(stm) Kaum ein Kunstwerk in Schwerin sorgt seit Jahren für so viele Debatten wie die Lenin-Statue am Großen Dreesch. Immer wieder fordern Bürgerinitiativen ihren Abriss, während andere Stimmen für ihren Erhalt plädieren.
Nun steht die Diskussion vor einem entscheidenden Punkt: Die Stadtpolitik soll nun beraten, ob sie sich für die Eintragung der Statue in die offizielle Denkmalliste ausspricht.
Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern hat den Denkmalwert bereits festgestellt und eine ausführliche Begründung vorgelegt (unten im Beitrag verlinkt). Demnach besitzt das 1985 errichtete Monument stadt-, kunst- und politikgeschichtliche Bedeutung. Errichtet zum 825. Stadtjubiläum, sollte es zugleich an die sowjetische Bodenreform erinnern. Gestaltet wurde es vom estnischen Bildhauer Jaak Soans, der sich bewusst von heroischen Lenin-Darstellungen absetzte. Statt Pathos prägt, so schreibt es das Landesamt in ihrer Begründung, die Bronzefigur eine zurückhaltende, fast impressionistische Formensprache.
pro und contra.
Doch während die Fachbehörde den Denkmalstatus klar bejaht, liegt die Entscheidung nun bei der Politik. Mit der aktuellen Beschlussvorlage wird die Stadtvertretung gefragt, ob sie sich als Eigentümerin der Statue gegenüber der obersten Denkmalschutzbehörde für die Eintragung ausspricht.
Befürworter sehen in der Statue ein selten gewordenes Zeugnis der DDR-Geschichte. Da in Schwerin nach 1990 die meisten politischen Denkmäler verschwanden, komme dem Lenin eine besondere Dokumentationsfunktion zu. Zudem eröffne der Denkmalstatus die Chance, das Ensemble sachlich zu diskutieren und gegebenenfalls neu zu gestalten. Ohne die Statue würde sich zumindest in Schwerin niemand wirklich mit der Geschichte und Epoche Lenins und den damit verbundenen Schicksalen beschäftigen. Eine Auseinandersetung werde regelrecht provoziert.
Kritiker hingegen warnen, dass die Statue im öffentlichen Raum eine ungewollte Aufwertung erfahre. Anders als bei Gedenkorten wie der Berliner Mauer oder NS-Konzentrationslagern sei der historische Wert von Personenstatuen umstritten. Auch sei die Akzeptanz in der Stadtgesellschaft keineswegs gegeben: Schon 1993 und 2007 hatte die Stadtvertretung nur knapp für den Erhalt votiert, zuletzt gab es im Juni 2025 Demonstrationen.
Statue steht nicht unbewertet
Die Lenin Statue steht in Schwerin übrigens anders es als einige vermuten oder kommunizieren nicht ohne eine kritische Betrachtung. Am Fuße der Statue wurde schon vor Jahren eine Informationplatte angebracht. Das Informationsschild am Standort der Statue trägt folgenden Text, der über den historischen Kontext aufklärt:
*„Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924)
Führer der Bolschewiki in der Oktoberrevolution 1917 und Gründer der Sowjetunion. Mit dem ‚Dekret über den Frieden‘ beendete er den Ersten Weltkrieg für Russland. Er führte einen Bürgerkrieg gegen große Teile des eigenen Volkes, um seine Macht zu festigen. Unzählige starben durch die Enteignung und Vertreibung der eigenen Bevölkerung sowie durch den Einsatz von bewaffneten Einheiten gegen aufständische Bauern und Arbeiter. Lenins Diktatur bereitete den Boden für Stalins Schreckensherrschaft. Diese Leninplastik des sowjetischen Bildhauers Jask wurde 1985 im Auftrag der SED-Führung aufgestellt. Sie ist ein Symbol der ‚DDR-Doktrin der untrennbaren Freundschaft‘ und steht zugleich für die politische Abhängigkeit der DDR vom sowjetischen Besatzungsregime nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.“*
Die Entscheidung der Stadtvertretung, die demnach für die Novembersitzung ansteht, wäre rechtlich nicht bindend – über die Eintragung entscheidet das Ministerium. Politisch aber wird sie Signalwirkung haben. Fest steht: Ob unter Denkmalschutz oder nicht – die Lenin-Statue wird Schwerin weiterhin beschäftigen.
Folgenden spannenden Beitrag des Deutschlandfunk wollen wir unseren Leserinnen und Lesern empfehlen:
Umstrittenes Denkmal – Warum Lenin noch in Schwerin steht
Hier kann die ausführliche Denkmalwertbegründung des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege, sowie die Beschlussvorlage der Stadtvertretung dazu eingesehen und heruntergeladen werden:















