(red/stm)
Nach aktuellem Stand der Stadtverwaltung haben sich vier staatliche Schulen in Schwerin nicht an der Abfrage zum Thema Gewaltprävention beteiligt. Besonders brisant: Darunter ist ausgerechnet die IGS Bertolt Brecht – jene Schule, nach einem Gewaltvorfall im vergangenen Jahr die Debatte um Schutz, Verantwortung und Zuständigkeiten an Schweriner Schulen mit ausgelöst hatte.
Schwerin. Die Debatte um Gewaltprävention und Opferschutz an Schweriner Schulen bekommt neue Brisanz. Nach aktuellem Stand der Stadtverwaltung haben sich vier von 24 staatlichen Schulen nicht auf eine Abfrage zum Thema Gewaltprävention zurückgemeldet.
Das teilte die Verwaltung im Zusammenhang mit einem Auftrag aus der Sitzung der Stadtvertretung vom 11. Mai 2026 mit. Dort war gefragt worden, welche Schulen bisher nicht geantwortet haben.
Nach aktueller Auflistung betrifft das die Grundschule Brinckman, die IGS Bertolt Brecht, das Goethegymnasium sowie das Regionale Berufliche Bildungszentrum Wirtschaft und Verwaltung. Insgesamt haben sich 20 von 24 Schulen zurückgemeldet.
Besonders die IGS Bertolt Brecht macht die Liste politisch heikel. Die Schule stand bereits im vergangenen Jahr im Mittelpunkt einer öffentlichen Debatte, nachdem schwerin.news über einen Gewaltvorfall berichtet hatte. Damals verwies die Stadt auf ihre Rolle als Schulträgerin. Für innere Schulangelegenheiten sei nicht die Landeshauptstadt zuständig, sondern das Land beziehungsweise die Schulverwaltung.
Formal mag das stimmen. Für betroffene Schüler, Eltern und Familien hilft es im Ernstfall aber wenig. Wer Gewalt erlebt, braucht keine Zuständigkeitsverweise, sondern klare Abläufe, erreichbare Ansprechpartner und wirksame Hilfe.
Aus der damaligen Debatte heraus entstand später der politische Druck, Gewaltprävention und Opferschutz an Schweriner Schulen genauer zu betrachten. Die Verwaltung fragte bei den staatlichen Schulen ab, ob Anti-Gewalt-Konzepte vorhanden oder in Arbeit sind. Das Ergebnis war bereits Anfang Mai ernüchternd: Nur vier Schulen verfügten über ein vollständiges Konzept, acht arbeiteten daran, sieben hatten kein solches Konzept. Vier Schulen hatten sich nicht zurückgemeldet.
Nun ist klar, welche vier Schulen das sind.
Manfred Strauß von den Unabhängigen Bürgern kritisiert besonders die fehlende Rückmeldung der Bertolt-Brecht-Schule. Gegenüber schwerin.news erklärte er: „Jede Schule sollte das Programm nutzen. Ich verstehe die Schulleitung der Bertolt-Brecht-Schule diesbezüglich nicht. Wir hoffen, dass die Schulleitung bei diesem wichtigen Thema aktiv wird.“
Eine fehlende Rückmeldung bedeutet nicht automatisch, dass an einer Schule keine Präventionsarbeit stattfindet. Sie bedeutet aber: Der Verwaltung liegt auf ihre aktuelle Abfrage keine Antwort vor. Bei einem Thema wie Gewaltprävention ist das schwer vermittelbar – erst recht an einer Schule, die bereits Anlass für öffentliche Diskussionen war.
Denn Gewaltprävention ist keine Aktenübung. Es geht um Kinder und Jugendliche, die geschützt werden müssen. Um Eltern, die wissen wollen, ob Hinweise ernst genommen werden. Um Lehrkräfte, die klare Strukturen brauchen. Und um Schulleitungen, die erklären können sollten, was vorhanden ist, was fehlt und wo Unterstützung gebraucht wird.
Die Stadtvertretung sollte sich deshalb nicht mit dem formalen Hinweis zufriedengeben, dass eine Abfrage erfolgt ist. Entscheidend ist, was aus den Antworten folgt – und wie mit den fehlenden Antworten umgegangen wird.
Schwerin braucht bei diesem Thema keine Zuständigkeitsflucht. Schwerin braucht Klarheit.
Denn am Ende zählt nicht, wer formal zuständig ist. Am Ende zählt, ob Kinder und Jugendliche sicher zur Schule gehen können – und ob ihnen geholfen wird, wenn sie es nicht sind.












Was sagen Sie dazu?