Schwerins teures Fahrradparkhaus ohne Nutzen?  Radentscheid widerspricht Bund der Steuerzahler.

(stm) Der Bund der Steuerzahler hat sein jährliches Schwarzbuch vorgelegt – und eines der teuersten „Ärgernisse“ in Mecklenburg-Vorpommern steht dieses Jahr in Schwerin: das geplante Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof. Der BdSt kritisiert die 3,2 Millionen Euro teure Planung als „Steuerverschwendung“ und bezweifelt den Nutzen für die Stadt. Gegen diese harschen Vorwürfe wehrt sich nun die Initiative Radentscheid Schwerin und wirft dem Verband vor, mit zweierlei Maß zu messen.

In seinem Schwarzbuch listet der Bund der Steuerzahler jährlich Projekte auf bei denen aus seiner Sicht öffentliche Gelder nicht sinnvoll eingesetzt werden. Für das Fahrradparkhaus führt der Verband gleich mehrere Kritikpunkte ins Feld: Zum einen sei Wirtschaftlichkeit fragwürdig, die Lage in einer schwer erreichbaren Seitenstraße ungünstig und einfachere Lösungen wie zusätzliche Fahrradbügel seien nicht ausreichend geprüft worden. „Die Variante, weitere kostengünstigere Fahrradbügel vor und hinter dem Bahnhof aufzustellen, wurde nicht geprüft“, moniert der BdSt in dem Bericht.

„Diese Kritik offenbart eine gewisse Ahnungslosigkeit“, kontert nun der Radentscheid Schwerin in einer Pressemitteilung (unten als PDF einsehbar). Wer teure Räder besitze und diese länger am Bahnhof abstelle, wünsche sich eine sichere und geschlossene Unterstellmöglichkeit. Ein Parkhaus sei daher unverzichtbar. Zudem verweist die Initiative auf eine Studie der TU München, wonach Investitionen in nachhaltige Mobilität wie Bus, Bahn – und damit auch in ein Fahrradparkhaus als Bindeglied – der Volkswirtschaft einen dreifachen Nutzen brächten.

Besonders stößt dem Radentscheid auf, dass ausgerechnet dieses vergleichsweise kleine Projekt so stark in der Kritik steht, während deutlich teurere Straßenbauvorhaben wie die „Nordumfahrung Schwerin“ weniger Beachtung finden. Deren Kosten seien von ursprünglich 33 Millionen Euro auf aktuell geschätzte 80 Millionen Euro explodiert. „Die Aufregung um das Fahrradparkhaus wirkt verglichen mit diesem Projekt überzogen“, so der Radentscheid.


Hier kann der Bericht des Bund der Steuerzahler kostenfrei gelesen werden:

Teures Fahrradparkhaus – geringer Nutzen | Schwarzbuch

Hier die Pressemitteilung des Radentscheid zu dem bericht des Bund der Steuerzahler:


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2 Antworten zu „Schwerins teures Fahrradparkhaus ohne Nutzen? Radentscheid widerspricht Bund der Steuerzahler.“

  1. Avatar von
    Anonymous

    Ich lese regelmäßig das Schwarzbuch. Das aktuelle habe ich aber noch nicht gelesen.

    Das am Bahnhof was gemacht werden muss, steht außer Frage. Die Räder stehen dort kreuz und quer. Für viele Pendler ist das bestimmt nicht schön. Zumal sie bei Wind und Wetter draußen stehen. Deswegen finde ich, dass da ein Parkhaus hin muss. Wichtig ist nur, dass es hoffentlich richtig dimensioniert ist und man mit dem Rad reinfahren kann und nicht die Problem hat wie in einem Parkhaus in Hamburg.

  2. Avatar von
    Anonymous

    Diesmal bin ich – auch als Steuerzahlerin – nicht einverstanden mit dem Eintrag ins Schwarzbuch. Habe ich der Autorin auch mitgeteilt und hoffe, sie lässt sich nochmal von Experten informieren. Oder reist mal per Bahn in die Nachbarländer und hält an den Bahnhöfen und im Straßenverkehr anderer Städte die Augen offen.