Pfaffenteich-Treppe voller Kot – wann wird das Taubenproblem endlich ernst genommen?

(fab)

Wer in diesen Tagen am Pfaffenteich entlangspaziert, braucht kein besonderes Auge, um ein wachsendes Problem zu erkennen: Die Treppe am Südufer ist großflächig mit Taubenkot bedeckt – eine Zumutung für alle, die dort verweilen wollen. Wer sich trotzdem setzt, steht meist mit verschmutzter Kleidung wieder auf. Es ist kein Einzelfall, sondern ein Dauerzustand – und ein deutlich sichtbares Zeichen für ein hausgemachtes Stadttaubenproblem, das sich längst nicht mehr ignorieren lässt.

Stadt hat kein Konzept

Dabei wird durchaus gereinigt. Das geht aus einer aktuellen Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage des Stadtvertreters der ask hervor. Demnach wird die gesamte Südufertreppe einmal im Frühjahr grundlegend mit Hochdruck gesäubert. Während der Hauptsaison von April bis Oktober erfolgt die Reinigung wöchentlich, insgesamt kommt man auf rund 25 Einsätze pro Jahr – ganz ohne Chemie, dafür mit Hochdruck, Besen, Schaufel und heißem Wasser. Doch trotz dieser regelmäßigen Bemühungen ist der Erfolg bescheiden. Schon nach wenigen Tagen ist die Treppe erneut verschmutzt, und das Problem kehrt zurück. Statt durch ein Kozept der Ursache auf den Grund zu gehen, gibt sich die Stadt mit der kostspieligen Beseitigung von Symptomen zu frieden.

Überpopulation lässt sich nicht durch Fütterungsverbot bekämpfen

Dass es sich dabei nicht um eine normale Taubenpopulation handelt, ist offensichtlich. Rund um den Pfaffenteich leben nach Schätzungen mittlerweile deutlich über 250 Stadttauben – deutlich mehr als ein innerstädtischer Bereich auf natürliche Weise tragen könnte. Diese Tiere vermehren sich bis zu achtmal im Jahr, unabhängig davon, ob sie genügend Futter finden. Und je weniger sie bekommen, desto aggressiver werden sie – nicht nur im Verhalten, sondern auch im Stoffwechsel. Bleibt die Nahrung aus oder ist sie nicht artgerecht, wird der Kot deutlich säurehaltiger. Für Gebäude, Denkmäler und Straßenbeläge bedeutet das: mehr Korrosion, mehr Aufwand, mehr Kosten. Die Stadtreinigung kämpft gegen einen Effekt, der durch das Fehlen einer systematischen Strategie überhaupt erst entstanden ist.

Die zunehmende Präsenz der Tauben in der Innenstadt ist für viele Menschen inzwischen ein echtes Ärgernis. Die Tiere lauern auf herabfallende Krümel, sammeln sich unter den Tischen von Bäckereien, Restaurants und Cafés, ringen um jedes Stück Brot – und sind dabei oft aufdringlich. Was als „Verschmutzung“ erscheint, ist längst ein Resultat menschlicher Verdrängungspolitik ohne Plan. Jahrzehntelang wurde weggeschaut, wenn es um die urbane Taubenpopulation ging.

Fütterungsverbot ist unsinn

Die Einführung eines Fütterungsverbots, wie es die Stadt jetzt in der neuen Grünflächenverordnung plant, mag auf den ersten Blick notwendig wirken, löst das Problem aber nicht – es verschiebt es lediglich. Schlimmer noch: Es ist nicht nur tierschutzwidrig, sondern fördert auch die negativen Begleiterscheinungen wie aggressiven Kot und die Ausbreitung der Tiere in belebte Bereiche der Stadt.

