(stm/red)
Im bundesweiten Vergleich erreicht Mecklenburg-Vorpommern beim Antwortverhalten seiner Bundestagsabgeordneten den siebten Platz. Hinter der guten Gesamtquote verbergen sich allerdings erhebliche Unterschiede: Während mehrere Politiker jede einzelne Frage beantworteten, reagierten fünf Abgeordnete aus MV überhaupt nicht.
Wie erreichbar sind die Bundestagsabgeordneten für Bürgerinnen und Bürger? Dieser Frage geht die Transparenzplattform abgeordnetenwatch.de mit ihrem jährlichen „antwortranking“ nach. Seit Beginn der laufenden Wahlperiode wurden bundesweit 14.122 Fragen an Bundestagsabgeordnete gestellt. 10.576 davon wurden beantwortet. Das entspricht einer durchschnittlichen Antwortquote von 75 Prozent.
Die Abgeordneten aus Mecklenburg-Vorpommern schneiden insgesamt deutlich besser ab. Von 318 Fragen wurden 275 beantwortet. Mit einer Quote von 86 Prozent landet MV gemeinsam mit Hessen auf Rang sieben der 16 Bundesländer. Spitzenreiter ist Hamburg mit 98 Prozent, gefolgt von Bremen mit 97 Prozent. Schlusslicht ist Brandenburg mit einer Antwortquote von 56 Prozent.
Simone Borchardt beantwortet 175 von 175 Fragen
Das gute Ergebnis Mecklenburg-Vorpommerns wird allerdings stark von einzelnen Abgeordneten geprägt. Allen voran von der CDU-Politikerin Simone Borchardt: An sie wurden 175 Fragen gerichtet – mehr als an jeden anderen Abgeordneten aus MV. Borchardt beantwortete sämtliche Fragen und belegt damit im bundesweiten Einzelranking Platz vier.
Auch die Schweriner SPD-Bundestagsabgeordnete und Bundesministerin Reem Alabali-Radovan erreichte eine Quote von 100 Prozent. Sie beantwortete alle 37 an sie gerichteten Fragen. Dietmar Bartsch von der Linken reagierte auf 30 von 30 Fragen. Frank Junge von der SPD beantwortete acht von acht, die AfD-Abgeordnete Ulrike Schielke-Ziesing sieben von sieben und Claudia Müller von den Grünen vier von vier Fragen.
Ina Latendorf von der Linken beantwortete neun von zehn Fragen und erhielt dafür ebenfalls die Bewertung „hervorragend“. Christoph Grimm von der AfD reagierte auf fünf von sechs Fragen und wurde mit einer Antwortquote von 83 Prozent als „vorbildlich“ eingestuft.
Philipp Amthor lässt 25 Fragen unbeantwortet
Am anderen Ende der Tabelle stehen fünf Abgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern, die im untersuchten Zeitraum keine einzige Frage auf abgeordnetenwatch.de beantworteten.
Besonders deutlich fällt das Ergebnis bei Philipp Amthor aus. An den CDU-Politiker wurden 25 Fragen gerichtet, beantwortet wurde keine davon. Im bundesweiten Ranking belegt Amthor damit Platz 611 von 628 bewerteten Abgeordneten. Auch sein CDU-Kollege Georg Günther reagierte auf keine seiner sieben Fragen.
Ebenfalls ohne Antwort blieben die jeweils drei Fragen an die AfD-Bundestagsabgeordneten Leif-Erik Holm, Enrico Komning und Dario Seifert. Alle drei erhielten keine Auszeichnung.
Große Unterschiede im Schweriner Wahlkreis
Für den Bundestagswahlkreis Schwerin – Ludwigslust-Parchim I – Nordwestmecklenburg I ergibt sich damit ein sehr unterschiedliches Bild. Reem Alabali-Radovan beantwortete alle 37 Fragen. Ina Latendorf reagierte auf neun von zehn Fragen. Leif-Erik Holm ließ dagegen alle drei an ihn gerichteten Fragen unbeantwortet.
Auch die insgesamt gute Landesquote von 86 Prozent muss deshalb eingeordnet werden. Ohne die 175 vollständig beantworteten Fragen von Simone Borchardt hätten die übrigen Abgeordneten aus Mecklenburg-Vorpommern zusammen lediglich 100 von 143 Fragen beantwortet. Die Quote läge dann rechnerisch bei knapp 70 Prozent – und damit unter dem bundesweiten Durchschnitt von 75 Prozent.
Ranking bildet nur einen Kommunikationsweg ab
Das Ranking erfasst ausschließlich Fragen, die über die Plattform abgeordnetenwatch.de gestellt wurden. E-Mails an Abgeordnetenbüros, persönliche Gespräche, Briefe oder Fragen über soziale Netzwerke sind nicht Teil der Auswertung. Das Ergebnis zeigt deshalb nicht die gesamte Kommunikation eines Abgeordneten mit der Bevölkerung.
Berücksichtigt wurden Fragen, die zwischen der konstituierenden Sitzung des 21. Deutschen Bundestages und dem 29. Juni 2026 eingegangen waren. Die Abgeordneten hatten bis zum 13. Juli Zeit zu antworten und wurden mehrfach auf das Ranking und die Fristen hingewiesen. Allgemeine Standardantworten, die nicht auf den Inhalt einer Frage eingehen, wurden nicht als Antwort gewertet.
Von einheitlichem Mittelmaß kann bei den Bundestagsabgeordneten aus Mecklenburg-Vorpommern somit kaum gesprochen werden. Das Land erreicht insgesamt einen Platz im oberen Mittelfeld. Hinter der Durchschnittszahl stehen jedoch zwei gegensätzliche Gruppen: Abgeordnete, die nahezu jede Bürgerfrage beantworten – und Politiker, die über die Plattform überhaupt nicht reagieren.















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