Maxpress-Chef weist Einflussnahme zurück – Fragen zu kommunalen Aufträgen bleiben

(stm/red)

Holger Herrmann bestreitet informelle Wahlkampfhilfe, Personalempfehlungen und eine operative Rolle bei adju. Gleichzeitig bestätigen kommunale Unternehmen langjährige und umfangreiche Geschäftsbeziehungen mit maxpress und der Hauspost.

Maxpress-Geschäftsführer Holger Herrmann weist den Verdacht zurück, über seine geschäftlichen und politischen Kontakte Einfluss auf Personalentscheidungen oder Aufträge innerhalb der Schweriner Stadtfamilie genommen zu haben. Auch eine informelle Unterstützung des heutigen Oberbürgermeisters Sebastian Ehlers über den offiziellen Wahlkampfauftrag hinaus habe es nicht gegeben.

„Es gab und gibt keine Absprachen, strategische Gespräche oder informellen Unterstützungsleistungen“, erklärte Herrmann auf Anfrage von schwerin.news. Der Auftrag für den Oberbürgermeisterwahlkampf sei mit der Stichwahl beendet worden.

Herrmann reagierte damit auf Fragen zu den langjährigen Geschäftsbeziehungen von maxpress und der Hauspost mit kommunalen Unternehmen sowie zu möglichen Überschneidungen mit der Personal- und Organisationsberatung adju.

Keine Empfehlungen für kommunale Personalentscheidungen

Herrmann bestreitet ausdrücklich, gegenüber kommunalen Entscheidungsträgern Bewerber, Berater oder andere Personen für Stellenbesetzungen und Auswahlverfahren empfohlen oder vermittelt zu haben.

Auf die entsprechende Frage antwortete er mit „Nein“.

Diese Darstellung wird durch die bislang eingegangenen Antworten der kommunalen Unternehmen gestützt. Auch Stadtwerke, Nahverkehr, Wohnungsgesellschaft, Schweriner Abwasserentsorgung, SIS und die Gesellschaft für Beteiligungsverwaltung erklärten, dass ihnen durch Herrmann, maxpress, Hauspost oder adju keine Bewerber oder Berater für Personalentscheidungen vermittelt worden seien.

Belege dafür, dass Herrmann unmittelbar auf kommunale Stellenbesetzungen Einfluss genommen hat, liegen schwerin.news somit bislang nicht vor.

Zu seiner Rolle im Umfeld von adju erklärte Herrmann: „In einer Personalberatung war und bin ich nicht operativ tätig.“

Die Frage nach internen Regeln zur Trennung von Kommunikationsdienstleistungen, Wahlkampfarbeit und Personalberatung beantwortete er deshalb nicht näher.

Offen bleibt damit, wie die öffentlich dargestellte Zusammenarbeit zwischen maxpress und adju organisatorisch ausgestaltet ist. Adju bezeichnet maxpress selbst als Kooperationspartner. Hinzu kommen personelle und räumliche Berührungspunkte. Daraus folgt noch kein unzulässiger Interessenkonflikt. Die Verbindungen werfen jedoch die Frage auf, wie die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder voneinander getrennt werden.

Langjährige Kontakte zur kommunalen Stadtfamilie

Herrmann selbst machte keine konkreten Angaben zu seinen Kontakten mit Geschäftsführungen, Werkleitungen, Aufsichtsräten oder politischen Entscheidungsträgern. Er bat zunächst um eine genauere Erläuterung, welche Personen mit dem Begriff „verbundene Personen“ gemeint seien.

Die kommunalen Unternehmen bestätigen allerdings regelmäßige Kontakte mit maxpress und teilweise auch direkt mit Herrmann.

Der Nahverkehr Schwerin berichtet von einem regelmäßigen Austausch mit Mitarbeitern von maxpress und Holger Herrmann, vor allem zur Gestaltung der Hauspostseiten. Die Stadtwerke nennen persönliche Termine, regelmäßige Abstimmungen, Grafikleistungen, Druckerzeugnisse und die gemeinsame Weiterentwicklung des Corporate Designs.

Auch die Wohnungsgesellschaft, die SIS, die Schweriner Abwasserentsorgung und der Zoo bestätigen Kontakte im Rahmen bestehender Aufträge.

