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AfD-Leak: Der Blick auf Schwerin – Stimmenkauf-Verdacht, Steuergeld-Affäre, Hakenkreuz-Flagge
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421.000 Mails liegen offen, die jüngste ist nur wenige Wochen alt – vom 12. September 2026, mitten im Landtagswahlkampf. Vergessene Alt-Konten, wie die AfD sagt? Kaum. Wie die Post des Landesverbands jahrelang an den falschen Stellen lag, hat schwerin.news im ersten Teil dieser Auswertung gezeigt (Teil 1: Das E-Mail-Chaos als Schwachstelle). Jetzt folgen die Fälle selbst – zehn, geordnet nach dem, was auf dem Spiel steht: Demokratie, Presse, öffentliches Geld.

Vier davon waren teils öffentlich bekannt, das Archiv bestätigt sie und ergänzt die Innensicht. Die übrigen stehen hier zum ersten Mal. Zur Methode: Grundlage sind die maschinellen Zusammenfassungen des Portals hexane.cc, nicht die Original-Mails. Wo Vorwürfe benannt werden, sind es Vorwürfe; laufende Verfahren bleiben laufende Verfahren. Unter jedem Fall steht der Beleg, auffindbar über Datum und Betreff.

Demokratie und Wahlen

2026: Hakenkreuz-Flagge im Kreisverband – die Partei braucht einen Eilantrag

Es ist April 2026, mitten im Wahljahr, als ein Kreisvorsitzender den Antragsschrift-Kopf bemüht: sofortige Suspendierung, Parteiausschluss, eilbedürftig. Der Vorwurf gegen das Mitglied war öffentlich erhoben worden – es soll eine Flagge mit Hakenkreuz und der Parole „Deutschland erwache“ gezeigt haben. Das Schreiben mit dem Vermerk der Eilmaßnahme liegt im Archiv. Bemerkenswert ist weniger der Fall als die Form: Eine Partei, die sich demokratisch nennt, muss ihren eigenen Kampf gegen offenen Extremismus per Eilantrag organisieren. Das Verfahren läuft, die Person wird hier nicht benannt.

Beleg im Archiv: Suche „Antragsschrift“.

2023/2024: Der Verbotsgruß-Fall aus Schwerin: erst abgelehnt, dann aufgenommen

Auf dem Altstadtfest, vor Publikum, soll ein Bewerber um die Mitgliedschaft im Kreisverband Schwerin den verbotenen Gruß gezeigt haben – so der Vorwurf. Der Landesvorstand lehnt ihn ab. Der Bewerber weist alles zurück und nennt Zeugen, eine begründete Entscheidung fordert er gleich mit. Sie bleibt aus. Im März 2024 dann die Bestätigung aus der Landesgeschäftsstelle: Der Kreisverband hat ihn gleichwohl wieder aufgenommen – obwohl es dafür nach den Regeln eines neuen Vorstandsbeschlusses bedurft hätte. Die Leitungsorgane des Landesverbands blockierten sich gegenseitig, und die Bühne dieses Stillstands ist die Landeshauptstadt.

Beleg im Archiv: Suche „Aufnahme KV Schwerin“.

2021: Stimmenkauf-Verdacht: zwölf Mitgliedsbeiträge, ein Bewerber, eine Anhörung

Im Februar 2021 landet beim Landesjustitiar ein schwerer Vorwurf: Ein Bewerber soll für mehr als zwölf Personen die Mitgliedsbeiträge bezahlt haben, um eine Aufstellung zu seinen Gunsten zu drehen. Der Justitiar fordert vom Unterstützer Belege, es folgt eine interne Anhörung – deren Stellungnahme er später nicht freigibt. Geld gegen Stimmen wäre kein Stilbruch, sondern ein Angriff auf das Geheimnis der Wahl. Der Fall beginnt intern und endet intern.

Beleg im Archiv: Suche „Anforderung von Unterlagen“.

2023: Die Partei verklagt ihren eigenen Kreisverband

Bekannt war: Die Aufstellungsversammlung für die Schweriner Kommunalwahlliste im November 2023 war umstritten, es folgte eine Klage – gegen den eigenen Landesverband. Die Mails zeigen nun, wie der Landesvorstand mit dem Kreisverband umging: Die Antwort auf die Beschwerde wurde intern unterschlagen, im Januar 2024 drängte man die Streitparteien zum Vergleich. Wer Wahllisten so behandelt, behandelt Wählerstimmen wie Aktenzeichen.

Beleg im Archiv: Suche „Streitparteien“.

2022 bis 2026: Vom Post gegen den NDR zum Ausschlussverfahren

Bekannt war: Toni Marten hatte 2022 den Schweinekopf-Post gegen einen NDR-Moderator verbreitet, die Partei distanzierte sich. Was die Mails zeigen, ist das Ende der Geschichte: Im Mai 2026 teilt der Landesvorstand formal mit, dass gegen Marten das Parteiausschlussverfahren läuft, die Mitgliedsrechte sofort entzogen sind, jede Unterstützung im Wahlkampf gestrichen. Das Landesschiedsgericht führt es als LSG MV 05/26. Vier Jahre Zuckerbrot, dann die Kehrtwende – dokumentiert im eigenen Postausgang.

