(stm/red)
Man reibt sich verwundert die Augen, wenn man derzeit den Blick in den Briefkasten oder auf städtische Rechnungen wirft. Während die Weltkrise im Nahen Osten und der Iran-Krieg für Schlagzeilen sorgen, schlagen die globalen Krisenherde mittlerweile ganz konkret im heimischen Portemonnaie auf – und zwar ausgerechnet auf der Müllrechnung. Wie eine offizielle Anfrage der AfD-Fraktion an die Stadtverwaltung zutage förderte, berechnet die Schweriner Abfallentsorgungs- und Straßenreinigungsgesellschaft mbH (SAS) ihren Kunden klammheimlich einen sogenannten „Krisenzuschlag Nahost“.
1,79 Euro brutto extra – pro Tonne und Behälter
Dass es im Alltagsgeschäft teurer wird, ist man gewohnt. Doch die Begründung sorgt für Kopfschütteln. Auf einer Rechnung aus dem Mai 2026, die der Redaktion vorliegt, taucht der Posten ganz offiziell neben der normalen Behälterleerung, Maut- und Energiekostenzuschlägen sowie der Servicepauschale auf: 1,50 Euro netto (1,79 Euro brutto) werden hier pro Stück extra fällig.
Auf Nachfrage der Fraktion musste Oberbürgermeister Sebastian Ehlers (CDU) die Karten auf den Tisch legen und bestätigte: Die SAS erhebt diesen Zuschlag bereits seit dem 1. April 2026.
Verwaltung bestätigt: Es liegt am Iran-Krieg
Was hat die Müllabholung in Schwerin mit dem Nahen Osten zu tun? Die offizielle Antwort der Rathausspitze liest sich wie Realsatire, ist aber bitterer Ernst: Der Zuschlag diene „zur teilweisen Kompensation der infolge des Iran-Krieges gestiegenen Transportkosten bei der Sammlung und Verwertung der Stoffströme“. Konkret gehe es darum, die gestiegenen Dieselbeschaffungskosten abzufedern.
Besonders pikant für Haushalte und Gewerbetreibende mit mehreren Tonnen: Der Zuschlag ist eine variable Extra-Gebühr. Er erhöht sich starr analog zur Anzahl der georderten Behälter, da das Handling je Tonnenbewegung zu Buche schlägt. Wer also mehrere Abfallgroßbehälter auf dem Hof stehen hat, zahlt den Nahost-Krisenzuschlag mehrfach.
Einziger Trost: Es soll ein Provisorium sein
Immerhin: Laut Auskunft der Verwaltung handelt es sich um eine „überschlägige Berechnung“ und eine temporäre Maßnahme. Sobald das alte Dieselpreis-niveau im Monatsvergleich wieder „dauerhaft erreicht“ wird, wolle man den Zuschlag wieder streichen.
Bleibt die Frage, ob sich andere kommunale Unternehmen in der Landeshauptstadt ebenfalls von der Nahost-Krise inspirieren lassen. Hier gibt es Entwarnung: Nach Kenntnis der Stadtverwaltung ist die SAS stadtweit das einzige kommunale Unternehmen, das einen solchen Sonderzuschlag verlangt. In der profanen Logistik- und Recyclingbranche außerhalb des Rathauses seien treibstoffbezogene Extrakosten in diesen Zeiten zwar „etabliert“ – dass der Bürger sie nun aber explizit unter dem Label eines weltpolitischen Krieges auf der Müllmarke Schwarz auf Weiß liest, dürfte in Schwerin für reichlich Gesprächsstoff sorgen.
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