(red) Rund 1.170 Kinder unter drei Jahren haben in Schwerin aktuell einen Kitaplatz. Die Betreuungsquote liegt damit nach Angaben der amtlichen Statistik bei gut 57 Prozent. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sieht jedoch weiteren Bedarf und warnt in einer aktuellen Pressemitteilung gleichzeitig vor möglichen Folgen einer Änderung des Arbeitszeitgesetzes.
„Familien brauchen planbare Arbeitszeiten – deshalb muss der 8-Stunden-Tag bleiben“, sagt Jörg Dahms, Geschäftsführer der NGG Mecklenburg-Vorpommern. Nach Einschätzung der Gewerkschaft reicht die aktuelle Betreuungssituation in Schwerin nicht aus. Der Bedarf der Eltern bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren liege in Mecklenburg-Vorpommern laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) bei rund 65 Prozent.
Kritisch sieht die NGG die Pläne der Bundesregierung, das Arbeitszeitgesetz zu verändern und den klassischen 8-Stunden-Tag aufzuweichen. „Wenn das passiert, dann bricht für Eltern jede Planung bei der Kinderbetreuung zusammen“, warnt Dahms. Ein Arbeitstag könne dann aus Sicht der Gewerkschaft deutlich länger ausfallen. Gerade für Familien, deren Kita- und Arbeitszeiten bereits heute eng aufeinander abgestimmt seien, würde dies zusätzliche Belastungen bringen.
„Wer sein Kind in der Kita hat, muss es auch pünktlich wieder abholen können, bevor die Betreuung schließt. Wenn ein Arbeitgeber künftig aus einem 8-Stunden-Tag einen Arbeitstag mit 10 oder 12 Stunden machen kann, wird es für Familien nahezu unmöglich, den Alltag verlässlich zu planen“, so Dahms.
Die Gewerkschaft sieht auch Auswirkungen auf die Pflege von Angehörigen. Wer sich zu Hause um Eltern, Großeltern oder andere Familienmitglieder kümmere, brauche feste und planbare Zeiten. „Verlässlichkeit ist das A und O“, erklärt Dahms.
Besonders betroffen seien nach Ansicht der NGG Frauen. Bei einer bundesweiten Beschäftigtenbefragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gaben 51 Prozent der Frauen an, sich zu Hause um Angehörige – vor allem Kinder oder ältere Menschen – zu kümmern. Bei Männern seien es 41 Prozent. Schon heute hätten rund ein Fünftel aller Beschäftigten häufig Probleme, Familie und Beruf zeitlich miteinander zu vereinbaren. Bei alleinerziehenden Frauen liege der Anteil sogar bei 42 Prozent.
Die Gewerkschaft warnt außerdem vor gesundheitlichen Folgen längerer Arbeitstage. Nach Angaben der NGG steigt das Unfallrisiko nach acht Stunden Arbeitszeit deutlich an. Nach zwölf Stunden sei es sogar doppelt so hoch wie bei einem regulären 8-Stunden-Tag. Auch Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Burnout könnten durch zu lange Arbeitszeiten begünstigt werden.
„Den Arbeitskräftemangel lösen wir nicht durch längere Arbeitstage, sondern durch bessere Arbeitsbedingungen und mehr Kita-Plätze“, sagt Dahms. Gerade Branchen wie das Gastgewerbe, das Lebensmittelhandwerk und die Nahrungsmittelindustrie suchten dringend Personal. Die NGG fordert deshalb, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege stärker in den Mittelpunkt zu stellen.













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