(stm/red)
Wer in Schwerin die Toilettenspülung betätigt, den Rasen bewässert oder einfach nur zusieht, wie der Regen in den Gully läuft, bezahlt am Ende des Jahres dafür. Wie viel das künftig sein wird, entscheidet sich zwar erst mit der nächsten Gebührenkalkulation – doch der Wirtschaftsplan der Schweriner Abwasserentsorgung (SAE) für die Jahre 2027 und 2028 lässt bereits erkennen, wohin die Reise geht. Und er zeigt, was in den kommenden Jahren unter Schwerins Straßen und auf der Kläranlage in Süd passieren soll.
Die kurze Version: Für 2027 bleibt zunächst alles beim Alten. Danach dürfte es teurer werden.
Das Polster ist Ende 2028 aufgebraucht
Der Grund dafür liegt in einer Position, die im Alltag der Gebührenzahler kaum eine Rolle spielt, im Wirtschaftsplan aber zentral ist: der sogenannten Gebührenüberdeckung. Dahinter steckt vereinfacht gesagt Geld, das die Schwerinerinnen und Schweriner in der Vergangenheit zu viel gezahlt haben und das ihnen deshalb zurückgegeben werden muss – nicht als Scheck im Briefkasten, sondern in Form stabiler Gebühren. Zum Jahresende 2025 lag dieses Polster bei 4,277 Millionen Euro. 2027 sollen davon 1,925 Millionen Euro aufgezehrt werden, 2028 noch einmal 1,402 Millionen Euro. Danach ist es leer. Die SAE formuliert das im Plan unmissverständlich: Eine weitere Gebührenanpassung für Schmutz- und Niederschlagswasser werde „voraussichtlich erst Ende 2028/Anfang 2029“ fällig.
Ganz widerspruchsfrei liest sich der Plan an dieser Stelle allerdings nicht. Einerseits heißt es, die Gebühren könnten in beiden Planjahren stabil gehalten werden. Andererseits hat die SAE in ihre Erlösplanung bereits ab Ende 2028 höhere Einnahmen eingerechnet – ausdrücklich, um eine Unterdeckung zu vermeiden. Eine konkrete Zahl nennt der Plan für das Schmutzwasser nicht.
Beim Niederschlagswasser ist er dagegen deutlicher. Derzeit zahlen Grundstückseigentümer 79 Cent je Quadratmeter bebauter oder befestigter Fläche. In der Planungstabelle für 2028 stehen 83 Cent. Vier Cent mehr klingen überschaubar, und das sind sie bei 100 Quadratmetern Dach- und Hoffläche mit vier Euro im Jahr auch. Beschlossen ist dieser Wert jedoch nicht – er ist eine Rechengröße, keine Gebührensatzung.
Wo gebaut wird
Deutlich handfester ist, was die SAE in den kommenden beiden Jahren im Boden vorhat. 5,095 Millionen Euro sind für 2027 eingeplant, 6,180 Millionen für 2028 – zusammen gut elf Millionen Euro.
Der größte Brocken entfällt auf die Ortsentwässerungskanäle mit 2,345 Millionen Euro im ersten und 2,620 Millionen Euro im zweiten Planjahr. Betroffen sind unter anderem die Dr.-Hans-Wolf-Straße, die Straße An den Wadehängen, die Schwalbenstraße, der Kalkwerderring, die Neumühler Straße zwischen Kreisverkehr und Obotritenring sowie der Bereich Wismarsche Straße und Grunthalplatz. Wann dort tatsächlich die Bagger anrücken und mit welchen Verkehrseinschränkungen zu rechnen ist, sagt der Wirtschaftsplan nicht. Er hält lediglich fest, dass die Arbeiten möglichst mit Straßenbauvorhaben der Stadt und mit den Terminen von Stadtwerken, NGS und WAG abgestimmt werden sollen – ein Prinzip, das doppeltes Aufreißen derselben Straße vermeiden soll. Dazu werden wir uns demnächst das sogenannte Straßenunterhaltungskonzept nächer anschauen. Wer den Bericht nicht verpassen will, kann http://www.schwerin.news übrigens via Email abonnieren:
Das ist im Abwasserwerk selbst geplant
Auf der Kläranlage Schwerin-Süd stehen 775.000 Euro (2027) und 1,635 Millionen Euro (2028) als Investitionsplanungne bereit. Erneuert werden sollen unter anderem die Zentrifugen zur Klärschlammentwässerung und die Motoren des Blockheizkraftwerks, dazu kommen eine Gerinnesanierung und der Umbau der alten Leitwarte zu einem Besprechungs- und Besucherraum. In den Pumpwerken und Druckrohrleitungen sind 535.000 beziehungsweise 1,010 Millionen Euro vorgesehen. Herausragendes Projekt ist hier der Bau eines neuen Hauptpumpwerks in Medewege.
Ein weiterer Schwerpunkt sind die Regenwasserbehandlungsanlagen, für die 2027 mit 1,225 Millionen Euro sogar mehr Geld fließt als in die Kläranlage. Sie sollen verhindern, dass Schadstoffe aus dem Straßenabfluss ungefiltert in die Gewässer gelangen. Genannt werden Vorhaben an der Pampower Straße, an der Lübecker Straße im Bereich der Strahlenklinik, an der Wittenburger Straße und am Hopfenbruchweg. Nebenbei haben diese Anlagen einen betriebswirtschaftlichen Effekt: Wer die Anforderungen erfüllt, kann von der Abwasserabgabe befreit werden.
