(stm/red Kommentar)
Die Kritik an der Besetzung der ZGM-Werkleitung (Zentrales Gebäudemanagement) bekommt eine weitere Ebene. Die am Ende einzige als geeignet dargestellte Bewerberin kam zuletzt aus dem Dezernat für Wirtschaft, Bauen und Umwelt von Bernd Nottebaum (CDU). Gleichzeitig wurde ihre Eignung durch Adju bewertet — ohne vorherige Prüfung möglicher Interessenkonflikte.
Die umstrittene Besetzung der Werkleitung beim Zentralen Gebäudemanagement bleibt politisch erklärungsbedürftig. Bereits zuvor standen die interne Ausschreibung, die externe Kompetenzdiagnostik durch Adju sowie mögliche Verflechtungen im Umfeld von Adju, maxpress und hauspost in der Kritik. Nun zeigen der Redaktion vorliegende Informationen: Die neue ZGM Werksleitung war seit August 2024 Koordinatorin des Dezernats für Wirtschaft, Bauen und Umwelt der Landeshauptstadt Schwerin. Seit dem 1. Januar 2026 kamen laut Lebenslauf außerdem Leitung und Koordination horizontaler Teams aus dem Fachdienst Wirtschaft und Stadtmarketing sowie Budgetverantwortung hinzu.
Damit kam die neue ZGM-Werkleiterin aus dem unmittelbaren Umfeld des Dezernats von Bernd Nottebaum. Das ist deshalb relevant, weil das ZGM als Eigenbetrieb zentrale Aufgaben bei städtischen Gebäuden, Bauprojekten, Instandhaltung und Investitionen übernimmt. Die Besetzung dieser Stelle ist keine normale Verwaltungspersonalie, sondern betrifft eine Schlüsselposition im kommunalen Bau- und Immobilienbereich.
Nach bisheriger Darstellung wurde die Stelle intern ausgeschrieben. Am Ende blieb nur eine formal geeignete Bewerberin übrig. Anschließend wurde die Adju Kompetenzentwicklung GmbH mit einer Kompetenzdiagnostik beauftragt. Die Stadt bestätigte gegenüber schwerin.news, dass vor dieser Beauftragung keine Prüfung möglicher Interessenkonflikte stattfand. Gleichzeitig waren Überschneidungen im Umfeld von Adju, maxpress, hauspost und weiteren Strukturen nach Angaben der Stadt teilweise bekannt.
Gerade diese Kombination macht den Vorgang problematisch. Eine interne Bewerberin aus dem Dezernatsumfeld wird für eine Spitzenposition ausgewählt. Die externe Bewertung übernimmt ein Dienstleister, dessen Umfeld bereits wegen möglicher Verbindungen zu maxpress und hauspost in der Kritik steht. Kommunale Unternehmen schalten Anzeigen in der hauspost. Maxpress war nach Angaben der CDU zudem im Oberbürgermeisterwahlkampf für Sebastian Ehlers tätig.
Hinzu kommt der politische Kontext. Bernd Nottebaum ist CDU-Politiker. Sebastian Ehlers ist CDU-Oberbürgermeister. Die Personalie führt damit nicht nur in die Verwaltung, sondern auch in ein politisches Umfeld, in dem Nähe besonders sensibel bewertet werden muss. Ein offenes und besonders transparentes Verfahren wäre deshalb zwingend geboten gewesen.
Der Lebenslauf der neuen Werksleiterin entkräftet die Kritik nicht, sondern wirft zusätzliche Fragen auf. Er zeigt akademische Qualifikationen, Projektarbeit, Moderations- und Verwaltungserfahrung – keine Frage. Eine ausgeprägte praktische Leitungserfahrung im Bau-, Immobilien-, Vergabe- oder Gebäudemanagementbereich, welche für das ZGM – Zentrale Gebäudemanagement – springt daraus jedoch nicht in erster Linie hervor.
Umso erklärungsbedürftiger ist, warum bei einer solchen Schlüsselstelle am Ende nur eine Bewerberin als geeignet galt — und diese Eignung dann ausgerechnet durch Adju (personelle Überschneidungen zu Maxxpress, Maxxpress managete den OB Wahlkampf von Ehlers) extern bestätigt wurde. Entscheidend ist vielmehr, wie das Verfahren ablief: interne Ausschreibung, nur eine geeignete Bewerberin, Herkunft aus dem Dezernatsumfeld, externe Bewertung durch Adju und keine vorherige Prüfung möglicher Interessenkonflikte.
Damit bleibt der Eindruck eines eng geführten Verfahrens, das erst durch die externe Kompetenzdiagnostik zusätzliche Legitimation erhielt. Für eine Spitzenstelle im ZGM reicht das politisch nicht aus. Die Stadt hätte von Anfang an offenlegen müssen, warum intern ausgeschrieben wurde, weshalb Adju beauftragt wurde und wie mögliche Überschneidungen bewertet wurden.
Der Fall ist deshalb nicht mit dem Amtsantritt der neuen Werkleiterin erledigt. Er berührt die Frage, nach welchen Regeln Spitzenposten in Schwerin vergeben werden und wie konsequent die Stadt Interessenkonflikte, politische Nähe und wirtschaftliche Verflechtungen prüft.
Solange diese Punkte nicht vollständig aufgearbeitet sind, bleibt die ZGM-Besetzung ein Transparenzproblem für die Landeshauptstadt.
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