(stm) Am Abend des 21. August wurde am ehemaligen E-Werk am Pfaffenteich eine schwer verletzte Möwe gemeldet. Ihr Flügel war fast vollständig herausgerissen, das Tier verblutete kurze Zeit später. Tierschützerinnen fanden die Möwe noch warm, aber bereits tot. Der Fall wird wegen Tierquälerei zur Anzeige gebracht, Zeuginnen und Zeugen werden dringend gesucht. Der Vorfall macht deutlich, wie unzureichend die Versorgung verletzter Wildtiere in Schwerin geregelt ist.

In einer Stellungnahme erklärt die Feuerwehr auf Anfrage von http://www.schwerin.news , dass sie grundsätzlich für Aufgaben der Gefahrenabwehr zuständig sei. Tiere in akuter Zwangslage würden befreit, im weiteren Vorgehen aber unterschiedlich behandelt: Haustiere und Nutztiere werden, sofern möglich, den Besitzern übergeben oder durch das Schweriner Tierheim aufgenommen. Für Wildtiere gilt dies nicht. Sie werden in der Regel in die Natur entlassen oder nach Rücksprache mit dem zuständigen Jagdpächter „behandelt“. Eine tierschutzgerechte Unterbringung oder Versorgung verletzter Wildtiere gehöre demnach nicht zum Auftrag.

Die Zahlen verdeutlichen, dass die Problematik häufig auftritt. Allein in den vergangenen drei Jahren rückte die Feuerwehr insgesamt fast 900 Mal zu tierbezogenen Einsätzen aus. 2024 wurden 235 Einsätze als „Tierbergung/Tierunfall“ und 49 als „Insicherheitbringen von Tieren“ erfasst. Im Jahr 2023 waren es 236 und 61 Einsätze, 2022 lagen die Werte bei 224 und 74. Eine Differenzierung nach Tierarten oder Verletzungsursachen findet nicht statt.

Für Haustiere besteht eine klare Regelung: Ihre Inobhutnahme erfolgt auf Grundlage eines Vertrages zwischen der Stadt und dem Schweriner Tierheim. Wildtiere hingegen fallen durch das Raster. Eine Zusammenarbeit mit Tierkliniken oder Tierschutzorganisationen existiert nicht. Auch für den Transport von Wildtieren stehen der Feuerwehr nach eigener Darstellung nur eingeschränkte Möglichkeiten zur Verfügung.

Die Pressestelle der Stadt betont, dass über die vorhandene Ausstattung und die Schulungen der Einsatzkräfte hinaus weder weitere Maßnahmen geplant seien noch eine gesetzliche Aufgabe für weitergehendes Handeln bestehe. Damit bleibt festzuhalten: In Schwerin gibt es derzeit keine feste Struktur, um verletzte Wildtiere aufzunehmen oder medizinisch zu versorgen.

Der Tod der Möwe am E-Werk verdeutlicht, welche Folgen diese Versorgungslücke haben kann. Während für Haustiere eine klare Zuständigkeit geregelt ist, bleiben verletzte Wildtiere ohne institutionelle Hilfe.

Foto: Zusendung einer Leserin


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