Schweriner Seen als Heizung? Stadt prüfte Seethermie in Schwerin. Das kam dabei raus

(stm)

Schwerin ist eine Stadt am Wasser. Die Seen der Stadt prägen das Stadtbild. Im neuen kommunalen Wärmeplan tauchen beide Gewässer nun auch als mögliche Energiequelle auf. Die Stadt hat prüfen lassen, ob sogenannte Seethermie künftig einen Beitrag zur Wärmeversorgung leisten könnte.

Dabei geht es um die Nutzung der thermischen Energie aus stehenden oder fließenden Gewässern. Seen speichern Wärme. Gerade im Winter liegt ihre Temperatur oft über der Umgebungsluft. Mit Großwärmepumpen könnte diese Energie grundsätzlich für Nah- oder Fernwärmenetze nutzbar gemacht werden.

Für Schwerin wurden vor allem der Schweriner See und der Ziegelsee betrachtet. Beide kommen nach Einschätzung der Fachplaner wegen ihrer Größe und Lage grundsätzlich infrage. Gleichzeitig stehen beide Gewässer unter besonderem Schutz. Sie sind Vogel- und Landschaftsschutzgebiete. Deshalb wäre bei einer Nutzung mit einem umfangreichen Genehmigungsprozess zu rechnen.

Das rechnerische Potenzial klingt zunächst beachtlich: Für den gesamten Schweriner See wird ein Wärmepotenzial von 60,2 Gigawattstunden pro Jahr genannt. Für den Ziegelsee liegt es dagegen nur bei etwa 1,1 Gigawattstunden pro Jahr. Grundlage der Berechnung ist die Annahme, dass jährlich ein Prozent des Wasservolumens genutzt und das Wasser um fünf Kelvin bis auf mindestens vier Grad abgekühlt wird. So soll eine Vereisung am Wärmeübertrager vermieden werden.

Trotzdem fällt das Fazit eher zurückhaltend aus. Die Eignung der Seethermie wird im Wärmeplan als gering eingeschätzt. Als Gründe werden schwierige Flächenverfügbarkeiten für ufernahe Anlagen, teils vorhandene Kleingartenanlagen, der starke Leistungsabfall während der Heizperiode und genehmigungsrechtliche Hürden genannt. Gerade dann, wenn am meisten Wärme gebraucht wird, sinkt also auch die verfügbare Entzugsleistung.

Ganz vom Tisch ist das Thema damit aber nicht. Im Rahmen der Transformationsplanung der Stadtwerke sollen Detailuntersuchungen zur Seethermie folgen. Diese sollen klären, welche Rahmenbedingungen tatsächlich gelten und ob sich eine Nutzung technisch, rechtlich und wirtschaftlich darstellen lässt.

Unterm Strich zeigt der Wärmeplan: Der Schweriner See könnte theoretisch Wärme liefern. Praktisch ist der Weg dorthin aber kompliziert. Aus der großen Idee „See als Heizung“ wird vorerst – so scheint es – nichts.


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