(stm/red)
Auf dem Papier beginnt die Miete mit der Kaltmiete. Tatsächlich kommt jeden Monat eine zweite Rechnung dazu: Heizung, Wasser, Abwasser, Grundsteuer, Versicherungen, Reinigung, Hausmeister und weitere Betriebskosten. Neue Zahlen des Unternehmens Mineko zeigen, wie hoch diese Kosten in Schwerin ausfallen. Mineko hat nach eigenen Angaben 53 Nebenkostenabrechnungen aus Schwerin ausgewertet.
Ergebnis: Die untersuchten Mieter zahlten durchschnittlich 3,38 Euro pro Quadratmeter und Monat. Bei einer durchschnittlichen Wohnfläche von 78,2 Quadratmetern sind das rund 264 Euro im Monat beziehungsweise 3.168 Euro im Jahr.
Zusammen mit der von Mineko zugrunde gelegten durchschnittlichen Kaltmiete von 597 Euro ergibt sich eine Warmmiete von etwa 862 Euro monatlich. Rund 31 Prozent der gesamten Wohnkosten entfallen damit auf die Nebenkosten. Mineko-Mietspiegel Schwerin
Schwerin liegt unter dem Bundesdurchschnitt
Im Vergleich zu anderen Städten steht Schwerin bei den Nebenkosten zunächst relativ gut da. Mineko kommt bundesweit auf rund 3.402 Euro pro Jahr. Schwerin liegt mit 3.168 Euro etwa 200 Euro darunter. Auch die Entwicklung fällt auf: Die von Mineko ausgewerteten Schweriner Nebenkosten gingen gegenüber dem Vorjahr um 6,1 Prozent zurück, während der bundesweite Vergleichswert um 4,5 Prozent gestiegen sein soll. Allerdings entwickeln sich die einzelnen Kostenarten sehr unterschiedlich.
Der größte Posten ist die Heizung mit 1,20 Euro pro Quadratmeter und Monat. Gleichzeitig stiegen die Heizkosten gegenüber dem Vorjahr um 20,8 Prozent. Versicherungen liegen bei 0,34 Euro und stiegen um 29,6 Prozent. Besonders stark legten die „sonstigen Betriebskosten“ zu: Mineko nennt hier ein Plus von 129,2 Prozent auf 0,15 Euro pro Quadratmeter.
Nicht mit dem offiziellen Mietspiegel verwechseln
Die Mineko-Zahlen sind allerdings kein offizieller Mietspiegel der Stadt. Der qualifizierte Mietspiegel 2026/2027 der Landeshauptstadt basiert auf einer wesentlich größeren Datenbasis von 25.331 Mietwohnungen und betrachtet die Nettokaltmiete. Mineko hat dagegen lediglich 53 Abrechnungen ausgewertet. Die Daten sind deshalb nicht repräsentativ für sämtliche Schweriner Mietwohnungen. Sie liefern vielmehr einen zusätzlichen Blick darauf, was tatsächlich über Nebenkostenabrechnungen abgerechnet wurde. Das ist auch bei der bekanntesten Zahl der Untersuchung wichtig.
94 Prozent mit Fehlern – aber Vorsicht bei der Zahl
Bei 94 Prozent der von Mineko geprüften Abrechnungen wurde laut Unternehmen mindestens ein Fehler festgestellt. Im Durchschnitt ging es um 418 Euro. In 89 Prozent der Fälle wurde außerdem eine Nachzahlung verlangt, die durchschnittlich 787 Euro betrug. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass 94 Prozent aller Nebenkostenabrechnungen in Schwerin fehlerhaft sind. Die 53 Abrechnungen stammen aus dem Prüfgeschäft von Mineko. Wer eine Abrechnung prüfen lässt, könnte bereits einen Verdacht haben. Die Stichprobe ist daher selbstselektiert. Trotzdem zeigt die Zahl: Eine Nebenkostenabrechnung sollte nicht automatisch durchgewunken werden.
Was darf überhaupt abgerechnet werden?
Grundsteuer, Wasser, Entwässerung, Heizung, Müll, Reinigung, Gartenpflege, Beleuchtung, bestimmte Versicherungen und Hausmeisterkosten können grundsätzlich zu den umlagefähigen Betriebskosten gehören. Verwaltungskosten sowie Kosten für Instandhaltung und Instandsetzung dürfen dagegen nicht einfach auf Mieter umgelegt werden. Gerade bei Sammelpositionen wie „sonstige Betriebskosten“ lohnt sich deshalb ein genauer Blick. Zuletzt sorgten in Schwerin die Technik Revisionen der WGS für Diskussionen.
Auch die Stadt Schwerin hat ihre Richtlinie für die angemessenen Kosten der Unterkunft zum Jahresbeginn angepasst. Die berücksichtigten kalten Betriebskosten wurden von 1,52 auf 1,82 Euro pro Quadratmeter erhöht. Das ist allerdings kein Durchschnittswert für alle Mieter, sondern ein sozialrechtlicher Richtwert für die Kostenübernahme.
Die Hälfte der Wohnkosten wird oft unterschätzt
Die aktuelle Mineko-Auswertung zeigt vor allem eines: Wer nur auf die Kaltmiete schaut, kennt die tatsächlichen Wohnkosten noch lange nicht. Für die von Mineko betrachtete Durchschnittswohnung in Schwerin lautet die Rechnung: 597 Euro Kaltmiete + 264 Euro Nebenkosten = rund 862 Euro Warmmiete.
Schwerin liegt damit bei den Nebenkosten unter dem von Mineko ermittelten Bundeswert. Gleichzeitig steigen einzelne Positionen wie Heizung und Versicherungen deutlich. Die „zweite Miete“ ist deshalb auch in Schwerin ein erheblicher Teil der monatlichen Wohnkosten – und eine Rechnung, bei der sich ein genauer Blick durchaus lohnen kann.
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