Das ist für sich genommen nicht ungewöhnlich. Wer eine Agentur mit Anzeigen, Gestaltung oder Öffentlichkeitsarbeit beauftragt, muss sich mit deren Mitarbeitern abstimmen. Die Antworten zeigen allerdings, dass maxpress bei mehreren kommunalen Unternehmen nicht nur einzelne Anzeigen verkauft, sondern dauerhaft in deren Kommunikation eingebunden ist.

Herrmann will nicht auf Compliance-Probleme hingewiesen worden sein

Herrmann erklärte außerdem, weder kommunale Auftraggeber noch Stadtverwaltung, politische Akteure oder Geschäftspartner hätten ihn darauf hingewiesen, dass die Verbindung von kommunalen Aufträgen, politischer Kommunikation und Personalberatung eine sensible oder compliance-relevante Grenze berühren könne.

Auch diese Frage beantwortete er mit „Nein“.

Die Landeshauptstadt hatte zuvor eingeräumt, dass der Verwaltungsleitung, der Geschäftsführung der Beteiligungsverwaltung und der Werkleitung des Zentralen Gebäudemanagements Überschneidungen teilweise bekannt waren. Vor der Beauftragung von adju wurde dennoch keine Prüfung möglicher Interessenkonflikte vorgenommen.

Die städtische Compliance-Stelle prüfte den Vorgang ebenfalls nicht. Zur Begründung hieß es, es habe keinen Hinweis im Sinne des Hinweisgeberschutzgesetzes gegeben.

Inzwischen wird der Sachverhalt jedoch durch die Compliance-Beauftragte der Stadtwerke-Unternehmensgruppe geprüft. Damit wird derselbe Vorgang innerhalb der Stadtfamilie unterschiedlich bewertet: Während die Stadt selbst keinen Anlass für eine Untersuchung sieht, haben die Stadtwerke eine Prüfung durch die Compliance-Beauftragte der Stadtwerke-Unternehmensgruppe mitgeteilt.

Herrmann kritisiert bisherige Berichterstattung

Zu Beginn seiner Antwort kritisierte Herrmann die bisherige Berichterstattung von schwerin.news. Über ihn und seine Unternehmen sei berichtet worden, ohne ihn zuvor anzufragen. Er sei daher positiv überrascht, nun Gelegenheit zur Stellungnahme zu erhalten.

Herrmann erklärte außerdem, bisherige Artikel entsprächen nach einer rechtlichen Prüfung nicht dem Pressekodex. Fakten, Meinungen und Aussagen seien aus seiner Sicht nicht ausreichend getrennt worden. Auch Aussagen Dritter seien nicht korrekt wiedergegeben worden.

Er forderte zudem, seine Antworten nur vollständig und im jeweiligen Zusammenhang zu verwenden. Eine solche Vorgabe kann ein Befragter äußern. Die journalistische Auswahl und Einordnung der relevanten Aussagen bleibt jedoch Aufgabe der Redaktion. Entscheidend ist, dass die Antworten nicht sinnentstellend wiedergegeben werden.

Umfangreiche Geschäfte mit kommunalen Unternehmen

Keine Angaben machte Herrmann zum finanziellen Umfang der Aufträge, die maxpress und Hauspost von kommunalen Unternehmen erhalten. Die inzwischen vorliegenden Antworten von mehreren Kommunalen Unternehmen zeigen jedoch, dass es sich um ein erhebliches Geschäft handelt.

Allein die Nahverkehr Schwerin GmbH zahlte zwischen 2020 und 2025 insgesamt 208.580 Euro an maxpress. Die SIS nennt für denselben Zeitraum ein durchschnittliches Auftragsvolumen von rund 58.000 Euro netto jährlich. Das entspricht über sechs Jahre rechnerisch an die 350.000 Euro.

Die Stadtwerke zahlten allein 2025 weitere 49.066 Euro für die Hauspost. Zusätzliche Agenturleistungen von maxpress sind darin noch nicht enthalten. Die Schweriner Abwasserentsorgung nennt jährliche Ausgaben zwischen 12.000 und 19.000 Euro.

Auch Wohnungsgesellschaft, Kita gGmbH, WAG, Zoo und weitere kommunale Einrichtungen bestätigen Aufträge, ohne die vollständigen Summen offenzulegen.

