(stm/red)
Schwerin hat offenbar ein neues dringendes Thema gefunden: Wie sollen die öffentlichen Mülleimer der Stadt künftig aussehen? Die Stadtvertretung hat sich am Montagabend mit einem Antrag der Fraktion Unabhängige Bürger/FDP beschäftigt, der ein Gestaltungskonzept für die öffentlichen Abfallbehälter fordert. Beschlossen wurde zunächst nichts. Der Antrag wurde zur weiteren Beratung in die Fachausschüsse verwiesen.
Damit ist der Weg frei für die große Mülleimer-Debatte.
Geplant ist nach dem Willen der Antragsteller unter anderem ein einheitliches und hochwertiges Design, kreative Motive, humorvolle oder motivierende Sprüche, Begrünungselemente und eine bessere Einbindung der Papierkörbe in das Stadtbild. Besonders die historische Altstadt, touristische Orte, Promenaden und stark frequentierte Plätze sollen dabei in den Blick genommen werden. Auch über Sponsoring und Werbekooperationen soll nachgedacht werden.
Das klingt hübsch. Nur gibt es in Schwerin ein kleines Problem: An manchen Stellen fehlt offenbar nicht das richtige Design des Mülleimers. Sondern der Mülleimer selbst. Und wo einer steht, ist die entscheidende Frage für Bürger und Besucher meistens auch nicht, ob darauf ein besonders origineller Spruch steht. Sondern ob er leer ist. Genau deshalb wirkt die Debatte ein wenig wie Schweriner Verwaltung mit Schleife drumherum: Statt zunächst das naheliegende Problem zu lösen, wird erst einmal ein Konzept für die schönere Version des Problems erstellt.
Die Verwaltung selbst empfiehlt die Ablehnung des Antrags. Der Antrag sei zwar zulässig. Allerdings handele es sich um eine freiwillige Aufgabe. Die Erstellung eines solchen Konzeptes mit vielen Beteiligten verursache einen hohen Verwaltungsaufwand. Die Kosten seien derzeit nicht belastbar einzuschätzen. Dazu kämen Baurecht, Werbesatzung und Denkmalschutz. Und Werbepartner seien aufgrund des bestehenden Stadtwerbevertrages ohnehin ausgeschlossen.
Das ist insofern bemerkenswert, weil der Antrag zunächst gar nicht verlangt, dass Schwerin sofort sämtliche Mülleimer austauscht. Gefordert wird ein Konzept. Also genau das Stück Papier, auf dem anschließend stehen könnte, was sinnvoll ist, was es kostet und was rechtlich überhaupt möglich ist.
Man könnte es auch einfacher sagen: Wenn die Stadt noch nicht weiß, was ein neues Mülleimer-Konzept kostet, wäre das vielleicht ein ziemlich guter Grund, es einmal zu erarbeiten.
Nun landet die Sache also in den Ausschüssen. Dort kann ausführlich darüber gesprochen werden, ob Papierkörbe humorvoll, motivierend oder vielleicht sogar welterbegerecht gestaltet werden sollen. Vielleicht findet sich dabei auch jemand, der die weniger glamouröse Frage stellt: Wo fehlen in Schwerin eigentlich Mülleimer – und warum werden die vorhandenen nicht immer rechtzeitig geleert?
Denn ein Papierkorb mit dem Aufdruck „Schwerin bleibt schön – mit deiner Hilfe“ wäre sicherlich nett. Noch schöner wäre allerdings, wenn Schwerin tatsächlich sauber bleibt. Und vielleicht braucht es dafür am Ende weniger Gestaltungskonzept als schlicht genügend Mülleimer, vernünftige Standorte und eine funktionierende Leerung.
Aber darüber kann man ja im nächsten Ausschuss sprechen.
















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