(stm)
Wer in diesen Tagen in Schweriner EDEKA-Märkten den Eindruck hat, dass einzelne Regale schlechter gefüllt sind als sonst, könnte damit nicht ganz falsch liegen – darauf weist die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Nord hin. Hintergrund ist ein Tarifkonflikt im dreischichtigen Zentrallager der EDEKA-Gruppe in Lüttow-Valluhn, das nach Angaben der Gewerkschaft zu großen Teilen die Lebensmittelversorgung in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sicherstellt.
In ihrer aktuellen Mitteilung berichtet ver.di Nord von der dritten Verhandlungsrunde für die gut 800 Beschäftigten im Zentrallager. Demnach hat die Arbeitgeberseite der EDEKA Nord Service- und Logistikgesellschaft mbH am späten Nachmittag des 24. November 2025 ein zweites, leicht verbessertes Angebot vorgelegt. Laut ver.di sieht dieses folgende Entgeltsteigerungen vor:
55 Euro mehr ab dem 1. Januar 2026, weitere 30 Euro ab dem 1. November 2026 und noch einmal 35 Euro ab dem 1. Mai 2027. Insgesamt komme man damit – gerechnet auf die tarifliche Ecklohngruppe – auf rund 120 Euro mehr im Monat beziehungsweise durchschnittlich etwa 2,1 Prozent pro Jahr. Zugleich weise ver.di darauf hin, dass die vorgeschlagene Laufzeit vom 1. November 2025 bis zum 31. Oktober 2027 zwei sogenannte Nullmonate enthalte, in denen trotz laufendem Tarifvertrag keine Erhöhung erfolgt.
Nach Gewerkschaftsangaben hat die ver.di-Tarifkommission dieses Angebot einstimmig abgelehnt. Ein vierter Verhandlungstermin sei bislang nicht vereinbart.
Ver.di Nord fordert laut eigener Darstellung Entgeltsteigerungen von monatlich 200 Euro für alle Entgeltgruppen bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Friedenspflicht sei bereits am 31. Oktober 2025 ausgelaufen, daher seien nun „gezielte Arbeitsniederlegungen“ möglich – mit möglichen Folgen bis in die EDEKA-Märkte im Norden, also auch nach Schwerin.
In der Mitteilung wird der ver.di-Verhandlungsführer Thomas Ebeling mit deutlicher Kritik an EDEKA Nord zitiert. Das Unternehmen erwirtschafte mit seinen Beschäftigten Milliardenumsätze und investiere „in Größenordnungen in Beton zum Ausbau der Arbeitsstätten“. Nach Auffassung der Gewerkschaft seien „Zukunftsinvestitionen“ auch für die Belegschaft nötig. Ebeling warnt zugleich, „leere Regale zur Weihnachtszeit“ seien unnötig. Die EDEKA-Beschäftigten seien „sicher nicht streikwütig, aber durchaus konfliktfähig“.
Wie stark sich mögliche Arbeitsniederlegungen konkret in Schwerin bemerkbar machen, hängt letztlich davon ab, ob Arbeitgeber und Gewerkschaft noch einmal an den Verhandlungstisch zurückkehren – oder ob der Konflikt weiter eskaliert.



















