(stm/ Kommentar)
Am Morgen staunten Pendler und Polizisten gleichermaßen: An den Geländern der Brücken in der Pampower Straße und an der Crivitzer Chaussee prangten Transparente, die eine scheinbar klare, wenn auch bizarre, Botschaft verbreiteten. Unbekannte forderten dort: „AntifaVerbot jetzt“!
Beamte des Polizeihauptreviers Schwerin entfernten die Banner umgehend und stellten sie sicher. Der Vorgang hat eine polizeiliche Ermittlung nach sich gezogen, doch die eigentliche Pointe liegt im Inhalt der Botschaft selbst.
Das Ziel, das es nicht gibt
Die Forderung, die auf den Transparenten in der Landeshauptstadt zu lesen war, ist politisch nicht neu, jedoch in ihrer Umsetzung skurril. Sie richtet sich gegen ein Phänomen, das im politischen Diskurs oft mit dem reißerischen Schlagwort „Die Antifa“ belegt wird.
Doch das Problem der Aktivisten: Ein Verbot kann nur eine Organisation treffen, und die Antifa ist keine Organisation. Sie ist eine Idee, ein Spektrum, eine Haltung. Der Begriff steht als Sammelbezeichnung für eine Bandbreite an lose vernetzten, oft autonomen Initiativen und Einzelpersonen, die eines eint: der Einsatz gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsextremismus.
Ob es sich um zivilgesellschaftliches Engagement in Form von Aufklärungsarbeit und friedlichen Demonstrationen handelt oder um die Handlungen militanter, linksextremer Kleingruppen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden – all dies wird viel zu oft pauschal unter dem Begriff „Antifa“ zusammengefasst.
Die Forderung nach einem Verbot, die nun in Schwerin plakatiert wurde, verlangt in ihrer Absurdität also faktisch das Verbot eines Gedankens. Es wirkt fast wie die verzweifelte Suche nach einem klaren, fassbaren Gegner, der sich der Simplifizierung (für die nicht so klugen Leser*innen, Simplifizierung ist die Reduktion von Komplexität auf eine Art, die irreführend oder ungenau wird) jedoch entzieht. Man könnte es als einen Akt der politischen Satire interpretieren, wenn die Verfasser nicht ernst gemeint hätten.
Die Polizei Schwerin sucht nun jedenfalls nach Personen, die Hinweise auf die Urheber dieser nächtlichen Aktion geben können. Zeugen werden gebeten, sich telefonisch unter 0385 5180 oder über die Onlinewache unter http://www.Polizei.mvnet.de zu melden.


