Ein Windrad ohne Adresse
Fast beiläufig taucht in der Investitionsübersicht ein Vorhaben auf, das über das klassische Abwassergeschäft hinausgeht: der Neubau einer Windkraftanlage (auf bzw in der Umgebung des Geländes). 1,65 Millionen Euro sind dafür bis 2030 hinterlegt – je 50.000 Euro in den Jahren 2027, 2028 und 2029, dann 1,5 Millionen Euro im Jahr 2030. Es ist das einzige als „neue Maßnahme“ gekennzeichnete Projekt im gesamten Plan.
Nur: Wo die Anlage stehen soll, wie stark sie sein wird und wie viel Strom sie liefern könnte, steht dort bisher nicht. Der Plan vermerkt lediglich, dass ein Wirtschaftlichkeitsvergleich vorliegt und dass die Maßnahme weder gesetzlich vorgeschrieben noch unaufschiebbar ist. Finanziert werden soll sie aus eigenen Mitteln, nicht über Kredite. Interessant wird das Vorhaben im Zusammenspiel mit einer anderen Zeile: Eine für 2026 geplante Photovoltaikanlage konnte nicht errichtet werden. Die Folge sind 185.000 Euro höhere Stromkosten allein für 2027. Insgesamt schlägt der Strombezug im kommenden Jahr mit rund 808.000 Euro zu Buche – 503.000 Euro davon für die Kläranlage, 305.000 Euro für Pumpwerke und Mischwasserspeicher. Immerhin: Die Arbeitspreise sind vertraglich bis Ende 2028 fixiert.
Und trotzdem – neun Millionen Euro neue Schulden
Bezahlt wird das Investitionsprogramm überwiegend mit Krediten. Vier Millionen Euro will die SAE 2027 aufnehmen, fünf Millionen im Jahr 2028. Hinzu kommt eine Umschuldung von 2,729 Millionen Euro im kommenden Jahr. Getilgt werden im Gegenzug 1,973 beziehungsweise 2,052 Millionen Euro. Für den neuen Kredit rechnet die SAE mit 3,8 Prozent Zinsen bei 50 Jahren Laufzeit – die Zinslast steigt entsprechend von 1,286 Millionen Euro (2027) auf 1,464 Millionen Euro (2028).
Fördermittel erwartet der Eigenbetrieb keine. Was die Kredite nicht abdecken, kommt aus den vorhandenen liquiden Mitteln. Die Werkleitung hält die Finanzierung dennoch für gesichert und die Liquidität für stabil; zum Jahresende 2027 sollen noch knapp drei Millionen Euro im Finanzmittelfonds liegen. Für die Jahre danach sind bereits Verpflichtungsermächtigungen über 5,59 Millionen Euro eingeplant, vor allem für die Kläranlage und weitere Kanalerneuerungen.
Und die Stadt verdient mit
Verlust macht die SAE nicht. Der Plan weist für 2027 einen Jahresüberschuss von 2,341 Millionen Euro aus, für 2028 sind es 2,352 Millionen Euro – bei Erträgen von 23,292 beziehungsweise 23,725 Millionen Euro. Dieser Überschuss ist im Wesentlichen die Verzinsung des Kapitals, das die Stadt in ihrem Eigenbetrieb stecken hat. Ein Teil davon fließt in den städtischen Haushalt: 1,694 Millionen Euro im Jahr 2027, 1,756 Millionen Euro im Jahr 2028, jeweils aus dem Ergebnis des Vorjahres. Der Rest bleibt als Kapitalrücklage im Betrieb, um die Eigenkapitalquote stabil zu halten. Einen Zuschuss der Stadt braucht die SAE nicht – umgekehrt zahlt die Landeshauptstadt für die Entwässerung ihrer Straßen und Plätze rund zwei Millionen Euro jährlich an den Eigenbetrieb.
Eigene Mitarbeiter hat die SAE übrigens nicht. Der Betrieb läuft über die Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft Schwerin (WAG), die dafür 2027 ein Entgelt von 8,51 Millionen Euro erhält – mit Abstand der größte einzelne Kostenblock. Ein Stellenplan gibt es bei der SAE deswegen nicht.
Bleibt eine Zahl, die den Blick über den Planungszeitraum hinaus lenkt: Ab 2029 darf Klärschlamm aus gesetzlichen Gründen nicht mehr landwirtschaftlich verwertet werden. Bis Ende 2029 sind die Preise über eine landesweite Kooperation zwar gesichert. Was danach kommt, ist offen – und dürfte die Gebührendebatte in Schwerin über 2028 hinaus begleiten.
Beschlossen werden soll der Plan vom Aufsichtgremium noch im September. Einige Wochen später dann von der Stadtvertretung.
Quelle: Wirtschaftsplan 2027/2028 der Schweriner Abwasserentsorgung, Vorlage im Bürgerinformationssystem der Landeshauptstadt Schwerin: https://bis.schwerin.de/si0057.asp?__ksinr=11850















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