Drachenbootfestival vor dem Aus? Schweriner Stadtvertretung soll jetzt um die Zukunft des Pfaffenteich-Spektakels ringen

(stm/red)

Breites politisches Signal für das Drachenbootfestival: Gleich zwei Anträge fordern die Stadt auf, sich für eine Fortführung des traditionsreichen Großevents am Pfaffenteich einzusetzen. Doch während fünf Fraktionen vor allem einen politischen Neustart anschieben wollen, verlangt die AfD konkret ein Konzept für Finanzierung, Sicherheit und Organisation.

Das Schweriner Drachenbootfestival soll nicht einfach verschwinden. Darüber herrscht offenbar ungewöhnlich breite Einigkeit in der Stadtvertretung. Für die kommende Beratung liegen inzwischen zwei Anträge vor, die sich mit der Zukunft des traditionsreichen Festivals am Pfaffenteich beschäftigen. Die CDU, SPD, Unabhängigen Bürger/FDP, Linke sowie Bündnis 90/Die Grünen/Die PARTEI haben einen gemeinsamen Antrag eingebracht. Die AfD-Fraktion legt einen eigenen Prüfantrag vor. Beide Vorlagen haben dasselbe grundsätzliche Ziel: Das Drachenbootfestival soll auch künftig in Schwerin stattfinden.

Fünf Fraktionen wollen den Oberbürgermeister losschicken

Der mehrfraktionelle Antrag politisch ein deutliches Bekenntnis zum Festival. Die Stadtvertretung soll sich ausdrücklich zum „langfristigen Erhalt“ des Drachenbootfestivals bekennen. Der Oberbürgermeister soll anschließend aktiv Gespräche mit der Kanurenngemeinschaft Schwerin, möglichen neuen Organisatoren, Sponsoren und Partnern führen. Ziel ist eine strukturelle und organisatorische Neuaufstellung des Festivals. Außerdem soll die Verwaltung prüfen, welche logistischen und organisatorischen Hilfen die Stadt leisten kann, um den Fortbestand abzusichern.

Spätestens in der ersten Sitzung der Stadtvertretung im Jahr 2027 soll der Oberbürgermeister über den Stand der Gespräche und erste Lösungsansätze berichten.

Hintergrund ist die angekündigte Pause 2027

Die Antragsteller verweisen auf die mittlerweile 33-jährige Geschichte des Schweriner Drachenbootfestivals. Das Event habe sich zum zweitgrößten Drachenbootfestival Deutschlands entwickelt und ziehe jedes Jahr tausende Zuschauer, hunderte Sportler sowie Teams aus dem In- und Ausland an. Damit sei das Festival nicht nur eine Sportveranstaltung. Auch Tourismus, Gastronomie und die Außenwirkung Schwerins profitierten davon.

Entscheidend ist dabei die für 2027 angekündigte Pause. Die fünf Fraktionen sehen darin ein akutes Risiko, dass aus einer Pause irgendwann ein endgültiges Aus werden könnte. Das Festival müsse deshalb jetzt neu aufgestellt werden, heißt es in der Begründung. Der Oberbürgermeister solle dabei als Moderator zwischen Wirtschaft, Sport und Zivilgesellschaft auftreten.

AfD fordert konkreter Finanzierung und Sicherheitskonzept

Auch die AfD-Fraktion will das Festival retten. Der Oberbürgermeister soll gemeinsam mit der Kanurenngemeinschaft Möglichkeiten der Finanzierung und weiterer Unterstützung prüfen. Genannt werden ausdrücklich die Bereiche Sicherheit und Organisation. Gemeinsam soll daraus ein Konzept für die Fortführung des Festivals entstehen. Über die Ergebnisse soll die Stadtvertretung fortlaufend informiert werden.

Die AfD verweist dabei auf eine Antwort der Verwaltung auf eine eigene Anfrage aus dem April 2026. Darin hatte die Stadt das Drachenbootfestival selbst als Sportgroßveranstaltung mit besonderer regionaler und überregionaler Bedeutung bezeichnet. Demnach besitzt das Festival eine erhebliche Außenwirkung, zieht zahlreiche Teilnehmer und Besucher an und ist gleichzeitig mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden.

Stadt erkennt Festival bereits als förderfähig an

Besonders interessant ist ein weiterer Punkt aus der Verwaltungsantwort, auf den die AfD in ihrem Antrag verweist. Mit einem Beschluss der Stadtvertretung aus dem Jahr 2018 wurde der Oberbürgermeister beauftragt, Sportgroßveranstaltungen durch Zuschüsse zu fördern. Das Drachenbootfestival ist laut Verwaltung ausdrücklich in der entsprechenden internen Richtlinie als förderfähige Veranstaltung aufgeführt.

Die AfD argumentiert allerdings, dass die bisherigen Rahmenbedingungen angesichts gestiegener Anforderungen – insbesondere bei den Sicherheitsmaßnahmen – nicht mehr ausreichen könnten. Genau hier liegt einer der entscheidenden Punkte für die Zukunft des Festivals: Nicht nur die Organisation, sondern offenbar auch die Kosten für die Durchführung sind zu einem Problem geworden.

Zwei Anträge, ein Ziel

Politisch bemerkenswert ist deshalb weniger, dass über das Drachenbootfestival gestritten wird – sondern dass sich quer durch die Stadtvertretung Unterstützung für dessen Erhalt abzeichnet. Der gemeinsame Antrag von CDU, SPD, Unabhängigen Bürgern/FDP, Linken und Grünen/Die PARTEI setzt zunächst auf politische Unterstützung, Gespräche und eine Neuaufstellung. Die AfD will stärker auf die konkrete Frage hinaus, wie das Festival finanziert und organisatorisch abgesichert werden kann. Am Ende laufen beide Anträge jedoch auf dieselbe Frage hinaus: Wie bekommt Schwerin das „Wasserstadion Pfaffenteich“ wieder dauerhaft an den Start? Denn wenn 2027 tatsächlich eine Pause eingelegt wird, könnte die kommende politische Debatte mehr sein als eine gewöhnliche Unterstützungserklärung für ein Stadtfest. Sie könnte darüber entscheiden, ob nach 33 Jahren tatsächlich nur ein Jahr ausgesetzt wird – oder ob das Drachenbootfestival langsam Geschichte wird.


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