(stm) Es gibt diese Tage, an denen eine Polizeimeldung schon fast wie eine Sammlung schlechter Drehbuchideen klingt. Gestern war so ein Tag in Schwerin. Innerhalb weniger Stunden hatte die Polizei gleich mehrfach mit Verkehrsstraftaten zu tun. Eine Fußgängerin wurde schwer verletzt, ein Autofahrer tauchte mit 2,07 Promille bei der Polizei auf, ein 19-Jähriger krachte mit seinem Golf in einen BMW und hatte zuvor offenbar THC und Amphetamin konsumiert. Und zum krönenden Abschluss saß ein 56-Jähriger mit 3,09 Promille schlafend in seinem Mazda – bei laufendem Motor und offenbar nach einer kleinen Spritztour über ein Vorgartenbeet.
Erst der Unfall, dann die Zweifel
Gegen 9:45 Uhr kam es an der Kreuzung Plater Straße/Hamburger Allee zum ersten folgenschweren Vorfall. Ein 69-jähriger Fahrer eines Skoda Fabia bog von der Plater Straße nach rechts in Richtung Grünes Tal ab und erfasste dabei eine 65-jährige Fußgängerin, die im Bereich einer Ampel die Straße überquerte. Die Frau wurde schwer verletzt und musste zur weiteren medizinischen Versorgung in ein Klinikum gebracht werden. Bei der Unfallaufnahme kamen den Polizeibeamten allerdings Zweifel an der Fahrtüchtigkeit des Mannes. Eine anschließende Überprüfung erhärtete den Verdacht sogenannter körperlicher Mängel. Der Führerschein wurde sichergestellt, gegen den 69-Jährigen wird wegen des Verdachts der Gefährdung des Straßenverkehrs ermittelt.
Viel Zeit zum Durchatmen blieb den Beamten offenbar nicht.
Der ungewöhnliche Weg zur Polizei
Denn gerade einmal rund 15 Minuten später erschien der nächste 69-jährige Schweriner im Polizeihauptrevier. Er wollte sich nach eigenen Angaben polizeilichen Rat holen. Grundsätzlich kein ungewöhnlicher Vorgang – wäre da nicht die Kleinigkeit gewesen, dass der Mann zuvor selbst mit seinem KIA zur Polizei gefahren sein soll. Während des Gesprächs bemerkte eine Polizeibeamtin Alkoholgeruch. Der anschließende Atemalkoholtest ergab 2,07 Promille. Damit dürfte der gewünschte polizeiliche Rat zumindest in einer Frage ziemlich eindeutig ausgefallen sein: Die Weiterfahrt war keine Option. Gegen den Mann wurde ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Trunkenheit im Verkehr eingeleitet, eine Blutprobe angeordnet und der Führerschein sichergestellt.
Dann kommen THC und Amphetamin dazu
Gegen 12:30 Uhr ging es auf der Ludwigsluster Chaussee weiter. Ein 19-jähriger deutscher Schweriner verlor mit seinem VW Golf in Höhe Blumenbrink die Kontrolle über das Fahrzeug, kam nach rechts von der Fahrbahn ab und kollidierte mit einem am Straßenrand abgestellten BMW. Beide Fahrzeuge wurden so stark beschädigt, dass sie abgeschleppt werden mussten. Der Schaden wird von der Polizei auf rund 27.000 Euro geschätzt, der 19-Jährige wurde leicht verletzt.
Bei der Unfallaufnahme führten die Beamten einen Drogenschnelltest durch. Der reagierte positiv auf THC und Amphetamin. Blutprobe, Weiterfahrverbot und Strafverfahren folgten. Damit hatte die Polizei innerhalb von nur wenigen Stunden bereits Alkohol, mutmaßliche körperliche Fahruntüchtigkeit und nun auch gleich zwei nachgewiesene Substanzen im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen auf dem Tisch.
Und dann kommt der Mazda im Vorgarten
Eine Stunde später wurde es endgültig skurril. Gegen 13:30 Uhr meldete ein Hinweisgeber ein Fahrzeug, das offenbar über das Beet eines Vorgartens im Stadtteil Warnitz gefahren war. Die Polizei traf in unmittelbarer Nähe auf einen schwarzen Mazda. Im Fahrzeug saß ein 56-jähriger Mann – schlafend, bei laufendem Motor. Der Atemalkoholtest ergab 3,09 Promille. Der Mazda wies außerdem weitere Beschädigungen auf, die augenscheinlich von vorausgegangenen Verkehrsunfällen stammen könnten. Der Fahrer konnte sich nach eigenen Angaben nicht an die zuvor geschehenen Ereignisse erinnern.
Die Polizei ordnete eine Blutprobenentnahme an und stellte den Führerschein sicher. Gegen den Mann wird wegen des Verdachts der Trunkenheit im Verkehr ermittelt. Gleichzeitig prüfen die Beamten mögliche Unfallfluchten.
Und genau hier könnte die Geschichte noch weitergehen: Die Polizei sucht Personen, deren Fahrzeuge möglicherweise durch den schwarzen Mazda beschädigt wurden und die bislang keinen Kontakt zu den Beamten aufgenommen haben. Hinweise nimmt das Polizeihauptrevier Schwerin unter 0385 5180 2224 entgegen.
Ein Montag, der es in sich hatte
Vier Verkehrsfälle innerhalb weniger Stunden. Eine schwer verletzte Fußgängerin, zwei 69-Jährige mit erheblichen Auffälligkeiten, ein 19-Jähriger mit positivem THC- und Amphetamintest und schließlich ein 56-Jähriger mit 3,09 Promille im laufenden Mazda.
Man könnte über den Vorgarten, den schlafenden Fahrer und den ziemlich ungewöhnlichen Besuch auf dem Polizeirevier schmunzeln. Wirklich lustig ist die Sache allerdings nicht. Denn spätestens bei der schwer verletzten Fußgängerin endet jeder Spaß. Was dieser Montag sehr deutlich zeigt: Zwischen einem kuriosen Polizeieinsatz und einem schweren Verkehrsunfall liegt manchmal nur ein kurzer Moment – und ein Fahrer, der eigentlich längst nicht mehr hinter das Steuer gehört.
Für alle genannten Personen gilt: Bei den von der Polizei genannten Personen handelt es sich um deutsche Staatsangehörige. Die Polizei ermittelt zunächst wegen entsprechender Verdachtsmomente. Eine strafrechtliche Schuld ist damit nicht festgestellt. Die original Polizeimeldung kann hier gelesen werden.
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