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Statt Bezahlkarte-Frust: Im Komplex können Schwerinerinnen und Schweriner am 13. Oktober Gutscheine tauschen
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Wer die Bezahlkarte für Asylsuchende für Misstrauen und Gängelung hält, hat in Schwerin einen Ort, an dem er etwas dagegen tun kann: Am Dienstag, 13. Oktober, lädt das „Tauschsystem Schwerin“ von 16 bis 18 Uhr in den Komplex in der Pfaffenstraße 4 ein. Dort geht es darum, die Idee kennenzulernen – Gutscheine tauschen, Tischtennis spielen, Kaffee trinken und sich über das System informieren.

Die Eckdaten

  • Termin: Dienstag, 13. Oktober 2026, 16 bis 18 Uhr
  • Ort: Komplex Schwerin, Pfaffenstraße 4, 19055 Schwerin
  • Angebot: Gutscheine tauschen, Tischtennis spielen, Kaffee trinken, Informationen über das Tauschsystem
  • Hinweis der Veranstaltenden: Bargeld mitbringen
  • Veranstaltende: laut Plakat „weltwechsel“ und „zusammen Bewegen“

Worum es geht: die Bezahlkarte

Asylsuchende erhalten in immer mehr Bundesländern einen Teil ihrer Leistungen nicht mehr als Bargeld, sondern als Guthaben auf einer Bezahlkarte. Überweisungen ins Ausland sind damit nicht möglich; Bargeld können Betroffene nur begrenzt abheben, bundesweit wird häufig von rund 50 Euro im Monat gesprochen. Befürworter sagen, so ließen sich Zahlungen an Schleuser und in die Heimatländer unterbinden. Kritikerinnen und Kritiker halten die Karte für diskriminierend und für ein Hindernis im Alltag – etwa bei kleinen Beträgen auf Flohmärkten oder in der Schulpause.

Mecklenburg-Vorpommern ging bei der Bezahlkarte einen eigenen Weg: Das Innenministerium in Schwerin schrieb 2024 eine landeseigene Karte aus. Innenminister Christian Pegel (SPD) hatte damals betont, Überweisungen ins Ausland seien nicht möglich, eine monatlich begrenzte Bargeldabhebung aber schon. Die genaue Höhe der Grenze und die Umsetzung in den einzelnen Kommunen, auch in Schwerin, sind in dieser Meldung nicht belegt; dazu haben wir bei der Stadtverwaltung keine aktuellen Angaben gefunden.

Wie ein Tauschsystem funktioniert

Die Idee ist andernorts bereits erprobt – etwa in Bayern, wo das Bündnis „Offen!“ in München und anderen Städten „Kartentausch“-Stellen betreibt. Das Prinzip: Geflüchtete kaufen mit ihrer Bezahlkarte Einkaufsgutscheine, zum Beispiel von Supermärkten, und erhalten dafür an den Tauschstellen Bargeld in gleicher Höhe. Das Geld kommt von Menschen, die ihrerseits die Gutscheine mitnehmen und damit einkaufen. Betreut werden die Stellen ehrenamtlich. Das Ergebnis für beide Seiten: Wer Gutscheine kauft, zahlt wie im Laden den vollen Wert; wer Bargeld braucht, kommt an sein Geld.

Bayerische Staatsanwaltschaften sahen die Aktion laut Berichten als „strafrechtlich nicht angreifbar“. Politischer Gegenwind kam trotzdem: Die CSU kündigte an, entschieden gegen solche Tauschbörsen vorzugehen, und fragte im Münchner Stadtrat, ob eine Unterstützung der Kampagne Folgen für Zuschüsse haben könne. Das Bündnis nennt das einen Einschüchterungsversuch.

Was in Schwerin passiert

Das Schweriner Angebot lädt ausdrücklich zum Kennenlernen ein: Wer mitmachen möchte, kann sich vor Ort informieren, Gutscheine tauschen oder einfach vorbeikommen. Der Komplex Schwerin in der Pfaffenstraße ist ein soziokulturelles Zentrum in der Altstadt, das regelmäßig Veranstaltungen zu gesellschaftlichen Themen anbietet. Zum Programm gehört an diesem Nachmittag auch Tischtennis und Kaffee – ein niedrigschwelliger Einstieg ohne Anmeldung.

Unsere Einordnung

Man muss die Bezahlkarte nicht mögen, um den Einsatz für faire Bedingungen im Alltag Geflüchteter wichtig zu finden. Man muss sie aber auch nicht grundsätzlich ablehnen, um die Frage zu stellen, ob 50 Euro Bargeld im Monat für Schulausflüge, Flohmarkt oder Friseur genügen. Das Tauschsystem setzt auf Nachbarschaft statt auf Parolen: Menschen helfen Menschen im Alltag. Wer das für Umgehung hält, sollte sich vor Ort anschauen, was dort tatsächlich passiert – und dass dabei niemand etwas Verbotenes tut. Pauschale Hetze gegen Geflüchtete und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer, wie sie von Rechtsextremen und Teilen der AfD betrieben wird, hilft niemandem und widerspricht dem Geist einer offenen Stadt.

Quellen: Plakat der Veranstaltenden (weltwechsel / zusammen Bewegen), nd-aktuell (20.01.2025), WELT/dpa (22.02.2024), netzpolitik.org. Titelbild: Plakat der Veranstaltenden.

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(red)

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