(red) Ab Ende Dezember bis zum 25. Januar 2026 entscheiden die Schwerinerinnen und Schweriner per Bürgerentscheid über die Zukunft des Stadtteilparks mit Spielplatz an der Kieler Straße in Lankow. Die offizielle Fragestellung ist klar: Soll das Grundstück im Eigentum der Stadt bleiben und der Park mit seinem großen Spielbereichen erhalten werden – oder kann die Fläche an einen Investor verkauft, abgerissen und mit einem Wohn- und Geschäftshaus bebaut werden?
Ein Blick in die nun veröffentlichten Stellungnahmen von Oberbürgermeister und Stadtvertretung zeigt: Die einzigen, die eindeutig zur Ablehnung des Bürgerentscheids aufrufen, sind die CDU-Fraktion und – in der Sache – die Stadtverwaltung. Dem gegenüber steht ein breites Spektrum an Stimmen, die den Erhalt des Parks befürworten oder jedenfalls starke Argumente auf der Pro-Seite betonen. Andere widerrum halten sich vage und wünschen sich eine hohe Wahlbeteiligung.

Ein gewachsener Stadtteilpark statt austauschbarer Neubaufläche
Die SPD-Fraktion, die ausdrücklich ein „Ja“ empfiehlt, beschreibt den Stadtteilpark Kieler Straße als gewachsene, gewohnte und gut angenommene Freifläche im Herzen Lankows. Hier treffen sich Familien, hier spielen Kinder verschiedenster Altersgruppen gemeinsam, hier finden Stadtteilfeste und kleinere Aktionen statt. Es geht also nicht um irgendeinen Spielplatz, sondern um einen der wenigen großen, zusammenhängenden und überwiegend grünen Aufenthaltsräume im Quartier.
Die ASK stellt in einer ausführlichen Stellungnahme den besonderen Charakter der Fläche heraus: Der Park sei nicht nur Spielort, sondern zugleich Grünzug, Treffpunkt, klimatischer Ausgleich und ein Stück „öffentlicher Luxus“, den sich eine Stadt wie Schwerin leisten sollte. Gerade in einem Stadtteil, der bereits jetzt von dicht bebauten Wohnblöcken, Straßen und Parkplätzen geprägt ist, wiege der Verlust einer solchen Fläche besonders schwer.

Kritische Fragen an das Neubau-Projekt
Befürworter der Bebauung verweisen auf geplante Praxisräume, zusätzliche Wohnungen und den Ausbau des Einzelhandels. Auf dem Papier klingt das nach einem Gewinn für den Stadtteil – in den Stellungnahmen werden diese Versprechen jedoch deutlich hinterfragt.
So weist die SPD darauf hin, dass die Zahl der Kassensitze für gesetzlich Versicherte in Schwerin begrenzt ist. Neue Praxisräume allein bedeuteten nicht automatisch mehr Behandlungsplätze. Auch beim Einzelhandel sind die Nahversorger im Stadtteil bereits heute gut aufgestellt. Das Neubauprojekt könnte daher eher eine Verlagerung von Angeboten bedeuten als einen echten Zuwachs.
Die ask kritisiert außerdem, dass ausgerechnet eine zentrale Grünfläche in kommunalem Eigentum als „Reservefläche“ für eine private Projektentwicklung genutzt werden soll, während es im Stadtteil und in der Stadt andere Flächen gibt, die sich für eine Bebauung anböten, ohne einen etablierten Treffpunkt zu zerstören.

