Das Schweigen aus dem Stadthaus: Fragen zur Kaninchenwerder-Vergabe bleiben unbeantwortet
(stm/Kommentar)

Verschlusssache Kaninchenwerder: Wenn die Verwaltung die Schotten dichtmacht

Die Vergabe der Bewirtschaftung für die beliebte Schweriner Ausflugsinsel Kaninchenwerder sorgt für politischen Diskussionsstoff. Nach monatelangen Blockaden durch einen juristischen Streit mit dem Altpächter – der erst im Januar 2026 durch einen gerichtlichen Vergleich beigelegt wurde – schien der Weg für einen Neuanfang frei. Doch nun wirft der eigentliche Auswahlprozess Fragen auf. Ausgangspunkt ist eine offizielle Anfrage des Stadtvertreters Heiko Steinmüller an Oberbürgermeister Sebastian Ehlers, die exklusive Einblicke in ein ansonsten hermetisch abgeriegeltes Verwaltungsverfahren gibt.

Vom Neustart zur internen Verschlusssache

Im Rahmen des im Vorfeld breit angelegten Interessenbekundungsverfahrens hatten zahlreiche Bewerber ihre Nutzungskonzepte eingereicht, um das touristische Kleinod im Schweriner See wiederzubeleben. Den Zuschlag erhielt schließlich die im Herbst 2023 gegründete „Garage 7 UG“ unter der Leitung von Geschäftsführer Daniel Schmidt.

Als der Stadtvertreter Steinmüller daraufhin wissen wollte, welche konkreten Gesamt- und Einzelpunktzahlen die Sieger sowie die weiteren als besonders geeignet eingestuften Bewerber erreicht hatten, erteilte das Stadthaus eine klare Absage. Die Bewertungsmatrix und die Punktvergabe der Jury dienten ausschließlich der verwaltungsinternen Vorbereitung und seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Kein Fall für die Gremien?

Auch die Frage, warum der Hauptausschuss bei einem Projekt von erheblichem öffentlichem Interesse komplett übergangen wurde, beantwortete die Verwaltung rein formalistisch. Da die in der Hauptsatzung festgelegten Wertgrenzen für Miet- und Pachtverhältnisse im konkreten Fall nicht erreicht worden seien, habe schlicht keine formale Beschlusszuständigkeit der städtischen Gremien bestanden. Die Auswahl erfolgte somit im Alleingang durch eine rein intern besetzte Jury aus Vertretern des Zentralen Gebäudemanagements (ZGM), des Umweltfachdienstes, des Tourismusbereichs und des Eigenbetriebs SDS.

Pachtfrei durch die Übergangsphase

Welche exklusiven Sonderkonditionen in diesem geschlossenen Kreis ausgehandelt wurden, zeigt ein inzwischen vorliegendes Dokument zum Sachstand der Insel: Für die Saison 2026 wurde eine befristete Vereinbarung getroffen, die dem neuen Betreiber eine pachtzinsfreie Nutzung der Flächen bis zum Abschluss eines umfassenden Hauptpachtvertrags gewährt.

Angesichts der massiven Herausforderungen vor Ort – das historische Hauptgebäude ist stark sanierungsbedürftig, und die Stadt investiert rund 700.000 Euro in die Sanierung der Gebäudehülle (Dach und Veranda), weshalb in dieser Saison ohnehin nur mobile und eingeschränkte Gastronomie möglich ist – mag dieses finanzielle Entgegenkommung pragmatisch erscheinen. Neben der Pflicht zur Wegepflege, Toilettenreinigung und Hafenüberwachung erhält der Betreiber im Gegenzug weitreichende Freiheiten: von der Genehmigung gastronomischer Angebote über temporäre Untervermietungen und Lagerflächen im Hauptgebäude bis hin zur vorzeitigen Nutzung des Hafens für motorlose Hausboote in der Nebensaison.

Einordnender Blick auf ein sensibles Verfahren

Der Fall Kaninchenwerder zeigt exemplarisch das Spannungsfeld zwischen Verwaltungshandeln und politischer Kontrolle. Formal bewegt sich die Landeshauptstadt im Rahmen der rechtlichen Vorgaben und Wertgrenzen. Dennoch hinterlässt die Kombination aus strikter Verweigerung der Punkteoffenlegung, dem vollständigen Ausschluss der politischen Gremien und den weitreichenden Sonderkonditionen (wie der Pachtfreiheit und zugesicherten städtischen Vorleistungen) für ein junges, im Handelsregister mit minimalem Stammkapital geführtes Unternehmen einen schalen Beigeschmack.

Wenn ein touristisches Filetstück vergeben wird, bei dem der Eindruck entsteht, dass Transparenz hinter internen Verwaltungsprozessen verschwindet, ist das Vertrauen der Öffentlichkeit schnell strapaziert. Hier wird sich die Stadtspitze an der Frage messen lassen müssen, ob ein Maximum an Offenheit nicht der bessere Weg gewesen wäre, um dem Neustart auf Kaninchenwerder von Beginn an den nötigen Rückhalt zu geben.

Ob diese kritische Betrachung Stand hält, wird sich zeigen, wenn klar ist, ob die restlichen 26 Bewerber/innen tatsächlich „schlechter“ waren.

Kleiner Spoiler – http://www.schwerin.news ist im Besitz eines Teils der alternativen Projektideen. Artikel dazu folgt bald.


Hier die Anfrage von Steinmüller nebst Beantwortung durch OB Ehlers als pdf zum download/ zur Ansicht:


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2 Antworten zu „Das Schweigen aus dem Stadthaus: Fragen zur Kaninchenwerder-Vergabe bleiben unbeantwortet“

  1. Avatar von
    Anonymous

    Dauerhafter Verdacht schafft keine Transparenz, sondern lähmt. Wenn jede Entscheidung zur Grundsatzdebatte wird, steigt die Bürokratie. Zudem schadet das permanente Schlechtreden dem Ruf unserer Stadt nach außen. Die Dauerkritik bindet genau die Ressourcen im Stadthaus, die wir eigentlich für eine schnelle und positive Entwicklung Schwerins brauchen.

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