Ein kleiner Plausch an der Haltestelle mit einer älteren Dame.

(stm)

An einer Haltestelle, genauer am Platz der Freiheit kam das Gespräch in Gang – mit einer 72-jährigen Frau, die in einer kleinen Zweiraumwohnung im Mueßer Holz lebt. Wir warten auf den Bus Linie 10. Ihre Kinder wohnen weit weg, in der Nachbarschaft, oben an der Keplerstraße wo sie wohnt, gibt es kaum enge Kontakte, und viel zu viel Zeit verbringt sie allein zu Hause vor dem Fernseher.

Es ist ein ganz normales Leben sagt die Dame mir, und gerade deshalb erzählt diese zufällige Begegnung so viel darüber, wie sich Einsamkeit im Alter anfühlen kann. In ihrer Wohnung bestimmen feste, oft monotone Abläufe den Tag: Haushalt, Fernsehen, ein bisschen dies und das. Mehr passiert an manchen Tagen einfach nicht. Dass sie darunter leidet, sagt sie offen. Es fehlt ihr nicht an einem Dach über dem Kopf, sondern an Menschen. Mit einer knappen Rente fallen Dinge, die für viele selbstverständlich sind – wie ein regelmäßiger Kaffee – ohnehin flach.

Umso wichtiger sind für sie die Anlaufpunkte im Stadtteil, sagt sie. Wenn Vereine oder soziale Träger Veranstaltungen organisieren, ist sie auch mal dabei. Ein paar Stunden unter Leuten, raus aus den eigenen vier Wänden, bedeuten für sie einen riesigen Unterschied. Manchmal traut sie sich aber auch nicht andere anzusprechen. Sie schaut dann einfach genr zu.

Umso größer ist ihre Sorge, wenn sie von politischen Diskussionen über Kürzungen bei sozialen Trägern hört. Sie selbst würde sich zur Not wohl einfach noch weiter zurückziehen, sagt sie – der Fernseher läuft schließlich auch allein, und Arzttermine stehen auch regelmäßig an. Dabei grinst sie. Doch sie macht sich vor allem Sorgen um die anderen im Viertel. Für viele ältere, aber auch jüngere Menschen seien diese Treffpunkte der einzige Zugang zu Gemeinschaft.

Fällt so ein Angebot weg, gibt es meist keinen Ersatz. Ihr eigener Alltag würde dann eben aus Einkaufen, Haushalt, Fernsehen und Schlafen bestehen. Nur die wenigen Lichtblicke, auf die sie sich im Kalender freut, wären verschwunden.

Große politische Lösungen fordert sie gar nicht. Sie wünscht sich schlicht, dass diese kleinen Freiräume erhalten bleiben. Denn manchmal braucht es verdammt wenig, um den Tag zu retten: einen Raum, ein paar Menschen, einen Kaffee und das Gefühl, dass sich jemand ein bisschen Zeit nimmt. Dann kommt auch schon der Bus.


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