(stm)
Am Donnerstag informierte der Verein Fuss e.V. mit einem Stand in der Mecklenburgstraße über die oft übersehenen Probleme des Fußverkehrs in Schwerin. Mit Flyern, Gesprächen und einer Unterschriftenaktion will die Stadtgruppe Schwerin des Vereins Aufmerksamkeit auf die zunehmend gefährliche Situation auf Gehwegen lenken.
„Die Stadt hat vielerorts Gehwege für den Rad- und Scooterverkehr freigegeben – obwohl in der Innenstadt Tempo 30 herrscht“, so auch in der Mecklenburgstraße – kritisiert Dr. Gerald Ullrich, Landessprecher des Vereins für Mecklenburg-Vorpommern. Das Verkehrszeichen 1022-10 „Fahrrad frei“ erlaubt zwar nur Schrittgeschwindigkeit und gibt Fußgängern Vorrang, doch in der Praxis halte sich kaum jemand daran. Kontrolle durch die Stadt, selten, oft Fehlanzeige.
Besonders gefährdet: Kinder, Alte, Menschen mit Behinderungen
Die Folge: Rollende Verkehrsteilnehmer teilen sich die Wege mit Menschen, die besonders auf Sicherheit angewiesen sind – Familien mit kleinen Kindern, ältere oder mobilitätseingeschränkte Personen. Hinzu kommen Stolperkanten, parkende Fahrzeuge und bauliche Mängel. Gehwege seien mehr als Verkehrsfläche – sie sind öffentlicher Raum, wo man sicher stehen, gehen und sich begegnen kann.
Unterschriftenaktion für mehr Aufmerksamkeit
Mit einer in Zulkunft geplanten Unterschriftenaktion will der Verein deutlich machen, wie viele Menschen die aktuelle Situation als unzumutbar empfinden. Die Forderung: Rücknahme der Freigabe von Gehwegen für Rad- und Gewerbeverkehr, wo immer es möglich ist. Künftig sollen die Bedürfnisse der Fußgänger in Planungsprozesse stärker einfließen.
Lob für Radentscheid – aber Fußgänger brauchen auch eine Lobby
Während Autofahrer seit Jahrzehnten durch ADAC & Co vertreten werden und Radfahrer durch Aktionen wie den „Radentscheid Schwerin“ mittlerweile ebenfalls eine starke Lobby haben, bleiben Fußgänger oft zurück. Alle nutzen Gehwege – zu Fuß, im Rollstuhl oder mit Kinderwagen. Und dennoch geraten ihre Interessen regelmäßig aus dem Blick“, heißt es auf einem Informationszettel, der zu dutzenden verteilt wurde. „Wer zu Fuß geht, hat das Nachsehen.“
Mitmachen – auch ohne Mitgliedschaft
Die Stadtgruppe Schwerin des Vereins Fuss e.V. ist noch klein, freut sich aber über Verstärkung. Auch ohne Mitgliedschaft können sich Interessierte engagieren. Mehr Informationen gibt es unter: www.fuss-ev.de
Kontakt: mv@fuss-ev.de oder telefonisch unter 03944 3846 (ab 19 Uhr)












2 Antworten zu „„Wer zu Fuß geht, hat das Nachsehen“ – Verein „Fuss e.V.“ wirbt in Schwerin für mehr Rücksichtnahme“
In Schwerin gibt es schon lange keine Kontrollen mehr. Wenn ich Leute vom Ordnungsamt doch mal sehen sollte, werde ich das Gefühl nicht los, dass sie nur mal einen Spaziergang brauchen. Kontrollen ? Fehlanzeige.
Weißt man Polizei oder Ordnungsamt auf Hindernisse, bekommt man nur zur Antwort: Wir sind nicht zuständig, das ist das andere Amt. Mir schon mehrmals passiert. Deswegen spreche ich schon keinen mehr an.
Ich gehe oft von der Weststadt in die Stadt. Dabei sehe ich immer wieder parkende Autos im Kreuzungsbereich stehen, die gerade Behinderte am Überqueren der Straße einschränken.
Radfahrer auf Gehwegen: Standard. Man bräuchte sich nur an der Kreuzung Obotritenring /Wittenburger Str. stellen. Alleine dort könnten sie ihr Gehalt eintreiben. Gerade bei der Pizzeria ist der Gehweg sehr eng wegen der Ampel. Trotzdem jagen dort die Radfahrer ständig um die Ecke. Hier sollte man viel mehr kontrollieren. Oder müssen erst Leute schwer verletzt werden ????
Nachdrücklicher Hinweis auf die Gefährdung der Fußgänger ist wichtig. Dass die verstärkt wird durch zusätzliche Freigabe einiger Gehwege für Radfahrer bezweifle ich. Viele Radfahrer haben irgendwann mal beschlossen, dass sie sich auf Gehwegen sicherer fühlen als auf der Straße, und diese interessieren sich nicht für Verkehrszeichen. Ob der Weg für Radfahrer freigegeben ist, ob es einen Radfahrstreifen gibt, ob es in der Parallelstraße einen benutzungspflichtigen Radweg gibt – manchen Menschen sind Regeln einfach egal.
Jetzt wird wieder „die Stadt“, also die Verwaltungsbehörde für die Missstände bzw. Gefährdung verantwortlich gemacht, statt einfach mal das eigentliche Problem zu benennen: Rücksichtslosigkeit, Egozentriker, mangelnde Regelkenntnis – wie in so vielen gesellschaftlichen Bereichen das Ergebnis mangelhafter Erziehung, Kommunikation und Sozialkompetenz. Da ist die ganze Gesellschaft gefragt, also jeder einzelne von uns. Sich in Grüppchen von Gleichgesinnten zusammenzutun und auf irgendeine Version von „die da oben“ zu schimpfen fördert nur Spaltung und damit Gleichgültigkeit gegenüber Regeln.