Ersatzspielflächen – kein gleichwertiger Ausgleich
Ein Kernargument der Befürworter des Projekts lautet: Der Investor finanziert drei neue Spielflächen im Stadtteil, der aktuelle Spielplatz gehe also nicht „einfach verloren“. Doch in mehreren Stellungnahmen wird deutlich, dass es sich dabei nicht um gleichwertige Alternativen handelt.
Die geplanten Ersatzspielflächen sind jeweils kleiner, liegen zum Teil dichter am Autoverkehr und verteilen sich über den Stadtteil. Was auf dem Papier nach „mehrere Spielplätze statt einem“ aussieht, bedeutet in der Realität: Der bisher große, übersichtliche, gemeinsame Raum wird in mehrere kleine Inseln zergliedert. Gerade für Familien mit mehreren Kindern unterschiedlicher Altersgruppen, für Kitas, Schulen und Stadtteilfeste ist ein gemeinsamer Großspielplatz deutlich besser nutzbar als drei kleinere Angebote.
Hinzu kommt: Erst wenn neue Plätze tatsächlich gebaut und abgenommen sind, ließe sich beurteilen, ob sie den Anforderungen von Kindern, Eltern und Einrichtungen gerecht werden. Beim Bürgerentscheid wird hingegen schon vorher entschieden, ob die Fläche überhaupt verkauft werden darf.
Kinderrechte, Klima und soziale Infrastruktur
Mehrere Stellungnahmen nehmen Bezug auf die Rolle von Kindern und Jugendlichen im Verfahren. Dass es ausgerechnet um eine Spielfläche geht, macht die Frage nach ihrer Beteiligung besonders sensibel. Kritisiert wird, dass junge Menschen in den Planungsprozess nur sehr eingeschränkt einbezogen wurden, obwohl die UN-Kinderrechtskonvention und das Landesrecht Beteiligung ausdrücklich vorsehen.
Auch aus klima- und umweltpolitischer Sicht sprechen viele Argumente für den Erhalt: Der Stadtteilpark wirkt als Frischluft- und Versickerungsfläche, bietet Schatten, reduziert Hitze im Sommer und schafft Lebensraum für Tiere und Pflanzen. In Zeiten, in denen Städte landauf, landab Strategien zur Anpassung an den Klimawandel formulieren, wirkt es widersprüchlich, vorhandene Grünflächen im Bestand zu veräußern – zumal dort, wo sie gut erreichbar und intensiv genutzt sind.
Politische Lager: Nur eine klare Nein-Empfehlung
Die Stellungnahmen zeichnen letztlich ein Bild, in dem die Befürworter des Erhalts deutlich sichtbarer sind als die Befürworter der Bebauung:
- SPD-Fraktion: klare Empfehlung für „Ja“, ausführliche Begründung zugunsten des Parks.
- Stadtvertreter der ASK: ebenfalls deutliche Fürsprache für den Erhalt, mit einer detaillierten Auseinandersetzung mit Planungs- und Beteiligungsprozess.
- Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen/Die PARTEI, Unabhängige Bürger/FDP, AfD: keine formale Empfehlung, aber zahlreiche Argumente, die die Bedeutung der Fläche hervorheben und die Konflikte des Neubauvorhabens benennen. Wichtig ist ihnen eine aktive Wahlbeteiligung.
- CDU-Fraktion: einzige Fraktion mit klarer Nein-Empfehlung und Unterstützung für das Investorprojekt.
- Oberbürgermeister: stellt die Vorteile von Neubau, Versorgung und Wohnraum heraus und positioniert sich damit faktisch ebenfalls auf der Seite des Verkaufs.
- Von der Zählergruppe Foerster/Steinmüller liegt keine Stellungnahme vor. OB Kandidat Steinmüller sprach sind in der Stadtvertretung allerdings wiederholt für einen Erhalt, also ein „Ja zum Park“ aus.
Wer die Texte nebeneinanderlegt, erkennt: Es gibt keinen „parteipolitischen Block“ gegen den Stadtteilpark. Vielmehr sind die Pro-Stimmen klar benannt, während mehrere Fraktionen ihre Mitglieder ausdrücklich ermutigen, sich selbst ein Bild zu machen – und zwar auf Grundlage der Fakten vor Ort.
Bürgerentscheid als Chance, den Park dauerhaft zu sichern
Juristisch steht fest: Wird die Frage des Bürgerentscheids mit Mehrheit und erreicht die Zahl der Ja-Stimmen mindestens 25 Prozent der Stimmberechtigten, ist der Entscheid bindend und steht einem Beschluss der Stadtvertretung gleich. Für den Stadtteilpark würde das bedeuten: Das Grundstück bleibt im Eigentum der Stadt, der Verkauf ist vom Tisch, die Fläche ist für mindestens zwei Jahre politisch abgesichert.
Für viele Unterstützerinnen und Unterstützer des Parks ist der Januar deshalb mehr als ein Abstimmungsmonat – es ist die Chance, eine gewachsene, lebendige und grüne Mitte Lankows dauerhaft zu sichern. Die Stellungnahmen aus der Stadtvertretung liefern dafür reichlich Argumente. Entscheidend ist nun, dass möglichst viele Stimmberechtigte ihre Unterlagen ausfüllen und rechtzeitig zurückschicken – damit am Ende nicht Gleichgültigkeit darüber entscheidet, wie es mit dem Stadtteilpark Kieler Straße weitergeht.
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