Foto: Dr. Aileen Wosniak

Ein nachhaltiges Stadttauben-Konzept wird benötigt

Ein nachhaltiger Umgang mit dem Thema wäre möglich – und er ist längst erprobt. In vielen Städten, wie beispielsweise in Augsburg wurden mit großem Erfolg betreute Taubenschläge eingerichtet. In Schwerin gibt es so etwas noch nicht. In einem Taubenschlag könnten die Tiere gezielt gefüttert und medizinisch betreut werden. Vor allem aber ließen sich Eier durch Attrappen austauschen und die unkontrollierte Vermehrung stoppen. Das würde nicht nur den Tierschutz stärken, sondern auch die Belastung der Innenstadt langfristig reduzieren – ganz ohne kostspielige Dauerreinigung oder symbolische Verbote.

Ein solcher Schlag wäre ein kleiner, aber entscheidender Schritt hin zu einem besseren städtischen Miteinander zwischen Mensch und Tier. Es ist Zeit, das Problem nicht länger wegzuwischen – sondern es ernsthaft zu lösen.


http://www.schwerin.news wird in den nächsten Tagen ein Interview führen und veröffentlichen. In diesem wird eine Schwerinerin zu Wort kommen, die sich sehr ausführlich mit der Thematik Stadttauben beschäftigt hat. Wer das Interview sowie weitere Beiträge von http://www.schwerin.news nicht verpassen will, kann uns gerne kostenfrei abonnieren:

Hier kann die Anfrage, nebst Antwort eingesehen werden:


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9 Antworten zu „Pfaffenteich-Treppe voller Kot – wann wird das Taubenproblem endlich ernst genommen?“

  1. Avatar von
    Anonymous

    Damals war Tierschützer ein Ausbildungsberuf mit Abschlussprüfung. Heute nennt man sich selbst z.B. Umweltaktivist, Jungantifaschist, Tierrechtler, Demokrat und Expert*in. Verrückte Zeit.

  2. Avatar von
    Anonymous

    Wieder mal ein vom Menschen gemachtes Problem. Einige wenige meinen die Tauben dort säckeweise mit Futter zu versorgen. Seitdem nimmt der Bestand immer weiter zu. Und genau diese Leute sind es dann auch die dafür auch noch Steuergelder verlangen. Taubenfüttern sollte strikt verboten werden und das Problem löst sich auf ganz natürliche Weise. Unglaublich was sich heute alles Tierschützer schimpfen darf.

  3. Avatar von
    Anonymous

    Ja, in Schwerin gibt es Förderprogramme, die sich auf Wildtiere und Populationsüberwachung beziehen. Diese Programme sind jedoch meist auf bestimmte Arten oder Schutzmaßnahmen fokussiert und meines Erachtens nicht auf das Stadttaubenmanagement ausgerichtet. Meines Wissens gibt es in Mecklenburg-Vorpommern bislang keine speziellen Förderprogramme für ein tierschutzgerechtes Taubenmanagement wie betreute Taubenschläge. Anders als in einigen anderen Bundesländern fehlt hier die finanzielle Unterstützung. Grundsätzlich liegt die praktische Umsetzung und Verantwortung für das Taubenmanagement bei den Kommunen, während das Land den rechtlichen Rahmen vorgibt und Fördermöglichkeiten bereitstellt.

  4. Avatar von
    Anonymous

    ALBA könnte etwas für’s Image tun und eine Taubenunterkunft zur Verfügung stellen. Tauben wurden früher als Eier- und Fleischlieferanten gehalten, wodurch ihnen ein ganzjähriges Brutverhalten angezüchtet wurde. Auch unterernährte und kranke Tiere brüten daher 6-7 mal im Jahr. In diesen betreuten Taubenhäusern werden die Vögel artgerecht gefüttert und tierärztlich versorgt. Die im Schlag gelegten Eier werden gegen Attrappen ausgetauscht wodurch die Population in absehbarer Zeit auf eine verträgliche Anzahl absinkt. Darüber hinaus wird die Verschmutzung des Areals rund um das Gebäude drastisch reduziert, da die standorttreuen Tauben die meiste Zeit ihres Lebens im Schlag verbringen und so auch bis zu 80% des Kots dort absetzen. Der Stadt Ulm ist das Taubenmanagement einiges wert: etwa 20.000 Euro kostet ein mobiles Taubenhaus.

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