Wichtige Anmerkung, bei diesen Auftraggebern handelt es sich nicht um voneinander unabhängige Privatunternehmen auf einem freien Markt. Sie gehören zur kommunalen Stadtfamilie, erfüllen öffentliche Aufgaben und verwalten städtisches Vermögen oder Einnahmen aus Leistungen der Daseinsvorsorge.

Aus vielen einzelnen Aufträgen ist so über Jahre ein umfangreiches Geschäft mit nahezu dem gesamten kommunalen Unternehmensverbund entstanden.

Kein Beleg für Gegenleistungen

Herrmann weist informelle Wahlkampfhilfe, Personalempfehlungen und eine operative Tätigkeit für adju zurück. Die bisherigen Antworten der kommunalen Unternehmen widersprechen ihm in diesen Punkten nicht.

Ein Beleg dafür, dass kommunale Aufträge als Gegenleistung für politische Unterstützung vergeben wurden, dass Herrmann Stellenbesetzungen beeinflusste oder adju-Aufträge vermittelte, liegt somit bislang nicht vor. Offen bleiben dennoch Fragen zur wirtschaftlichen Dimension, zur organisatorischen Trennung der beteiligten Unternehmen und zum Umgang der Stadtfamilie mit möglichen Interessenkonflikten.

Die Antworten der kommunalen Unternehmen zeigen inzwischen ein Auftragsvolumen im hohen sechsstelligen Bereich. Wie groß das Geschäft insgesamt ist, lässt sich noch nicht abschließend beziffern, weil mehrere stadteigene Unternehmen ihre Zahlungen bislang nicht vollständig offengelegt haben.


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6 Antworten zu „Maxpress-Chef weist Einflussnahme zurück – Fragen zu kommunalen Aufträgen bleiben“

  1. Avatar von Bricht das Kartenhaus bald zusammen? In Schwerins Stadtfamilie laufen jetzt zwei Compliance-Prüfungen – Free schwerin.news

    […] Maxpress-Geschäftsführer Holger H. weist eine unzulässige Einflussnahme zurück. Er erklärt, wed… Neben dem offiziell beauftragten Oberbürgermeisterwahlkampf für Sebastian Ehlers habe es keine informellen Unterstützungsleistungen oder strategischen Absprachen gegeben. Auch die befragten kommunalen Unternehmen bestreiten entsprechende Empfehlungen oder Vermittlungen. Ein Rechtsverstoß, eine manipulierte Stellenbesetzung oder eine politische Gegenleistung ist bislang nicht belegt. […]

  2. Avatar von
    Anonymous

    Schaut doch mal ganz genau hin, wie Compliance in Schwerin gelebt wird. Ohne Hinweis geht’s nicht? Die Beauftragten sind selbst MA, aber wegsehen ist gesünder. Beispiel, wird berichtet wieviel Hinweise eingehen? Die Hinweise gehen dann an die Geschäftsführung und die entscheidet dann ob es ein Compliancefall ist. Natürlich nicht. Fragt der Aufsichtsrat oder Werkausschuss nach? Nein, so sind es dann keine Compliancefälle.

  3. Avatar von
    Anonymous

    Hat maxpress überhaupt eine Compliancemeldestelle? Der Schweriner Nahverkehr hat kein Geld und gibt es für was genau aus? Es haben doch wohl alle diese Gesellschaften einen Internetauftritt sowie sind alle bei der Bevölkerung bekannt. Die Stadt hat doch drei ? Mitarbeiterinnen in der Pressestelle. Stadtanzeiger gibt’s auch noch. 72.000 Papierexemplare werden in die Stadt geschüttet. Kann sicher weg.

  4. Avatar von
    Anonymous

    Gibt’s jetzt schon so richtige Belege oder geht’s noch immer darum, dass man es nicht gut findet dass die Damen und Herren in der Stadtfamilie halt alle irgendwie miteinander verkehren? Und wem von den miteinander Verkehrenden wurde eigentlich so stark ans Bein gepisst, dass diese Person diese Nummer hier überhaupt ans Licht gebracht hat? Man munkelt weiter. Oder vielleicht ist es so offensichtlich, dass man es nicht erwartet.

  5. […] der Schweriner Druckerei und Kommunikationsagentur maxpress und der Hauspost. In einem ausführlichen Statement an schwerin.news weist er den Verdacht zurück, über seine geschäftlichen und politischen Kontakte Einfluss auf […]

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