Marktplatz und Schlachtermarkt: ASK fordert neues Konzept für die nächtliche Innenstadt

(stm)

Nach den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen rund um den Schlachtermarkt und den Marktplatz will die Aktionsgruppe Stadt und Kulturschutz (ASK) die Sicherheitsdebatte in der Schweriner Innenstadt breiter führen als nur mit reflexartigen Forderungen.

Stadtvertreter Karsten Jagau hat dazu einen Beschlussantrag für die Stadtvertretung eingebracht. Statt vor allem auf zusätzliche Polizeipräsenz oder Kameraüberwachung zu setzen, soll die Stadt stattdessen ein zeitlich begrenztes Präventionskonzept für den gesamten nächtlichen Innenstadtbereich entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die beiden Plätze selbst. Nach Vorstellung der ASK sollen Marktplatz und Schlachtermarkt einschließlich ihrer Zuwegungen als zusammenhängender Stadtraum betrachtet werden.

„Wir brauchen keinen Überwachungsraum und keine Verdrängung junger Menschen aus der Innenstadt“, erklärt Jagau. Ziel sei ein „sicherer, sozialer und lebendiger Nachtstadtraum“, dessen Maßnahmen zunächst als Pilotprojekt getestet und anschließend anhand konkreter Daten bewertet werden.

Wo bewegen sich Jugendliche nachts durch die Innenstadt?

Ein Schwerpunkt des Antrags ist die Untersuchung der tatsächlichen Bewegungs- und Aufenthaltswege. Gemeinsam mit Polizei, Straßensozialarbeit und Ordnungsdienst sollen wiederkehrende Aufenthaltsorte sowie zeitliche Konfliktschwerpunkte erfasst werden. Die ASK nennt dabei ausdrücklich zwei Wege: vom Marienplatz über Mecklenburgstraße und Schmiedestraße sowie alternativ über Wismarsche Straße, Arsenalstraße und Friedrichstraße.

Damit nimmt der Antrag nicht nur den Ort in den Blick, an dem es zu Auseinandersetzungen kommt, sondern auch die Wege dorthin.

Nach Angaben der ASK kennen ihre Aktiven die Situation vor Ort aus eigenen Begehungen. Dabei sei deutlich geworden, dass sich die überwiegende Zahl der jungen Menschen friedlich aufhalte und gemeinsam feiere. Gleichzeitig gebe es aus Sicht der ASK akute Defizite bei Beleuchtung und sozialen Angeboten. Und tatsächlich, wer schon mal späten Abend am Schlachtermarkt war, stellt fest, dass es in Sachen Beleuchtung tatsächlich sehr mau aussieht.

Mehr Licht statt mehr Kameras

Ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes soll deshalb ein neues Lichtkonzept sein. Geprüft werden soll eine warme, gleichmäßige und blendarmere Beleuchtung der Plätze und Verbindungswege. Auch eine durchgängige Lichtführung zwischen Marktplatz und Schlachtermarkt ( in den beiden Durchgängen) soll untersucht werden. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob die Beleuchtung bedarfsgerecht gesteuert werden kann.

Auch der Brunnen auf dem Schlachtermarkt soll nach dem Willen der ASK stärker einbezogen werden. Vorgeschlagen wird, seinen Betrieb in den Abend- und Nachtstunden zu verlängern und ihn dezent warm zu beleuchten.

Rathaus als Anlaufpunkt für Streetwork?

Ungewöhnlicher ist ein weiterer Vorschlag des Antrags: Die Stadt soll prüfen, ob ein Raum im Rathaus oder einem anderen städtischen Gebäude am Marktplatz zu bestimmten Abend- und Nachtzeiten als niedrigschwellige Anlaufstelle genutzt werden kann. Dort könnten Streetworker, Jugendsozialarbeit und Angebote zur Konfliktprävention stattfinden. Daneben fordert die ASK eine stärkere Präsenz der bestehenden Straßensozialarbeit an stark frequentierten Abenden. Ein mögliches „Nachtteam“ soll insbesondere den Bereich zwischen Marienplatz, Innenstadt, Marktplatz und Schlachtermarkt abdecken.

Erst ausprobieren, dann messen

Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen zunächst als Pilotprojekt umgesetzt werden. Anschließend will die ASK eine Auswertung anhand konkreter Daten. Dazu gehören unter anderem Polizeieinsätze, Einsätze von Ordnungs- und Rettungsdiensten, Beschwerden, Besucherzahlen und das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen vor Ort.

Jagau stellt damit ausdrücklich die Frage, ob die Gestaltung des öffentlichen Raums selbst einen Beitrag zur Vermeidung von Konflikten leisten kann. „Statt ausschließlich auf zusätzliche Polizeipräsenz zu setzen, sollten wir als Stadt untersuchen, welchen Beitrag der öffentliche Raum selbst zur Prävention und Deeskalation leisten kann“, so der ASK-Stadtvertreter.

Die Grundidee des Antrags: Licht, Aufenthaltsqualität, Wasser und soziale Präsenz sollen nicht einzeln betrachtet werden, sondern gemeinsam.

Der Antrag soll in der kommenden Sitzung der Schweriner Stadtvertretung beraten werden. Ob aus dem Pilotprojekt tatsächlich ein konkretes Maßnahmenpaket wird, dürfte damit auch davon abhängen, ob sich für den Ansatz eine politische Mehrheit findet.


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