„Nur die Mitte ist sicher“ – Ruft die CDU auf ihren Wahlplakaten zum Fahren auf der falschen Spur auf?

(stm/ gefährliche Realsatire)

„Nur die Mitte ist sicher.“ Mit diesem Slogan zieht die CDU Mecklenburg-Vorpommern derzeit durch den Landtagswahlkampf. Dazu ein Bild: eine Straße beziehungsweise eine Allee, die ziemlich genau in die Mitte des Motivs führt. Politisch ist natürlich die politische Mitte gemeint. Schon klar. Nur hat die CDU offenbar vergessen, dass ihr Plakat nicht in einem Seminarraum für politische Bildung hängt, sondern an Straßen, an denen Menschen tatsächlich unterwegs sind.

Und genau da wird es interessant. Denn wer an einem solchen Plakat vorbeifährt, hat keine zehn Minuten Zeit, um sich Gedanken über die Feinheiten des CDU-Parteiprogramms zu machen. Da bleiben Bild und ein paar große Wörter hängen. Eine Straße. Die Mitte. Sicher. „Nur die Mitte ist sicher.“ Das ist mindestens eine ziemlich unglückliche Kombination – und tatsächlich bedenklich.

Denn gerade ältere Menschen oder Verkehrsteilnehmer, die ein Plakat nur im Vorbeifahren wahrnehmen, müssen nicht zwangsläufig die politische Botschaft dahinter erkennen. Vielleicht sehen sie schlicht eine Straße und lesen darüber, dass die Mitte sicher sei. Und das ist nun einmal eine ziemlich fragwürdige Botschaft, wenn das Ding direkt am Straßenrand steht.

Besonders passend kommt der Spruch derzeit angesichts dessen daher, was sich auf unseren Straßen tatsächlich abspielt. In Schwerin-Krebsförden krachte erst vor wenigen Tagen ein 78-Jähriger frontal mit einem anderen Fahrzeug zusammen. Er hatte trotz durchgezogener Linie zu einem Überholmanöver angesetzt und die Mitte der Straße benutzt. Zwei Menschen wurden verletzt, der Sachschaden lag bei rund 60.000 Euro.

Und während die CDU also verkündet, dass ausgerechnet die Mitte sicher sei, erklärt einem die Straßenverkehrsordnung seit Jahrzehnten etwas anderes: Fahrzeuge gehören grundsätzlich möglichst weit nach rechts. Die Mitte der Fahrbahn ist nämlich genau der Bereich, in dem einem im ungünstigsten Moment jemand entgegenkommt.

Man könnte deshalb fast meinen, die CDU habe mit ihrem Plakat eine neue Form der Verkehrspolitik erfunden. Raus aus dem rechten Fahrstreifen, rein in die sichere Mitte. Wenn schon politisch alles kompliziert ist, dann wenigstens beim Autofahren klare Verhältnisse. Natürlich ist kein Zusammenhang zwischen dem CDU-Plakat und dem Unfall in Krebsförden bekannt. Aber das macht die Gestaltung nicht weniger bescheuert. Im Gegenteil: Gerade weil das Motiv eine Straße zeigt, hätte man sich vor dem Druck vielleicht einmal fragen können, ob „Mitte“ und „sicher“ direkt über einem Verkehrsweg wirklich die brillanteste Kombination des Wahlkampfs sind.

Zumal die CDU damit ein Problem bekommt, das sie selbst geschaffen hat. Sie will eine politische Botschaft transportieren, benutzt dafür aber ein Motiv, das eine ganz andere Botschaft nahelegt. Die politische Mitte ist abstrakt. Die Straßenmitte ist ziemlich real. Und wenn man beides auf einem Plakat miteinander verheiratet, darf man sich nicht wundern, wenn jemand die Ehe für etwas unglücklich hält.

Vielleicht sollte die CDU beim nächsten Plakat einfach auf das Straßenmotiv verzichten. Oder den Slogan ergänzen: „Nur die politische Mitte ist sicher. Auf der Straße bitte rechts halten.“ Das wäre zwar weniger knackig, würde aber wenigstens verhindern, dass aus politischer Mitte versehentlich Verkehrserziehung wird. Denn eines sollte auch im Wahlkampf gelten: Wenn man schon großflächig Botschaften an Straßen aufhängt, sollte man sich vorher überlegen, was Menschen tatsächlich lesen – und nicht nur, was man selbst gerne damit gemeint hätte.

„Nur die Mitte ist sicher.“ Politisch mag die CDU das gerne glauben. Auf der Straße ist die Mitte vor allem eines: der Ort, an dem Gegenverkehr auftauchen kann.

Noch interessanter wird es allerdings bei einem Blick in die Straßenverkehrsordnung. § 33 StVO verbietet Werbung und Propaganda, wenn sie Verkehrsteilnehmer in einer den Verkehr gefährdenden oder erschwerenden Weise ablenken oder belästigen können. Ob ausgerechnet dieses Plakat diese Grenze überschreitet, müsste letztlich die zuständige Behörde beurteilen.

Aber die Frage darf man angesichts der Gestaltung durchaus stellen: Wenn eine Straße groß ins Bild gesetzt wird und darüber unübersehbar steht „Nur die Mitte ist sicher“ – ist das dann noch harmlose Wahlwerbung oder bereits eine verkehrlich zumindest fragwürdige Botschaft? Immerhin geht es hier nicht um irgendeinen abstrakten Hintergrund. Das Plakat steht dort, wo Menschen fahren, und richtet seine Botschaft damit zwangsläufig auch an Verkehrsteilnehmer.


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