(stm/red)
An drei Stellen rund um die Niels-Stensen-Schule sollen Kinder auch künftig ohne Zebrastreifen über die Straße gehen. Die Schweriner Stadtverwaltung lehnt sämtliche Vorschläge der Ortsteilvertretung ab. Dabei stellt ihre eigene Untersuchung Handlungsbedarf, überhöhte Geschwindigkeiten und eine nur „befriedigende“ Querungssituation fest.
Die Ortsteilvertretung Altstadt, Feldstadt, Paulsstadt und Lewenberg hatte bereits im November 2025 drei Fußgängerüberwege im Umfeld der Niels-Stensen-Schule beantragt: am Karl-Liebknecht-Platz, vor dem Grundschuleingang in der Schäferstraße und in der Feldstraße. Ziel war eine bessere Verbindung der Gehwege und mehr Sicherheit für die Schülerinnen und Schüler.
Die Antwort der Verwaltung fällt eindeutig aus: Keiner der drei Zebrastreifen soll kommen. Stattdessen empfiehlt sie eine Fahrbahnverengung, Markierungen, zeitweise aufgestellte Geschwindigkeitsanzeigen und einen Schulwegplan, den die Schule selbst erarbeiten soll.
Stadt erkennt Handlungsbedarf – lehnt Zebrastreifen trotzdem ab
Besonders deutlich wird der Widerspruch am Karl-Liebknecht-Platz. Dort kreuzen in der Mittagsstunde nach den städtischen Zählungen 274 Fußgänger die Schäferstraße. Gleichzeitig passieren 108 Kraftfahrzeuge den westlichen Straßenarm. Viele der Querenden sind Schülerinnen und Schüler, die den Platz während der Mittagspause nutzen.
Der Schulwegcheck der Verwaltung bewertet die Situation lediglich mit der Qualitätsstufe C – „befriedigend“. Die Querung sei zwar noch akzeptabel, liege aber an der unteren Grenze des empfohlenen Bereichs. Für stark genutzte Schulwege soll nach dem verwendeten Bewertungsverfahren eine Bevorrechtigung oder Querungshilfe geprüft werden.
Die Verwaltung spricht deshalb selbst von Handlungsbedarf. Einen Zebrastreifen lehnt sie dennoch ab. Begründet wird dies mit der Tempo-30-Zone, der angrenzenden Einmündung der Gartenstraße, der Feuerwehrzufahrt und den Geländern, die nach Auffassung der Behörde zur Führung der Kinder notwendig wären. Außerdem möchte die Stadt weiterhin ermöglichen, dass Fußgänger die Straße über den gesamten Abschnitt hinweg überqueren können.
Statt einer klar bevorrechtigten Querung soll der Gehweg in die Straße hineingezogen werden. Dadurch würde sich der Weg über die Fahrbahn von zehn auf vier Meter verkürzen. Nach den Berechnungen der Verwaltung könnte sich die Bewertung damit von „befriedigend“ auf „sehr gut“ verbessern. Ob und wann diese bauliche Maßnahme tatsächlich umgesetzt wird, geht aus der Untersuchung jedoch nicht hervor.
Vor dem Grundschuleingang wird zu schnell gefahren
Noch problematischer ist die Situation unmittelbar vor dem Grundschuleingang in der Schäferstraße. Dort liegt die sogenannte V85 bei 35 Kilometern pro Stunde. Das bedeutet: 15 Prozent der gemessenen Fahrzeuge fahren sogar noch schneller. Erlaubt sind 30 Kilometer pro Stunde. Die Verwaltung bezeichnet das Geschwindigkeitsniveau im unmittelbaren Umfeld der Grundschule selbst als problematisch, weil Kinder herannahende Fahrzeuge schlechter einschätzen können.
Ein Zebrastreifen soll trotzdem nicht eingerichtet werden. Als Reaktion auf die zu schnellen Fahrzeuge schlägt die Stadt ein großes „Achtung Kinder“-Piktogramm auf der Fahrbahn und ein Dialogdisplay vor, das jeweils für etwa zwei Wochen aufgestellt werden soll. Eine bauliche Aufpflasterung wird zwar erwähnt, aber nur unter Vorbehalt und ohne konkrete Zusage.
Damit setzt die Verwaltung zunächst auf Hinweise und zeitlich begrenzte Sensibilisierung – obwohl ihre eigenen verdeckten Messungen zeigen, dass die zulässige Geschwindigkeit vor der Grundschule nicht eingehalten wird.
In der Feldstraße sieht die Stadt keinen Handlungsbedarf
Auch in der Feldstraße lehnt die Stadt einen Überweg ab. Dort wurden 40 Fahrzeuge pro Stunde und eine V85 von 26 Kilometern pro Stunde ermittelt. Die Wartezeit für Fußgänger beträgt nach dem Schulwegcheck durchschnittlich 0,7 Sekunden. Neue Haltverbote sollen außerdem die Sicht am Schuleingang verbessert haben. Aus Sicht der Verwaltung ist die Situation damit vollständig zufriedenstellend.
Verantwortung wird teilweise an die Schule weitergereicht
Unabhängig von den abgelehnten Zebrastreifen empfiehlt die Stadt, dass die Niels-Stensen-Schule einen eigenen Schulwegplan erstellt. Darin sollen sichere Wege, Hol- und Bringezonen und geeignete Anfahrtsrouten für Eltern dargestellt werden. Die Verantwortung für die Erstellung liege bei der Schule. Verkehrsplanung und Polizei würden Unterstützung anbieten.
Damit endet die Prüfung mit einem bekannten Muster: Die Verwaltung erkennt Probleme, lehnt die beantragten Maßnahmen aber vollständig ab und setzt stattdessen auf Markierungen, zeitweise Anzeigen, weitere Prüfungen und mehr Kommunikation durch die Schule.
Auffälliger Fehler in der Berechnung
Zusätzlich enthält die Unterlage eine auffällige Unstimmigkeit. In der Verkehrsauswertung nennt die Stadt für die Mittagsstunde 274 querende Fußgänger und 108 Kraftfahrzeuge am westlichen Knotenarm. Beim anschließenden Schulwegcheck wird plötzlich eine Kraftfahrzeugstärke von 274 Fahrzeugen pro Stunde angesetzt.
Ob lediglich Fußgänger- und Fahrzeugzahl verwechselt wurden oder die Berechnung auf einer anderen Grundlage beruht, erklärt die Verwaltung nicht. Gerade weil diese Werte maßgeblich für die Bewertung der Querungsstelle sind, wäre eine nachvollziehbare Erläuterung notwendig.
Quellennachweis für „verrechnet“: Seite 6: Die Stadt nennt für 11 bis 12 Uhr 274 querende Fußgänger pro Stunde bei gleichzeitig 108 Kraftfahrzeugen pro Stunde am westlichen Knotenarm. Seite 9: Für den Schulwegcheck wird dann eine „maßgebliche Kfz-Verkehrsstärke“ von 274 Kfz pro Stunde angegeben. Entwder hat sich da jemand vertippt, oder die gesammte Betrachtung geht nicht auf – und sollte erneut getsartet werden.
http://www.schwerin.news wird nachfragen und erneut berichten.
Hier kann die „Analyse“ der Stadt eingesehn und heruntergeladen werden:















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