🌐 Beitrag übersetzen
(stm) Drei Tage Altstadtfete, und Schwerin leuchtet: Rummel, Musik, Festmeile zwischen Altstadt und Pfaffenteich. Auch die Stadtwerke feiern mit – und gleich doppelt: Zum 35-jährigen Bestehen öffnen sie am Samstag, wie sie vor wenigen Tagen ankündigten, von 12 bis 20 Uhr ihr Kundencenter in der Mecklenburgstraße und ihr Glasfaser-InfoCenter am Dom. Dort leuchtet ein „ganz besonderer Glasfaserbaum“ als Lichtinstallation, dazu gibt es Sonderangebote, Überraschungen und Informationen rund um schnelles Internet. Das Gebäude am Dom scheint zu sagen: Komm herein. Alle sind willkommen.
Alle. Na ja. Fast alle.
Denn direkt davor wartet das zweite Wahrzeichen der Stadtwerke: die Rampe. Eine Rampe hat eigentlich die Aufgabe, Menschen ins Gebäude zu bringen, die Treppen nicht nutzen können. Diese hier hat eine andere Bestimmung – sie ist selbst nicht wirklich erreichbar. Wer im Rollstuhl sitzt, einen Rollator schiebt oder einen Kinderwagen vor sich herschiebt, kommt an ihr so wenig hinauf wie an einer Treppe. Nur mit einem Unterschied: Hier wird offiziell behauptet, es sei eine Rampe. Eine Rampe, die Menschen behindert, ist eine behinderte Rampe.
Man kann sie nicht erreichen geschweide denn als Rollstuhlfahrender nutzen.
Die Chronik ist kurios: Nachdem ein Video im Februar 2022 den Missstand zeigte, wurde der Bürgersteig mit einer Flex amateurhaft angeschrägt. Die eigentliche Meisterleistung folgte: Die Stadtwerke montierten ein Schild, das Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, freundlich ins Kundencenter Mecklenburgstraße umleitet. Das ist wohl die ehrlichste Bauwerksbeschilderung der Stadt: Barrierefrei sind wir nicht – rollen Sie bitte weiter. Seitdem werden für das InfoCenter auch keine Öffnungszeiten mehr angegeben.
Kurz zum Welterbe-Förderverein, der das Gebäude seither als Geschäftsstelle nutzt: 2023 zog er mit den Worten ein, das neue Zuhause sei „perfekt“. Auf Anfrage hieß es damals, das Büro sei nur für den Verein gedacht und nicht öffentlich – für ein langfristig geplantes Welterbe-Zentrum werde man Barrierefreiheit selbstverständlich „mitbedenken“. Mitbedenken.
Zurück zur Altstadtfete: Glasfaserbaum, Sonderangebote, 35 Jahre Stadtwerke. Wer zu Fuß unterwegs ist, bekommt ein rundum gelungenes Fest. Wer auf eine echte Rampe angewiesen ist, bekommt dieselbe Antwort wie seit Februar 2022: weiterrollen bis Mecklenburgstraße. Immerhin – das Licht des Glasfaserbaums ist das erste Element am InfoCenter, das wirklich alle genießen können. Man kann es von der Straße aus bewundern.
Viereinhalb Jahre nach dem Video darf man der behindertesten Rampe Deutschlands eine gewisse Konsequenz nicht absprechen: Sie zeigt seitdem unbeirrt, wie ernst es Stadt und Stadtwerke mit Barrierefreiheit meinen. Heute strahlt sie dazu im Festlicht. Das Schild hängt übrigens auch noch – komplettiert wird das Ensemble durch die Rampe im Beitragsbild.
Quellen: Stadtwerke Schwerin (Ankündigung zur Altstadtfete), eigener Beitrag vom 13. Juli 2023, Programm der Altstadtfete 2026 (9.–11. Oktober, Altstadt und Pfaffenteich). Foto: Redaktion schwerin.news (10. Oktober 2026).
Lesen Sie dazu auch gerne:
Kein gemeinsames Ziel für Stadtwerke: „nicht nutzbar“, Welterbe-Verein mit Ausgrenzung zufrieden?
Barrierefreiheit ist kein Gefallen: Warum am 5. Mai in Schwerin demonstriert wird
http://www.schwerin.news arbeitet ehrenamtlich – abonnieren Sie uns und werden Sie über jeden neuen Beitrag informiert.
(red)















Geben Sie hier ihren Senf dazu ab.