(stm/MEINUNG)
Schwerin will Menschen überzeugen, hier zu arbeiten. Genau dafür ist ein neuer Imagefilm online gegangen. Die Absicht ist nachvollziehbar. Die Stadt braucht Fachkräfte, Unternehmen brauchen Personal, Verwaltungen und Einrichtungen suchen Nachwuchs. Schwerin hat dafür auch echte Argumente: kurze Wege, viel Wasser, viel Grün, bezahlbarere Wege durchs Leben als in mancher Großstadt, Kitas, Schulen, Kultur, Natur vor der Tür.
Nur: Der Film wirkt stellenweise, als sei er in einer anderen Zeit stehen geblieben.
Die Musik erinnert eher an einen Imageclip aus den 90er Jahren als an eine moderne Fachkräftekampagne. Die Bilder sind schön, das Handwerk ist sehr gut, keine Frage. Schloss, Wasser, gepflegte Straßenzüge, freundliche Menschen, helle Szenen. Alles sauber, alles angenehm, alles möglichst reibungslos. Aber genau darin liegt das Problem. Wer Menschen nach Schwerin holen will, darf nicht nur Kulisse zeigen. Er muss ein Gefühl dafür vermitteln, wer hier lebt, arbeitet, lernt, alt wird, neu anfängt, Kinder großzieht oder jeden Morgen zur Schicht fährt.
Und da bleibt der Film erstaunlich blass.
Auffällig ist vor allem, wie wenig Vielfalt sichtbar wird. Schwerin ist längst keine Stadt mehr, die nur aus deutschen, hellhäutigen Gesichtern besteht. In Kitas, Schulen, Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Betrieben, Supermärkten, Restaurants, Werkhallen und Behörden arbeiten Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten. Manche sind hier geboren, manche zugezogen, manche zurückgekehrt, manche erst seit wenigen Jahren in Deutschland. Wenn ein Film für Arbeit in Schwerin werben soll, müsste gerade diese Wirklichkeit selbstverständlich sichtbar sein.
Stattdessen entsteht über weite Strecken der Eindruck eines sehr glatten, sehr sicheren, sehr erwartbaren Schwerins. Immerhin: Frauen kommen sichtbar vor. Das ist gut, denn auch sie gehören selbstverständlich zum Stadtbild. Aber eine moderne Arbeitsstadt besteht eben nicht nur aus schönen Wegen, schönen Blicken und freundlichen Standardszenen.
Noch auffälliger ist, welche Stadtteile kaum eine Rolle spielen. Wieder einmal dominiert das Schwerin, das man ohnehin kennt: Innenstadt, Wasser, Schlossnähe, schöne Viertel. Das ist touristisch verständlich. Für Fachkräftewerbung ist es aber zu wenig. Denn wer nach Schwerin ziehen soll, zieht nicht ins Luftbild. Menschen wollen wissen: Wie lebt man hier wirklich? Wo wohnen Familien? Wie sehen die Wege zur Arbeit aus? Welche Quartiere tragen diese Stadt im Alltag? Wo sind Lankow, Großer Dreesch, Neu Zippendorf, Mueßer Holz, Krebsförden oder Weststadt?
Gerade dort leben viele Menschen. Gerade dort entscheidet sich, ob Schwerin als Arbeits- und Lebensort funktioniert. Dort sitzen Kinder in Schulen, dort fahren Busse, dort suchen Arbeitgeber Personal, dort gibt es Vereine, Nachbarschaft, Probleme, Chancen und Alltag. Ein Film, der für Arbeit in Schwerin werben soll, muss diese Stadt nicht hässlicher machen, als sie ist. Aber er sollte sie auch nicht so stark polieren, dass am Ende nur noch Postkarte übrig bleibt.
Die Stadt selbst spricht in ihrer Fachkräftekampagne davon, verschiedene Facetten des Familienlebens in Schwerin authentisch zeigen zu wollen – vom Weg zur Kita oder Schule über Freizeit am Wasser bis zu modernen Arbeitsformen wie Homeoffice oder Fahrradweg zur Arbeit. Genau daran muss sich solche Werbung messen lassen.
Ein moderner Imagefilm müsste nicht perfekt sein. Er müsste nur mutiger sein. Weniger Hochglanz. Mehr echtes Leben. Weniger „Schwerin ist schön“. Mehr „Schwerin ist ein Ort, an dem sehr unterschiedliche Menschen ihren Alltag hinbekommen“. Weniger Prospekt. Mehr Gegenwart.
Denn Fachkräfte suchen nicht nur schöne Bilder. Sie suchen einen Ort, in dem sie sich wiederfinden können.
Und genau da verschenkt dieser Film eine große Chance. Er zeigt ein hübsches Schwerin. Aber ausgerechnet dort, wo er Menschen zum Arbeiten und Leben hierher einladen soll, wirkt er erstaunlich altmodisch.
Hier kann der neue Imagefilm angesehen werden:












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