(red) Schwerin ist aus der Endlagersuche ausgeschieden. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat am Dienstag mitgeteilt, dass der Untergrund der Landeshauptstadt nicht die Mächtigkeit mitbringt, die für ein Atommüllendlager nötig wäre. Salz, Ton oder Kristallingestein in ausreichender Schichtdicke gibt es hier nicht. Damit ist die Stadt raus. Geologisch ist das nachvollziehbar.
Aus redaktioneller Sicht ist es eine verpasste Chance. Denn wer eine Million Jahre Sicherheit versprechen will, braucht vor allem Erfahrung mit Zeiträumen, in denen nichts fertig wird. Diese Erfahrung liegt in Schwerin seit Jahrzehnten vor.
Die Paulshöhe zum Beispiel. Seit Jahren wird gestritten, ob der alte Sportplatz Wohnungen weicht. Gebaut wurde nichts. Der Platz liegt da, unversehrt, geduldig. Oder Zippendorf. Das denkmalgeschützte Strandresort, für das Pläne für hunderte Ferien- und Dauerwohnungen durch die Ausschüsse wandern. Mehrere Bebauungspläne wurden geändert. Gebaut wurde nicht.
In der Friedrichstraße steht die frühere Staatsbank. Dort sollte längst das Vier-Sterne-Hotel „Le Tresor“ eröffnet sein. Nach Insolvenzen steht das Projekt still. Das Gebäude steht, der Tresor steht, nur das Hotel fehlt. Oder die Wiedereröffnung des Fersehturmes …
Und dann ist da noch das Belasso in Krebsförden. Seit 2021 geschlossen, sollte das Freizeitzentrum längst wieder als Bad geöffnet sein. Ein Teil läuft inzwischen, Hotel und Sauna warten noch. Kein Riss im Becken, keine Undichtigkeit. Nur Geduld.
Ein Endlager muss über geologische Zeiträume dicht halten. Schwerin hat Bauprojekte, die über politische Zeiträume dicht halten. Sie lassen nichts durch, weil nichts passiert.
Die BGE hat am Ende nach Geologie entschieden, nicht nach Baukultur. Das ist ihr gutes Recht. Offen bleibt nur die Frage, welcher Ort sonst so glaubwürdig erklären kann, dass etwas in hundert Jahren noch genauso dasteht wie heute.
Schwerin ist aus der Endlagersuche raus. Gut so.


















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