(stm) Schwerin, Eldorado und London sind direkte Nachbarn.
Manchmal lohnt es sich, eine Landkarte etwas genauer anzuschauen. Nicht wegen der großen Städte, der Autobahnen oder der eingezeichneten Sehenswürdigkeiten, sondern wegen der kleinen Namen am Rand. Denn manchmal steht dort plötzlich etwas, das man eigentlich ganz woanders vermutet hätte. Schwerin zum Beispiel. Und wenn man dann noch ein Stück weiter schaut, wird es richtig interessant: Eldorado, London, Oxford, Hanover und Canterbury tauchen ebenfalls auf. Und dass alles nur wenige Kilometer voneinander entfernt.
Wer jetzt gedanklich schon den nächsten Europa-Trip plant, sollte allerdings noch kurz warten. Zwischen Schwerin und London liegt hier nämlich nicht der Ärmelkanal – sondern ziemlich viel südafrikanische Landschaft. Rund 9.000 Kilometer Luftlinie trennen das Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern von seinem Namensvetter im Süden Afrikas. Und trotzdem stehen beide auf Landkarten. Nur eben auf sehr unterschiedlichen.
Auf der amtlichen Karte des Thabazimbi Sub District in der Provinz Limpopo findet sich tatsächlich Schwerin. Rundherum stehen Namen wie London , Oxford, Hanover, Canterbury, Woodstock, Holland, Zeeland, Cornwall und New Belgium. Dazu kommen Marseilles, Portugal, Adelaide, Parys und Richmond. Das klingt nach einer ziemlich ambitionierten Weltreise, ist aber etwas viel Unspektakulärerem geschuldet: Die Karte verzeichnet vor allem Farmen, Grundstücke und andere geografische Bezeichnungen. Das südafrikanische Schwerin ist dabei historisch dokumentiert. Bereits 1950 taucht die Farm in amtlichen Unterlagen des damaligen Transvaal auf, in den 70er wird sie erneut genannt. Auch heute wird Schwerin in den Unterlagen der Thabazimbi Local Municipality geführt.
Die Gegend liegt im Raum Thabazimbi, in der weiteren Umgebung befindet sich unter anderem der bekannte Marakele National Park.
Amtliche Karte des Thabazimbi Sub Districts Marakele National Park – South African National Parks
Und warum stehen dort so viele Namen, die europäisch klingen? Die Antwort führt in die Geschichte des historischen Transvaal und damit auch in die Kolonialgeschichte Südafrikas. Im Zuge europäischer Besiedlung, Landvermessung und Verwaltung wurden Farmen benannt und kartografisch erfasst. Namen aus Europa fanden dabei ihren Weg auf die südafrikanischen Karten – als Erinnerungen an Herkunftsorte, Regionen oder persönliche Bezüge. Beim Namen Schwerin lässt sich allerdings bislang nicht beweisen, dass tatsächlich unsere mecklenburgische Stadt Pate stand. Auch ein Auswanderer aus Schwerin als Namensgeber ist bisher nicht belegt. Sicher ist nur: Der Name ist alt und seit Jahrzehnten amtlich dokumentiert. Geografisch liegt die Farm zudem in einer besonderen Region.
Die Thabazimbi-Region, und das Stück Land Namnes Schwerin reicht bis an den Limpopo River, der dort die internationale Grenze zu Botswana bildet. In einer südafrikanischen Regelung wird ein entsprechender Grenzbereich beschrieben, in dem ausdrücklich eine Teilfläche von Schwerin genannt wird.
Limpopo kennt man auch in Schwerin. Die Sache mit den Nashorn.
Und dann schließt sich der Kreis zumindest sprachlich wieder nach Mecklenburg: Den Namen der Grenzregion, des Flusses Limpopo kennt man auch in Schwerin. Das Nashorn Limpopo war in den frühen 2000ern das Maskottchen der Schweriner Kita gGmbH und wurde unter anderem bei einem vom Land Mecklenburg-Vorpommern geförderten Medienbildungsprojekt eingesetzt. Ob der Name tatsächlich von der südafrikanischen Provinz übernommen wurde, ist bislang nicht belegt, vor etwas mehr als zehn Jahren hieß ein stadtbekannter Nashorn Bulle Limpopo. Dieser wurde damals mit Nashörner aus den Niederlanden getauscht.
Die Namenswahl dürft kein Zufall gewesen sein. Kam das Nashorn vielleicht genau aus der Region und im Gegenzug gab es den Namen vor Ort? Wir wissen es nicht. Wer dazu etwas weiß, gerne bei redaktion@schwerin.news melden.
Aber soweit bleibt die Karte bemerkenswert: Schwerin, Eldorado und London – alles Namen auf derselben südafrikanischen Landkarte. Und wer dort von Schwerin aus losfährt, und sein Glück in Eldorado versuchen will, muss für die nächste Station nicht mal nachtanken.


















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