Ausstellung erinnert an ermordete Kinder auf dem Sachsenberg

(stm/red)

Mehr als 8.000 Kinder wurden während der NS-Zeit in sogenannten Kinderfachabteilungen getötet oder für medizinische Versuche missbraucht. Eine dieser Einrichtungen befand sich auf dem Sachsenberg in Schwerin. Eine Ausstellung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) erinnert jetzt an die Opfer und an die Rolle von Ärzten bei den Verbrechen.

Unter dem Titel „Im Gedenken der Kinder – Die Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit“ ist die Ausstellung vom 12. August bis zum 19. September in der Marienplatz-Galerie zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Der Ort ist bewusst gewählt. Nur wenige hundert Meter entfernt liegt der Sachsenberg, wo während der NS-Diktatur ebenfalls Kinder Opfer der sogenannten „Kinder-Euthanasie“ wurden. Kranke und behinderte Kinder wurden erfasst, begutachtet und vielfach anschließend getötet. Ärzte und medizinisches Personal waren an diesen Verbrechen beteiligt.

Die DGKJ beschäftigt sich seit Jahren mit der Aufarbeitung dieses Kapitels der Medizin. Die Ausstellung soll dabei nicht nur Zahlen und historische Abläufe zeigen, sondern die Kinder selbst in den Mittelpunkt stellen. „Wir Kinderärztinnen und Kinderärzte halten es für unsere Pflicht, den ermordeten Kindern ein Gesicht und eine Stimme zu geben“, schreibt Prof. Dr. med. Michael Radke, Beauftragter der DGKJ für die Ausstellung.

Die Ausstellung kommt in politisch aufgeladener Zeit nach Schwerin. Die Organisatoren wollen sie deshalb auch als Beitrag zur politischen Bildung im Vorfeld der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern verstanden wissen. Radke verweist auf zunehmende radikale Ansichten und Forderungen nach der Ausgrenzung bestimmter Personengruppen.

Eröffnet wird die Ausstellung am Mittwoch, 12. August, um 18 Uhr. Dabei werden unter anderem Auszüge aus historischen Krankenakten der ermordeten Kinder gelesen. Außerdem geht es um die Medizinverbrechen an Kindern in Mecklenburg und Pommern zwischen 1939 und 1945.

Die Ausstellung ist anschließend montags bis samstags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Besuch ist kostenlos.

Weitere Informationen zur Ausstellung und zur Geschichte der Kinderärzte und Medizinverbrechen während der NS-Zeit stellt die DGKJ auf ihrer Internetseite zur Verfügung.


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