impuls geben – auch für eine Stadt wie Schwerin.


Hier kann die Informationsvorlage der Stadtverwaltung eingesehen und heruntergeladen werden:


Werbung:



Werbung:





Entdecke mehr von schwerin.news

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Auch interessant: