(stm/red)
Sachsen-Anhalt hat gewählt – und die AfD fährt ein Ergebnis ein, das auch in Mecklenburg-Vorpommern für Aufmerksamkeit sorgen dürfte. Nach der ersten Prognose kommt die Partei auf 44,5 Prozent und liegt damit weit vor der CDU mit 18,5 Prozent. Zwei Wochen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern stellt sich damit die Frage, ob die AfD diesen Rückenwind mit in den Norden nimmt – oder ob die SPD ihre Aufholjagd fortsetzen kann.
AfD in Sachsen Anhalt mit 44,5 Prozent, in MV deutlich schwächer
Die erste Prognose zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sieht die AfD klar vorne. 44,5 Prozent entfallen auf die Partei, die CDU kommt auf 18,5 Prozent. Dahinter liegen Linke mit 9,4 Prozent, Grüne mit 8,9 Prozent und die SPD mit lediglich 8,2 Prozent. Das BSW erreicht 5 Prozent, FDP und Freie Wähler bleiben mit 2,1 beziehungsweise 0,9 Prozent deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde. Für die AfD ist das ein Ergebnis mit Signalwirkung. Sie liegt mehr als 26 Prozentpunkte vor der CDU und kann damit zwei Wochen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern auf einen Wahlerfolg verweisen, der deutlich über dem liegt, was in vielen Umfragen vorhergesagt worden war. Allerdings handelt es sich zunächst um eine Prognose. Die Zahlen beruhen auf Befragungen von repräsentativ ausgewählten Wählerinnen und Wählern nach dem Verlassen des Wahllokals. Die Briefwahl ist dabei noch nicht vollständig berücksichtigt. Im Laufe des Abends werden die Hochrechnungen genauer, weil zunehmend tatsächlich ausgezählte Stimmen aus den Wahlkreisen einfließen. Das vorläufige amtliche Ergebnis steht erst nach Abschluss der Auszählung fest.
Für MV ist die Lage eine andere
Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt – und hier ist das Rennen deutlich enger. Der aktuelle Mecklenburg-VorpommernTREND von Infratest dimap sieht die AfD bei 35 Prozent und die SPD inzwischen bei 32 Prozent. Nur drei Prozentpunkte trennen die beiden Parteien. Noch vor einem Jahr lag die SPD bei gerade einmal 19 Prozent. Innerhalb eines Jahres haben die Sozialdemokraten damit 13 Prozentpunkte zugelegt. Allein gegenüber der vorherigen Umfrage konnte die SPD noch einmal drei Punkte gewinnen, während die AfD einen Punkt verlor. Aus einem zunächst deutlichen Vorsprung der AfD ist damit ein enges Rennen geworden. Genau das macht das Ergebnis aus Sachsen-Anhalt für Mecklenburg-Vorpommern so interessant. Die AfD bekommt mit den 44,5 Prozent zweifellos Rückenwind und kann das Ergebnis im eigenen Wahlkampf als Beleg dafür nutzen, dass ein Ergebnis von mehr als 40 Prozent im Osten möglich ist. Gleichzeitig kann die SPD auf ihre eigene Entwicklung verweisen: In MV ist die AfD derzeit zwar stärkste Kraft, aber die Sozialdemokraten sind nur drei Punkte entfernt.
Schwesig setzt auf den Amtsbonus und Aufholjagd
Für Manuela Schwesig und die SPD ist das Rennen damit noch lange nicht verloren. Die Ministerpräsidentin verfügt weiterhin über einen deutlichen persönlichen Amtsbonus. Laut aktuellem MV-Trend wünschen sich 56 Prozent der Befragten eine Fortsetzung einer SPD-geführten Landesregierung. Nur 31 Prozent sprechen sich für einen Regierungswechsel zugunsten einer AfD-geführten Regierung aus. Das ist für die SPD eine wichtige Ausgangslage. Denn selbst wenn die AfD am 20. September stärkste Partei werden sollte, bedeutet das nicht automatisch, dass eine Mehrheit der Menschen eine AfD-geführte Landesregierung will. Die kommenden zwei Wochen dürften deshalb vor allem ein Mobilisierungswahlkampf werden.
CDU verliert weiter
Während AfD und SPD um Platz eins kämpfen, gerät die CDU in Mecklenburg-Vorpommern immer stärker unter Druck. Im aktuellen MV-Trend kommt sie nur noch auf 8 Prozent. Die Linke liegt bei 11 Prozent, die Grünen bei 5 Prozent und das BSW bei 4 Prozent. Damit könnte die Zusammensetzung des nächsten Landtages erheblich anders aussehen als bisher. Für die Regierungsbildung wird deshalb nicht nur entscheidend sein, wer am Ende vorne liegt. Ebenso wichtig wird sein, welche Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überspringen und welche Mehrheiten dadurch überhaupt möglich werden.
Sachsen-Anhalt macht den MV-Wahlkampf spannender
Das Ergebnis aus Sachsen-Anhalt ist deshalb für Mecklenburg-Vorpommern vor allem eines: ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor. Die AfD kann mit 44,5 Prozent einen gewaltigen Wahlerfolg vorweisen. Die SPD kann gleichzeitig darauf verweisen, dass sie in MV innerhalb eines Jahres von 19 auf 32 Prozent gestiegen ist und nur noch drei Punkte hinter der AfD liegt. Beides stimmt gleichzeitig. Sachsen-Anhalt zeigt, wie stark die AfD bei einer Landtagswahl werden kann. Mecklenburg-Vorpommern zeigt dagegen, dass die Partei trotz ihrer Führung noch längst nicht uneinholbar ist.
Noch 14 Tage bleiben. Ob die AfD den Schwung aus Sachsen-Anhalt mitnimmt oder ob die SPD ihre Aufholjagd tatsächlich bis zum Wahltag fortsetzen kann, entscheidet sich am 20. September. Dann wird sich zeigen, ob Mecklenburg-Vorpommern dem Beispiel Sachsen-Anhalt folgt – oder ob Schwesig und die SPD das Rennen tatsächlich noch drehen können.
















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