Kommentar: Wer Diskriminierung erlebt, will nur ablenken – der makellose NVS in Schwerin.

(stm/Kommentar) Eine Antwort des Oberbürgermeisters wirft Fragen auf – und legt offen, wie wenig Sensibilität für strukturelle Diskriminierung im Nahverkehr Schwerin vorhanden ist. Rassismus oder andere Diskriminierung gäbe es nicht, und wenn dann doch gemeldet wird, dass es diskriminierendes Verhalten der Kontrolleure gab, dann sei es oft nur ein Versuch der jeweiligen Fahrgäste, von eigenen Verstößen gegen die Beförderungsbedingungen abzulenken. Sowieso sei der NVS nahezu makellos und fehlerfrei. So geht es zumindest aus der Beantwortung hervor.

Anita Gröger, ehemalige Stadtvertreterin, hat sich mit einer Reihe sehr klar formulierter Fragen zum Thema Diskriminierung im öffentlichen Nahverkehr an den Oberbürgermeister gewandt. Anlass: Mehrere Menschen hatten sich bei ihr gemeldet, weil sie sich durch das Kontrollpersonal des NVS rassistisch diskriminiert fühlten. Die Stadt hat geantwortet – doch die Antwort liest sich streckenweise wie aus einem Handbuch für Täter-Opfer-Umkehr.

Wer Diskriminierung meldet – will nur von Fehlern ablenken?

So heißt es etwa, dass Beschwerden über rassistisches Verhalten lediglich dazu dienten, „von einem eigenen Verstoß gegen die Beförderungsbedingungen abzulenken“. Wer sich also über Diskriminierung beschwert, steht unter Verdacht, die Rassismuskeule zu schwingen, um sich aus der Affäre zu ziehen?

Ein absurder Vorwurf – und ein fatales Signal. Denn anstatt sich hinter Betroffene zu stellen, wird suggeriert, dass die wahren Probleme nicht bei den Kontrolleuren, sondern bei den „auffälligen“ Gästen liegen.

Nur Profis am Werk – alles schick beim NVS?

Natürlich: Niemand bestreitet, dass es auch unbegründete Beschwerden geben kann. Aber wer Rassismus- oder Diskriminierungsvorwürfe auf diese Weise pauschal relativiert, verkennt die Realität, in der viele Menschen mit Migrationsgeschichte, Behinderungen oder anderen als nicht der Norm entsprechenden Lebensweisen leben – auch in Schwerin. Ein diskriminierungsfreier Umgang im öffentlichen Raum sollte nicht nur irgendwo im Leitbild stehen, sondern gelebter Alltag sein. Und derartige Beschwerden in der von Oberbürgermeister vorgelegten Form abzutun – wirkt unglaubwürdig.

Schulungen und interne Prüfungen?

Die Stadt verweist in ihrer Antwort zwar auf Schulungen, interne Prüfungen und den Einsatz für einen respektvollen Nahverkehr. Doch genau diese gute Absicht wird mit dem unterschwelligen Vorwurf an Beschwerdeführende konterkariert. Kürzlich hat der Autor dieses Beitrages einen Kontrolleur gefragt, was für regelmäßige Schulungen es denn gibt – die hoch vom Oberbürgermeister angepriesenen sind es anscheinend nicht.

Diskriminierung passiert – oder nicht?

Wenn Diskriminierung passiert – und sie passiert, der Autor des Beitrages konnte das schon das eine oder andere Mal feststellen, wenn Menschen mit Beeinträchtigungen kommunikative Probleme hatten oder „ausländisch“ aussehende Fahrgäste von vornherein in einem gebrochenen „du hast Fahrkarte? do you have a passport“ Englisch angesprochen werden, obwohl sie fließend Deutsch verstehen, oder Jugendliche pauschal wie verhaltensauffällige Teenies behandelt werden, oder ältere Menschen automatisch wie senile Greise behandelt werden – dann braucht es vor allem eines: Offenheit, Selbstreflexion und ein aktives Zuhören der politischen Verantwortlichen.

Da wirkt der Satz: „Die Fahrkartenprüfer erhalten daher regelmäßige Schulungen in den Bereichen Deeskalation, interkulturelle Kompetenz und diskriminierungsfreie Kommunikation. Wir sind uns der gesellschaftlichen Sensibilität dieses Themas bewusst und legen großen Wert darauf, dass die Kontrollen fair, professionell und ohne Ansehen der Person durchgeführt werden.“ schon etwas abseits der Realität.

Reflexion wäre angebracht – und nicht gleich ein Reflex, sich und das System reinzuwaschen. Sonst geht das Vertrauen in Bus und Bahn schneller verloren als ein entwertetes Ticket.

Hier kann die Anfrage, sowie die Antwort des Oberbürgermeisster eingesehen und heruntergeladen werden:


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23 Antworten zu „Kommentar: Wer Diskriminierung erlebt, will nur ablenken – der makellose NVS in Schwerin.“

  1. Avatar von Redaktion

    Es gibt Betroffene. Und die sind bekannt – zumindest der Redaktion. Dass Sie sich anmaßen, die Angaben von Menschen, die eben genau jene Erfahrungen gemacht haben in Abrede zu stellen ist schon ein Ding.

  2. Avatar von
    Anonymous

    Es ist unbestritten, dass Diskriminierung vorkommen kann. Wie überall im öffentlichen Raum. Doch genau darum geht es: Zwischen dem berechtigten Hinweis auf Einzelfälle und der Darstellung eines systematischen Problems liegt ein Unterschied! Die Antwort des OB stellt nicht in Abrede, dass es Vorfälle geben kann, sondern weist darauf hin, dass diese nicht die Regel sind und teilweise auch instrumentalisierte Beschwerden vorkommen.Wer daraus ableitet, die Stadt wolle Diskriminierung grundsätzlich leugnen, liest die Antwort selektiv. Es wäre unseriös auf Basis einzelner Meldungen ein strukturelles Fehlverhalten zu unterstellen.Vor allem ohne Belege. Und es ist ebenso legitim wie notwendig, in der öffentlichen Kommunikation deutlich zu machen, dass Beschwerden auch geprüft werden müssen, bevor man sie als Wahrheit hinnimmt.Worum es gehen sollte: Fehlverhalten klar benennen, ohne in Generalverdacht oder populistischer Empörung zu verfallen. Denn auch das gefährdet am Ende das Vertrauen und zwar auf beiden Seiten

  3. Avatar von
    Anonymous

    Bin begeistert wie in typischer woker Manier der Rassismus bein NVS herbei geredet werden soll. Es gibt keine Opfer und auch keine Täter höchstens „Zeugen“ vom höhrensagen. Böswillige Behauptungen und keine Beweise. Ich würde Strafanzeige wegen übler Nachrede gem. § 186 StGB sowie aller damit im Zusammenhang stehenden Vergehen gegen den Verfasser des Artikels stellen.

  4. Avatar von
    Anonymous

    Falsch. Hinter der anderen Perspektive stecken ebenfalls Menschen und kein Text. Aber das scheint Sie weniger zu interessieren.

  5. Avatar von Redaktion

    Der Punkt ist ja, dass die Antwort des Oberbürgermeisters suggeriert, dass es derartige Vorkommnisse nicht gibt. Und das trifft nicht zu.

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