Beleg im Archiv: Suche „Parteiordnungsmaßnahmen“.

Presse und öffentliche Debatte

2022 bis 2025: Der Marienplatz als Feindbild

Drei Pressemitteilungen, drei Jahre, ein Ort. 2022 nimmt der Landesverband eine Messerstecherei am Schweriner Marienplatz zum Anlass und behauptet – ohne jeden Beleg –, die Tat sei vertuscht worden. 2023 erklärt MdL Nikolaus Kramer den Platz kurzerhand zur No-Go-Area. 2025 billigt Landeschef Leif-Erik Holm eine Antwort, die den Platz zum gefährlichsten Ort der Stadt erklärt. Was die Mails zeigen, ist die Herstellung: die internen Freigaben, die Abstimmungen, die Zielrichtung. Hetze war hier keine Entgleisung, sondern geplante Öffentlichkeitsarbeit mit Redaktionsplan.

Beleg im Archiv: Suche „Marienplatz“.

Öffentliche Gelder und Wahlkampffinanzierung

2020: Der Veruntreuungsfall Giese – und sechs Jahre Aktenlage

Bekannt war: Gegen einen früheren Fraktionschef des Landesverbands lief ein Verfahren über rund 9.996 Euro Veruntreuung gegenüber einem Kreisverband, dokumentiert in öffentlichen Kreistagsdrucksachen. Die Mails zeigen: Die Landesgeschäftsstelle und der Vorstand haben den Fall bis ins Wahljahr 2026 hinein weiterverfolgt – Zahlungen, Anwälte, Anhörungen liefen durch ihre Verteiler. Sechs Jahre Aufarbeitung, und der Landesverband übernimmt trotzdem keine Aufsicht über seine Kassen.

Beleg im Archiv: Suche „Giese“.

2024: 10.270 Euro Wahlkampf-Spenden landen bei Privatpersonen

Im Mai 2024 hält ein Buchhaltungs-Thread fest, was nicht passieren darf: Spenden für den Kommunalwahlkampf des Landesverbands sind an Privatpersonen umgeleitet worden. Die Summe: 10.270 Euro. Parteispenden haben in Deutschland genau einen erlaubten Weg – über das Konto der Partei, dokumentiert und abgerechnet. Wer sie an Privatleute umleitet, umgeht die Publizitätspflichten, die jede Partei ans Steuerrecht binden. Das ist kein Kassensturz, das ist ein Kontrollverlust.

Beleg im Archiv: Suche „Buchhaltung“.

2026: Gutscheine für alle, Bonus fürs Sammeln – ohne Beschlussnummer

April 2026: Die Landesgeschäftsstelle verschickt an alle Direktkandidaten Geschenkkarten über je 3.000 Euro für den Werbemittel-Shop – inklusive deren Privatadressen, ohne Belegverfahren. Juli 2026: Eine Mail dokumentiert das Bonus-Schema – 3.000 Euro Gutschein plus 1.000 Euro extra für jeden, der selbst 1.000 Euro Spenden einwirbt. Genehmigt ohne Beschlussnummer. Und im Mai ließ sich eine Fahnen-Rechnung über 3.907,50 Euro nur noch per Telegram-Beschluss belegen. Wahlkampfgeld nach Gutdünken statt nach Satzung.

Beleg im Archiv: Suche „Gutschein“.

2025: Das Abgeordnetenbüro ohne Mietvertrag

Im September 2025 fragt der Landesschatzmeister nach, wie ein Büro eines Abgeordneten in der Kreisgeschäftsstelle finanziert wird. Eine Antwort mit Zahlen ist im Archiv nicht dokumentiert – belegt sind die Zahlungen über die Wahlkreispauschale, ohne Mietvertrag, ohne Vorstandsbeschluss, an einen Dritten. Öffentliche Gelder ohne Papiere – Rechnungshöfe nennen so etwas einen Prüfungsvermerk.

Beleg im Archiv: Suche „Hagenow“.

Zehn Fälle, ein Muster: Geld ohne Kontrolle, Wahlen ohne Ordnung, Extremismus als Verwaltungsakt. Diese Auswertung ist nicht abgeschlossen – der MV-Bestand des Archivs umfasst rund 4.450 Mails allein im Postfach des Landeschefs.

Auch berichtet bei: Ostsee-Zeitung und Nordkurier.

Quellen: hexane.cc (Index und maschinelle Zusammenfassungen, abgerufen am 20./21. Oktober 2026), dpa (via Nordkurier), Ostsee-Zeitung.

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(red)

Bild oben: Symbolgrafik, mit künstlicher Intelligenz generiert (schwerin.news). Darstellung eines Datenlecks, kein realer Vorgang.

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